TÜBINGEN. Rainer Klink, Leiter des Museums Boxenstop, ist stets auf der Jagd nach Raritäten. Die am Samstag eröffnete Modellbahn-Sonderschau bietet eine echte Seltenheit: Eine Liliput-Anlage der einst in Göppingen ansässigen Firma Märklin, die viele Jahre weltweiter Marktführer in Sachen Modellbau war. Besonders daran ist die Spurweite 00. Deren 26 Millimeter sind weniger als die lange beliebte Spur 0 und mehr als die weit verbreitete Spur H0.
»Diese Liliput-Eisenbahn bot Märklin letztmalig im Katalog 1928/29 an«, sagte Klink, der die Besucher der Ausstellungseröffnung zur Vitrine mit dieser wirklich seltenen Modellbahn gebeten hatte. Sie sei damals in kleiner Stückzahl gebaut worden, erklärte Klink. »Wir wissen um kein anderes Museum, wo diese Bahn ausgestellt ist.« Nicht einmal das Märklin-Museum in Göppingen habe solch eine Bahn.
Nicht einmal das Göppinger Märklin Museum hat eine 00
Ein besonderer Reiz, so Klink, gehe von den von Märklin um 1920 hergestellten Landschaftsanlagen aus. Für diese wurde spezielles Zubehör hergestellt. Hier: Häuschen aus Metall, von Hand bemalt. Da stehen Telegrafenmasten, die per Draht miteinander verbunden sind. Durch das Gelände fährt ein Personenzug auf kurvenreich verlegten Gleisen. Ein echtes Schmuckstück für die mittlerweile 36. Sonderausstellung im Museum Boxenstop.
In Peter Bentjen hat der Museumsleiter einen treuen Zulieferer an der Hand. Der 83 Jahre alte Tübinger entwirft bis heute großartige Landschaften. Besucher der Sonderausstellung werden an den Wild-West-Panoramas seiner »Amerika-Anlage« nicht vorbeikommen. Einige standen am Samstag länger vor jener faszinierenden Anlage, in welcher Bentjen die Innenstadt von Hamburg in Miniaturform nachbaute. »Da ist die Bahn zweitrangig«, fand Boxenstop-Mitarbeiter Matthias Wittkowitz. »Das ist wie ein Wimmelbild in der Natur.«
Bentjen ist im obersten Stockwerk ein eigener Raum gewidmet, der sich in der ehemaligen Küche von Rainer Klinks Großeltern befindet. Den sollten Modellbahn-Freunde unbedingt besuchen: Die Nachbauten des Klosters Bebenhausen, der Tübinger Neckarfront und des Rathauses der Universitätsstadt sind dort bis ins kleinste Detail nachgebildet. Für Letzteres, so Klink, habe Bentjen um die 2.000 Arbeitsstunden und Bilder des Tübinger Fotografen Uli Metz als Vorlage gebraucht.
Filigran gearbeitet ist auch das riesige Puppenschloss
Öffnungszeiten in den Weihnachtsferien
Ab Samstag, 20. Dezember 2025 öffnet das Museum Boxenstop bis 11. Januar 2026 täglich durchgehend von zehn bis 17 Uhr. Ausnahmen: Am 24.12. und 31.12.2025 bleibt das Museum geschlossen. Ab dem 14. Januar 2026 ist das Boxenstop Mittwochs bis Sonntags von zehn 17 Uhr geöffnet.
Zurück zur Sonderausstellung und damit auch zum ebenso filigran gefertigten Puppenschloss mit seinen 15 hübsch eingerichteten Zimmern. Die darf man durch die Glasscheibe, welche die Rückwand ersetzte, bewundern. Das tat Renate Hoh aus Herrenberg: »Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt! Wir hatten auch ein Puppenhaus.« Dieses Exponat ist ebenso ein Einzelstück wie die 25 Quadratmeter große Digitalanlage, an der die Boxenstop-Mitarbeiter rund ein Jahr arbeiteten.
Wer denkt, dass die Modellbahnen nur etwas für ältere Herren und deren Enkelsöhne seien, irrt: Die Mössingerin Michaela Stöckl nimmt ihr Patenkind Emily Rothmund auf deren Wunsch hin immer wieder ins Museum Boxenstop mit. Denn manche Anlagen darf die Zehnjährige selbst bedienen. Und daran hatte sie auch an diesem Sonntag Freude: »Ich mag Züge!« (GEA)

