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Regierungsbildung: Diese Koalition wollen die Grünen aus der Region

Wer taugt zum Bündnis? Kretschmann liebäugelt mit der Union. Die Grünen aus der Region haben eine eigene Meinung.

Wer stützt hier wen? Ministerpräsident Kretschmann (rechts) stolpert und wird vom CDU-Landesvorsitzenden Strobl aufgefangen. Nun
Wer stützt hier wen? Ministerpräsident Kretschmann (rechts) stolpert und wird vom CDU-Landesvorsitzenden Strobl aufgefangen. Nun wirbt der Grüne für ein Regierungsbündnis im Bund zwischen seiner Partei und der angeschlagenen Union. Foto: Weissbrod/dpa
Wer stützt hier wen? Ministerpräsident Kretschmann (rechts) stolpert und wird vom CDU-Landesvorsitzenden Strobl aufgefangen. Nun wirbt der Grüne für ein Regierungsbündnis im Bund zwischen seiner Partei und der angeschlagenen Union.
Foto: Weissbrod/dpa

REUTLINGEN. In Berlin verhandeln die Parteispitzen gerade, wer künftig der neuen Bundesregierung angehören soll. FDP und Grüne dürften gesetzt sein. Doch ob die Kleinen nun den Wahlsieger SPD oder die arg gebeutelte Union ins Kanzleramt hieven wollen, darüber besteht Uneinigkeit. Zumindest bei den Südwest-Grünen. Spricht sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann doch recht offen für ein Jamaika-Bündnis mit den Konservativen aus. Landesvorsitzende Sandra Detzer dagegen setzt sich ein für eine Ampel-Koalition mit den Sozialdemokraten. Wohin also soll die Reise gehen für die Umweltpartei? Der GEA hat Politiker und Politikerinnen aus der Region nach ihrem Wunsch-Partner gefragt. Alle haben Stellung bezogen – bis auf den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der sich nicht zum Thema äußern wollte.

Sarah Heim, Landessprecherin der Grünen Jugend Baden-Württem-berg. FOTO: DETSCHER
Sarah Heim, Landessprecherin der Grünen Jugend Baden-Württem-berg. FOTO: DETSCHER
Sarah Heim, Landessprecherin der Grünen Jugend Baden-Württem-berg. FOTO: DETSCHER

 Sarah Heim

»Für uns ist klar, dass die CDU in die Opposition muss, denn sie wurde abgewählt. Ihr jetzt den Weg ins Kanzleramt zu ebnen, wäre nicht zu rechtfertigen. In Sachen Soziales ist die SPD die bessere Partnerin, dennoch bringt auch die Ampel-Koalition hohe Hürden mit sich. Hier muss unser grünes Sondierungsteam hart verhandeln, damit wir eine Koalition bekommen, in der Klimaschutz nicht gegen soziale Gerechtigkeit ausgespielt wird.«

Beate Müller-Gemmeke, Bundestagsabgeordnete für Reutlingen.
Beate Müller-Gemmeke, Bundestagsabgeordnete für Reutlingen. Foto: Gerlinde Trinkhaus
Beate Müller-Gemmeke, Bundestagsabgeordnete für Reutlingen.
Foto: Gerlinde Trinkhaus

Beate Müller-Gemmeke 

"Natürlich wünsche ich mir eine Ampel, denn in dieser Konstellation haben wir aus Sicht der Grünen die meisten politischen Schnittmengen. Aber am Ende wird es darum gehen, wer in einem Dreierbündnis unsere Forderungen und Ziele am stärksten mittragen kann. Und das werden wir jetzt herausfinden müssen. Wir werden sondieren: Mit wem lässt sich besser grüne Politik machen? Wer wird unsere Klimaziele stringent mit uns verfolgen?

Wer begibt sich mit uns auf den 1,5-Grad-Pfad? Und wer wird mit uns den sozial-ökologischen Umbau der Wirtschaft stemmen hin zu echter Klimaneutralität? Und natürlich wird es auch zentral darum gehen, wer mit uns zusammen für mehr soziale Gerechtigkeit sorgt und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt endlich wieder stärkt. Dabei geht es auch um einen gerechten Arbeitsmarkt mit fairen Löhnen und guten Arbeitsbedingungen. All dies ist mit einer chaotischen und zerstrittenen Union und einem Kanzlerkandidaten, der abgewählt wurde, gerade nur schwer vorstellbar."

