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Aktuell Menschenrechte

Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege in Tübingen

Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege erklärte in Tübingen, was Batterien für E-Autos mit dem Krieg im Kongo zu tun haben

Denis Mukwege in Tübingen
Denis Mukwege in Tübingen. Foto: Markus Niethammer
Denis Mukwege in Tübingen.
Foto: Markus Niethammer

TÜBINGEN. Der Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege hat dazu aufgefordert,  bei der Ökologie die Menschenrechte nicht außer acht zu lassen. »Es gibt keine Entwicklung und keine Globalisierung ohne ökologische Globalisierung und ohne Respekt für Menschenrechte«, sagte er  am Sonntag  vor rund 1500 Zuhörern in der Tübinger Uni. Der Arzt und Menschenrechtsaktivist  aus der Demokratischen Republik Kongo ist als Gast des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) gestern und heute in Tübingen und Stuttgart. Er kam direkt vom Evangelischen Kirchentag in Dortmund.

»Saubere Autos müssen sauber fabriziert werden«, fordert Mukwege. Der Abbau von Coltan  und Kobalt, die als Rohstoffe für Elektronikbauteile und Batterien für E-Autos, Handys und Laptops benötigt werden,  haben seit 20 Jahren blutige Verteilungskämpfe in seiner Heimat zur Folge. Sie werden auf dem Rücken von Frauen und Kindern ausgetragen. Mukwege und sein Team haben seit 1999 im Panzi-Krankenhaus in der ost-kongolesischen Stadt Bukavu 50 000 Frauen behandelt, die im Zuge der Auseinandersetzungen gezieltes Opfer von Massenvergewaltigungen wurden.

Er wird dabei vom Tübinger Difäm unterstützt.   Für seine Arbeit erhielt er vergangenes Jahr den Friedensnobelpreis.

Der Mediziner, der in einer berührenden Rede vom Leid der Frauen berichtete,  fordert die internationale Gemeinschaft auf, dem Krieg dort ein Ende zu setzen. »Wenn die Welt es will, kann sie die Verbrechen stoppen -  wie im Balkan«, sagt Mukwege.  Deutschland und die Europäische Union fordert er auf, sich dafür einzusetzen, dass Bodenschätze  ethisch vertretbar abgebaut werden.  Er verlangt zudem, dass der UN-Report, der die Verbrechen im Kongo dokumentierte, endlich Folgen für die Täter hat. »Es kann ohne Gerechtigkeit keinen Frieden geben.« An die Kirchen appelliert er, den Mut zu haben, die Wahrheit zu befreien. Seine dritte Forderung richtet sich an die Verbraucher, sich für gerechten Handel einzusetzen. Mukwege forderte gestern die Zuhörer auf, eine soziale Bewegung zu gründen, sich zu vernetzen  und bei den Unternehmen darauf zu dringen, dass die Rohstoffgewinnung sozialen Standards genügt.

Die Veranstaltung unter dem Titel  »Menschenrechte zwischen Macht und Profit«, die das Difäm zusammen mit Missio, Brot für die Welt, der Diakonie Württemberg, sowie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Kreissparkasse Tübingen organisiert hatte, stieß auf riesiges Interesse.  Wegen des großen Andrangs wurde die Rede  per Livestream in vier weitere Hörsäle der Uni übertragen.  Heute trägt sich Mukwege ins gldene Buch der Stadt der Tübingen ein, bevor er zu politischen Gesprächen anch Stuttgart fährt und dort abends  in der dortigen Stiftskirche  über »Die Rechte der Frauen im Kongo« spricht. (GEA)