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Baum-Diebe in Tübingen unterwegs: Händler klagen

Warum Antonino Franchina in der Altstadt aufs Aufstellen verzichtet. Tübinger Händler klagen

TÜBINGEN. Antonino Franchina mag Christbäume. Ein schöner Brauch. »Ein geschmückter Baum passt zum Advent und zur Weihnachtszeit. Das sorgt für die richtige Atmosphäre. Das gefällt doch allen. Auch wenn man nur in der Altstadt spazierengeht.« All die Jahre hat er eine Fichte oder Tanne behängt und vor seiner Pasticceria aufgestellt. Doch diesmal hat Franchina darauf verzichtet. »Dann ist er bloß wieder weg oder abgeschnitten«, sagt der Konditor.

Voriges Jahr hat Franchina wieder so eine unliebsame Überraschung an Heiligabend erlebt. Als er am Morgen des 24. Dezember in die Metzgergasse kam, war sein Baum nur noch halb so groß. Der obere Teil mit der Spitze war abgesägt und offenbar zur Wiederwendung mitgenommen worden.

Franchina und seine Kunden konnten es kaum glauben. »Wer macht den sowas?«, fragt er heute noch fassungslos. »Man stelle sich vor: Da kommt am Abend das Christkind. Es gibt Geschenke. Und der kleine Baum, der da in dieser Wohnung steht, ist geklaut, weil jemand ein paar Euro sparen oder ihn nicht so weit transportieren wollte.«

Immerhin hat der Christbaum-Dieb bei dieser Tat nur eine Säge gebraucht. Beim Mal davor stand der Baum nicht vor dem Laden. Er war an einem Vorsprung an der Fassade in mehr als zwei Metern Höhe befestigt. Mit besonders schönem Schmuck. Wer immer ihn gestohlen hat, musste eine Leiter dabei haben und Helfer. Und vermutlich sogar ein Fahrzeug, um ihn abzutransportieren – mit allem Drum und Dran. Auch der Ständer war weg.

Möglicherweise hat Franchina sich jetzt einen weiteren Verlust erspart. Denn auch in diesem Jahr klagen Tübinger Händler über mehrere Baum-Diebstähle. Die meisten verzichten darauf, Anzeige zu erstatten. Im Rathaus kennt man das Problem, hat aber keine Zahlen vorliegen. »Das fällt nicht in die städtische Zuständigkeit«, sagt eine Sprecherin der Stadt.

Antonino Franchina hat seine Konsequenzen gezogen. Er dekoriert nur noch die Fassade mit ein paar Zweigen und hat etwas Grün im Laden. Einen Baum stellt er nur noch Zuhause auf. Schön geschmückt. Mit einem uralten Glockenspiel im Ständer. »Ein Baum gehört doch einfach zu Weihnachten dazu.« (-jk)