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Grün gewinnt auf den Härten und in Kirchentellinsfurt

Die Wahlbeteiligung auf den Härten gehörte auch diesmal zu den höchsten.  FOTO: PIETH
Die Wahlbeteiligung auf den Härten gehörte auch diesmal zu den höchsten. Foto: Frank Pieth
Die Wahlbeteiligung auf den Härten gehörte auch diesmal zu den höchsten.
Foto: Frank Pieth

Grün gewinnt auf den Härten

Gewinner der Wahl auf den Härten sind die Grünen. Ihnen gaben die Stimmberechtigten mehrheitlich sowohl ihre Erst- als auch ihre Zweitstimme. Chris Kühn (Grüne) erreicht 28,5 Prozent und zieht damit souverän an Annette Widmann-Mauz (CDU) vorbei, die bei früheren Bundestagswahlen auf den Härten stets vorne lag. Bei den Zweitstimmen kommen die Grünen in der Gesamtgemeinde auf knapp 24 Prozent, 2017 waren es noch 20,3. Die CDU fällt von 31,8 vor vier Jahren auf jetzt 22,6 Prozent.

Eine Verbesserung erfährt Martin Rosemann (SPD) mit 17,4 Prozent der Stimmen (2017: 15,9). Seine Partei gewinnt auch bei den Zweitstimmen von 14,6 vor vier Jahren auf jetzt 20 Prozent deutlich dazu.

Verbessert hat sich auch die FDP mit ihrem neuen Kandidaten Julian Grünke. Während die Liberalen 2017 noch bei 12,7 Prozent der Stimmen lagen, sind es diesmal 15,3. Grünke holte 9,7 Prozent bei den Erststimmen, sein Vorgänger Christopher Gohl kam lediglich auf 7,6 Prozent. Ihr bestes Ergebnis bekam die FDP in Jettenburg mit 17,5 Prozent der Stimmen und 14,9 für ihren Kandidaten.

Die AfD kam 2017 auf 8,8 Prozent, ihr Kandidat Dubravko Mandic erhielt 6,9 Prozent. Diesmal liegt sie noch bei 6,2 Prozent, ihr neuer Vertreter im Wahlkreis Tübingen, Ingo Reetzke, bekommt 6,3. Während die Linke vor vier Jahren noch 8 Prozent für sich verbuchen konnte, kommt diesmal auf den Härten lediglich auf 4 Prozent. Auch deren bisherige Abgeordnete Heike Hänsel schafft es nur noch auf 3,5 Prozent (2017: 7,6).

Fast 43 Prozent Briefwähler

In sieben Wahlbezirken konnten die 6 370 Wahlberechtigten auf den Härten ihre Stimmen abgeben, vor vier Jahren waren es 6 269. Auch auf den Härten zeigt sich der höchste Briefwähleranteil aller bisherigen Bundestagswahlen: 2 725 Kusterdinger (42,8 Prozent) hatten ihre Stimme bereits zwischen Ende August und heute per Brief abgegeben. 2017 waren es 1 560 (24,9 Prozent).

In Jettenburg liegt die CDU mit 22,6 Prozent der Stimmen deutlich vorn. Gefolgt von der FDP mit 17,5 und den Grünen mit 16,6 Prozent. Die SPD liegt bei 14,9 Prozent und damit erst an vierter Stelle. Auch bei den Erststimmen ergibt sich diese Reihenfolge, allerdings macht der Kusterdinger Chris Kühn hier ein paar Prozentpunkte gut: Er erhält 18,6 Prozent der Jettenburger Stimmen nach Widmann-Mauz mit 26,4. Mit 48 Stimmen hat Rosemann nur drei mehr als Reetzke.

Mit 29,9 Prozent der Wähler in Immenhausen hat Chris Kühn (Grüne) dort die meisten Erststimmen auf sich vereinen können. Widmann-Mauz liegt mit 25,9 Prozent hinter ihm, gefolgt von Rosemann mit 15,1 Prozent. Bei den Zweitstimmen gewinnt die CDU mit 22,7 Prozent, die Grünen kommen auf 20,9 Prozent, die SPD dicht dahinter auf 20,1.