Thomas Poreski, Landtagsabgeordneter für Reutlingen. FOTO: MADDALENA
Thomas Poreski, Landtagsabgeordneter für Reutlingen. FOTO: MADDALENA
Thomas Poreski, Landtagsabgeordneter für Reutlingen. FOTO: MADDALENA

Thomas Poreski 

"Die Ampel bietet die Chance für einen Aufbruch mit einem Dreiklang aus Klimaschutz, Innovation und sozialem Zusammenhalt. Diese Chance zu nutzen, ist die Verantwortung von SPD, Grünen und FDP. Dazu muss Wahlsieger Olaf Scholz zeigen, dass er – anders als bisher – in der Praxis beim Klimaschutz nicht mehr bremst, den möglichen Regierungspartnern auf Augenhöhe begegnet und sie nicht mehr als "kleines Beiboot" (Zitat aus früheren Zeiten) betrachtet.

Jamaika ist damit aus heutiger Sicht im Bund unwahrscheinlich, jedoch nicht völlig ausgeschlossen. Gegen die Union und für ihre Erneuerung in der Opposition sprechen allerdings der massive Vertrauensverlust in ihr Spitzenpersonal, die innere Zerrissenheit und die Indiskretionen aus den Vorgesprächen."

Cindy Holmberg, Landtagsabgeordnete für Hechingen-Münsingen. FOTO: WILLIAMSON
Cindy Holmberg, Landtagsabgeordnete für Hechingen-Münsingen. FOTO: WILLIAMSON
Cindy Holmberg, Landtagsabgeordnete für Hechingen-Münsingen. FOTO: WILLIAMSON

Cindy Holmberg 

"Die SPD hat mit Olaf Scholz die Wahl klar gewonnen. Es liegt also an ihm, die nächste Regierung zu bilden und den beiden möglichen Koalitionspartnern gute Angebote zu machen, die tragfähig und nachhaltig sind. Dreier-Konstellationen sind nicht einfach, bieten aber große Chancen für die Modernisierung unseres Landes. Für uns Grüne steht das konsequente Handeln im Bereich Klimaschutz und Verkehr an vorderster Stelle.

Ich vertraue unserem Verhandlungsteam unter der Führung von Annalena Baerbock und Robert Habeck – in dem auch unser Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit von der Partie ist – die besten Verhandlungsergebnisse für mehr Klimaschutz zu erreichen, die dann von der Basis in einer Urabstimmung bestätigt werden. Wichtig ist eine schnelle Einigung, denn im Januar übernimmt Deutschland die Präsidentschaft der G7-Staaten. Dies bietet große Chancen für den globalen Klimaschutz und die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens."

Daniel Lede Abal, Landtagsabgeordneter für Tübingen.
Daniel Lede Abal, Landtagsabgeordneter für Tübingen. Foto: Marquardt
Daniel Lede Abal, Landtagsabgeordneter für Tübingen.
Foto: Marquardt

Daniel Lede Abal 

"Wir Grünen sind mit einer klaren Botschaft angetreten: Uns kommt es auf den Klimaschutz an. Deshalb interessiert mich zuallererst, mit wem das am besten möglich ist. Wir müssen die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einhalten. Damit das gelingt, müssen wir sozialen Ausgleich schaffen und Innovationen anstoßen. Daraus ergeben sich Fragen an alle Kandidaten. Auch an Wahlsieger Olaf Scholz, der Fracking-Gas aus den USA ebenso unterstützt hat wie die Nordstream-Pipeline.

Mir persönlich steht die Ampel-Koalition politisch näher. Ich bin überzeugt davon, dass sie viele neue Impulse setzen kann. Zum Beispiel in der Asylpolitik: Horst Seehofer war als Innenminister ein großes Hindernis, wann immer es darum ging, dass gut integrierte Flüchtlinge bei uns bleiben können. Ich würde die Ampel außerdem als solider empfinden. Denn ich frage mich, wie stabil eine Jamaika-Koalition überhaupt sein könnte: Armin Laschet ist intern offenbar umstritten, die gesamte CDU ringt um ihre Marke. Das würde eine politische Zusammenarbeit erschweren. (GEA)"