REUTLINGEN/STUTTGART. Ein massiver Wintereinbruch mit bis zu 25 Zentimetern Neuschnee und Glatteis hat in der Nacht in vielen Regionen Baden-Württembergs für gefährliche Straßenverhältnisse gesorgt. Besonders betroffen war das Gebiet zwischen Stuttgart und Ulm. Zahlreiche liegen gebliebene Lastwagen blockierten Autobahnen, es kam zu stundenlangen Staus und Sperrungen. Mehrere Menschen wurden leicht verletzt, der Sachschaden geht in die Hunderttausende Euro. Im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm zählten die Einsatzkräfte bis zum Morgen mehr als 50 Unfälle. »Unfälle über Unfälle«, sagte ein Sprecher. Der Schaden summiert sich dort auf einen mittleren sechsstelligen Betrag.
Mehr als 100 Unfälle im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen
Auch im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Reutlingen kam es zu mehr als 100 Unfällen, wobei der Schwerpunkt im Kreis Esslingen lag. »Glücklicherweise blieb es bis auf einen Verkehrsunfall ersten Erkenntnissen nach bei Blechschaden, der sich jedoch einer ersten Schätzung nach auf weit mehr als eine halbe Million Euro beläuft«, teilte das Polizeipräsidium mit.
In Wannweil wurden am Sonntagabend, gegen 22.20 Uhr, zwei Verkehrsteilnehmerinnen leicht verletzt. Einer 20-jährigen Seat-Lenkerin war auf der Hauptstraße aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit an die winterlichen Straßenverhältnisse das Heck ihres Fahrzeugs ausgebrochen. Im Anschluss prallte ihr Wagen gegen den entgegenkommenden Volvo einer 58 Jahre alten Frau. Die Volvo-Fahrerin sowie ihre 24 Jahre alte Beifahrerin verletzten sich hierbei leicht und mussten vom Rettungsdienst versorgt werden.
Auf der Champagnestraße beim Esslinger Stadtteil Pliensauvorstadt ereignete sich kurz vor 18 Uhr ein Unfall, zu dem vorsorglich der Rettungsdienst vor Ort kam. Ein 31-Jähriger war mit einem Fiat Doblo bergabwärts unterwegs und geriet hierbei ins Rutschen. Anschließend kollidierte er mit dem aufwärtsfahrenden VW Polo einer 23 Jahre alten Frau. Da sich in dem Fahrzeug des Unfallverursachers ein fünf Jahre altes Kind befand, fuhr eine Rettungswagen-Besatzung an die Unfallstelle. Ersten Erkenntnissen nach war das Mädchen unverletzt geblieben.
Weiterhin musste die Polizei 17 im Schnee liegengebliebenen Verkehrsteilnehmern zu Hilfe eilen und die Fahrzeuge mit Hilfe von Abschleppunternehmen befreien. Zu Beginn des Berufsverkehrs ereigneten sich am Montagmorgen in der Zeit von sechs Uhr bis neun Uhr 16 weitere, witterungsbedingte Unfälle. Schwerpunkt war weiterhin der Kreis Esslingen.
Hierbei kam es kurz nach sechs Uhr auf der B 297 zwischen Nürtingen-Reudern und Kirchheim zu einem Frontalzusammenstoß mit zwei leicht verletzten Verkehrsteilnehmern. Ein in Richtung Nürtingen fahrender Lkw-Lenker war ins Rutschen geraten und kollidierte anschließend mit einem entgegenkommenden Pkw. Beide Fahrer mussten durch den Rettungsdienst in eine Klinik gebracht werden.
Ein VW Golf-Fahrer war gegen 6.40 Uhr mit seinem Wagen auf der B 27 auf der Aichtalbrücke in Fahrtrichtung Tübingen bei schneeglatter Fahrbahn ins Schleudern geraten. Hierbei krachte sein Wagen gegen die Mittel- und die rechtsseitigen Leitplanken. Der ersten Erkenntnissen nach leicht verletzte Mann wurde ebenfalls mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.
Nach neun Uhr entspannte sich die Situation aufgrund steigender Temperaturen merklich und auf den mittlerweile geräumten Straßen ereigneten sich keine nennenswerten witterungsbedingten Unfälle mehr.
Kurzzeitig gesperrte Landebahn und Verspätungen am Flughafen Stuttgart
Die starken Schneefälle im Raum Stuttgart haben am Flughafen der Landeshauptstadt für wenig Einschränkungen gesorgt. Seit Betriebsstart um 6.00 Uhr morgens seien fünf Flüge mit etwa 10 bis 15 Minuten leicht verspätet gewesen, sagte eine Sprecherin. Ein Zubringerflug nach Frankfurt sei gestrichen worden. Am Sonntagabend wurde der Sprecherin zufolge die Landebahn zweimal kurzzeitig gesperrt, um den Schnee zu räumen. Größere Verzögerungen habe es nicht gegeben. Die Sprecherin des Flughafens ging davon aus, dass im Laufe des Tages wegen des Wetters voraussichtlich keine weiteren Verspätungen dazukommen dürften. Für den Montag waren 150 Starts und Landungen am größten Flughafen in Baden-Württemberg geplant.
Das Schneetreiben hat am Morgen auch den Bahnverkehr in der Region Stuttgart ausgebremst. Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) meldete witterungsbedingt Ausfälle und Verspätungen auf sämtlichen S-Bahn-Linien. »Ein reibungsloser Betriebsstart kann nicht gewährleistet werden«, teilte der VVS mit.
Die S-Bahnen fuhren zunächst nur im 30-Minuten-Takt, weitere Verzögerungen und Ausfälle waren möglich. Auch der Regionalverkehr war von den winterlichen Bedingungen betroffen. »Gänzlich spurlos geht das Wetter auch an den Regionalzügen nicht vorbei«, so ein Sprecher des Verbunds. Die Stuttgarter Stadtbahnen hingegen rollten laut VVS planmäßig, auch der Busverkehr blieb weitgehend stabil – lediglich kleinere Verspätungen wurden gemeldet.
Im Gebiet des Polizeipräsidiums Stuttgart blieb die Lage im Auto-Verkehr zwar vergleichsweise ruhig, dennoch nahm die Polizei rund 70 Einsätze infolge von Glätte auf. »Die Situation hat sich über Nacht deutlich entspannt«, sagte eine Sprecherin.
Fahrzeuge auf A8 nahe Aichelberg abgeschleppt
Bereits am Sonntagabend wurden auf der Autobahn 8 am Nordrand der Schwäbischen Alb nahe Aichelberg mehrere Fahrzeuge abgeschleppt. Streufahrzeuge und das Technische Hilfswerk waren im Einsatz. Im Raum Göppingen und im nördlichen Alb-Donau-Kreis waren die Einsatzkräfte ebenfalls bis in den frühen Morgen im Schneetreiben unterwegs.
Schneeglätte und querstehende Lastwagen sorgten auch in den Regionen Heilbronn und Ludwigsburg für zahlreiche Einsätze. In Heilbronn registrierte die Polizei mehr als 70 Unfälle, zwei Menschen wurden verletzt. Am Weinsberger Kreuz war die Fahrbahn zeitweise komplett blockiert.
Das Polizeipräsidium Aalen nahm 65 wetterbedingte Unfälle mit drei Leichtverletzten und einem Schaden von rund 450.000 Euro auf. Unter anderem krachte es im Rems-Murr-Kreis 44 Mal, in der Ostalb 15 Mal – jeweils mit mehreren Leichtverletzten. Im Landkreis Schwäbisch Hall kam es zu sechs Unfällen, verletzt wurde dort niemand. (pol/dpa)