Auch in Wankheim liegt Chris Kühn mit 26,2 Prozent der Stimmen vorn. Hier haben sich auch bei den Zweitstimmen die Grünen (21) knapp gegen die zweitplatzierte SPD (20,8) durchgesetzt. Die CDU kommt hier nur auf 19,3 Prozent. Bei den Erststimmen liegt Widmann-Mauz allerdings mit 25,8 Prozent der Stimmen nur knapp hinter Kühn und deutlich vor Rosemann (16,6).

Im Ortsteil  Kusterdingen liegt Kühn mit 27,5 Prozent ebenfalls an erster Stelle. Zweitplatzierte ist Widmann-Mauz mit 25,7 Prozent, gefolgt von Rosemann mit 18,6. auch bei den Zweitstimmen gewinnen die Grünen (22,8 Prozent) im größten Ortsteil auf den Härten. 21,83 Prozent bekommt die SPD, 20,5 die CDU.

In Mähringen hat die CDU bei den Zweitstimmen mit 26 Prozent deutlich gewonnen. Es folgen die Grünen mit 19,8 und knapp dahinter die SPD (19,6). Auch die Erststimme ging hier mit 26,8 an Widmann-Mauz und die CDU. Dahinter liegt Kühn mit 25,6 vor Rosemann (18).

Die Wahlbeteiligung lag in der Gesamtgemeinde Kusterdingen 2017 bei 85 Prozent, nur in Tübingen war sie damals höher. Diesmal haben sogar 85,3 der Härtenbewohner ihr Wahlrecht wahrgenommen.

Kirchentellinsfurt: Erstmals Grün vor Rot und Schwarz

ückenwind für die Grünen in Kirchentellinsfurt. Erstmals holt ein Kandidat der Öko-Partei mehr Erst-Stimmen als eine Vertreterin der CDU. Der Abstand von Chris Kühn auf Annette Widmann-Mauz war knapp – zwischen beiden liegen ganze zehn Stimmen – doch die Spitzenposition ist weg. Beim Urnengang vor vier Jahren war die CDU-Abgeordnete noch um mehr als 500 Stimmen voraus.

Nun hieß es: Die Staatsministerin verliert fast neun Prozentpunkte, der Grünen-Abgeordnete legt um mehr als 6,3 Punkte zu, und auch Martin Rosemann (SPD) profitiert vom Trend und bekommt anderthalb Punkte mehr als beim vorigen Mal. Allerdings meldet Julian Grünke von der FDP mit 1,85 noch etwas mehr Zuwachs.

Die Urnengänger waren in Kirchentellinsfurt diesmal in der Minderheit.  FOTO: DPA
Die Urnengänger waren in Kirchentellinsfurt diesmal in der Minderheit. FOTO: DPA
Die Urnengänger waren in Kirchentellinsfurt diesmal in der Minderheit. FOTO: DPA

Der Trend spiegelt sich auch im Zweitstimmen-Ergebnis, wo die Reihenfolge erstmals Grün, Rot, Schwarz heißt. Der SPD-Ortsverein feiert aktuell 50-jähriges Bestehen. Bei der Gründung wollte man Impulse für die Bundespolitik geben und Willy Brandt den Rücken stärken. Jetzt kommen zum Jubiläum aus Kirchentellinsfurt viele Stimmen für Olaf Scholz.

Auch beim Zweitstimmen-Ergebnis sind die Abstände minimal. 42 Stimmen trennen die neuen grünen Spitzenreiter von der SPD, weitere 17 sind’s bis zur CDU. Schon beim vorigen Mal hatten die Grünen die SPD überholt. Die FDP steht mit 14,7 Prozent besser da als die Liberalen im Bund.

Die Wahlbeteiligung in Kirchentellinsfurt ist traditionell sehr gut – und das gilt generell für den ganzen Nordosten des Wahlkreises. 2017 war Kirchentellinsfurt mit 84,0 unter den besten drei Gemeinden im Wahlkreis, nur Spitzenreiter Kusterdingen (85 Prozent) und Dettenhausen lagen leicht drüber – und die Stadt Tübingen, die aber stets eine Sonderrolle beansprucht. Jetzt kam Kirchentellinsfurt auf 82,5 Prozent Wahlbeteiligung.

Deutlich verbessert hatte sich beim vorigen Mal die Linke. Sie kam 2017 auf 8,1 Prozent und hat ihr Ergebnis nun mehr als halbiert. 3,7 Prozent blieben übrig. Die AfD ist mit 5,9 zwar auch um fast drei Prozentpunkte abgerutscht, liegt aber immer noch vor der Linken.

Bei den Sonstigen haben die Freien Wähler mit 1,38 Prozent am besten abgeschnitten. Dahinter folgt die Tierschutzpartei mit 0,9. An letzter Stelle kommen die Marxistische-Leninistische Partei Deutschlands und die LKR. Hinter dem Kürzel LKR verbergen sich die Liberal Konservativen Reformer. Je eine Stimme für sie und die MLPD bedeuteten 0,03 Prozent.

Rund 1 800 Wähler in Kirchentellinsfurt nutzten die Möglichkeit der Briefwahl. Das sind mehr als die Hälfte der Menschen, die diesmal ihre Stimme abgaben. 

Tübingen: CDU nur noch an dritter Stelle

Was hat Annette Widmann-Mauz gekämpft. Einen prominenten CDU-Politiker nach dem anderen hat sie in die Stadt oder das Umland gelotst, oder ins Internet, sich an Infoständen den Fragen gestellt und mit Pressemeldungen immer wieder deutlich gemacht, dass Stadt und Uni Tübingen auch von ihrem Einsatz in Berlin nachhaltig profitieren.

Das alles hat nicht gereicht, um den Abwärtstrend der CDU aufzuhalten. Vor acht Jahren war die Partei der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel noch stärkste Kraft mit 30,2 Prozent. Diesen Platz an der Sonne musste die CDU vor vier Jahren den Grünen überlassen, da sie nur noch 23,2 Prozent der Wähler von sich überzeugen konnte. Nun ist ein weiterer Tiefpunkt da. Gerade mal 14,1 Prozent der Stimmen gab es. In Sichtweite nach unten ist man nun nur noch rund 3,5 Prozentpunkte von der FDP entfernt, während die Grünen auf 36,9 Prozent enteilt sind. Das alles bei einer Wahlbeteiligung von 85,8 Prozent (85,4 Prozent vor vier Jahren).

Die SPD konnte sich wieder stabilisieren, ja sogar verbessern. 16,3 Prozent waren es vor vier Jahren gewesen, die der alten Tante noch die Treue hielten. Im Kielwasser des Erfolgs ihres Kanzlerkandidaten Olaf Scholz machten die Genossen auch in Tübingen wieder Boden gut und kamen auf 20,4 Prozent.

Neben der CDU sind die Linken der große Wahlverlierer in der Unistadt. Waren sie noch vor vier Jahren die Partei mit dem größten Stimmenzuwachs, schlug nun das Pendel in die Gegenrichtung aus. Sie verloren mehr als die damals gewonnenen 5,7 Prozentpunkte und unterboten sogar noch das Ergebnis von vor vier Jahren, als sie bei 8,8 Prozent der Stimmen gelandet waren. Nun kamen sie auf nur noch auf 8,4 Prozent, ihre Kandidatin Heike Hänsel gar nur auf 7,6 Prozent.

Damit war sie nicht die Einzige, die weniger Stimmen auf sich vereinigte als die jeweilige Partei hatte. Das passierte auch dem FDP-Kandidaten Julian Grünke, der 6,59 Prozent bekam, seine Partei aber 10,6. Auch SPD-Kandidat Rosemann lag mit 17,4 Prozent der Stimmen 3 Prozent unter seiner Partei. Annette Widmann-Mauz konnte sich wenigstens darüber freuen, dass sie in Tübingen mehr geschätzt wird als die CDU, denn sie kam auf 17,7 Prozent. Chris Kühn toppte das ohnehin gute Ergebnis seiner Partei und freute sich über den Zuspruch von fast 41 Prozent der Wähler. Eine AfD-freie Zone war auch Tübingen nicht. Allerdings fiel der Zuspruch für die Rechtspartei mit 3,2 Prozent mager aus gegenüber 5,2 Prozent vor vier Jahren. (GEA)