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Diabetes als Risiko-Faktor bei Corona

Wenn Betroffene nichts von ihrer Zuckerkrankheit wissen oder für ältere Patienten mit anderen gesundheitlichen Problemen könnte es schwere Krankheitsverläufe geben

Coronavirus
Ein Coronavirus unter dem Mikroskop. Foto: Center for Disease Control/epa/dpa/Archivbild
Ein Coronavirus unter dem Mikroskop. Foto: Center for Disease Control/epa/dpa/Archivbild

TÜBINGEN/BERLIN. Die Zahl der Diabetespatienten in Deutschland liegt nach jüngsten Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) bei mindestens acht Millionen und nimmt stetig zu. »Wir haben täglich etwa 1 500 neue Fälle in Deutschland, vor allem Typ-2-Diabetes-Fälle«, sagte Sprecher Baptist Gallwitz. Bis 2040 sei mit zwölf Millionen Erkrankten zu rechnen.

Deswegen kämpfe unter anderem die DDG für geeignete Präventionsmaßnahmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichne Diabetes schon seit Jahren als Epidemie. Wie bei Covid-19 gebe es zwar Behandlungsmöglichkeiten – aber anders als bei der Viruserkrankung keine Heilungschancen.

Diabetiker seien nicht zwangsläufig Corona-Risikopatienten, hieß es von der DDG. »Man kann nicht alle Diabetes-Patienten über einen Kamm scheren. Vor allem bei jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes, die mit ihrer Insulintherapie eine normnahe Einstellung erreichen und die noch keine Folgeerkrankungen haben, ist kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion gegeben«, sagte Gallwitz.

Für ältere Patienten mit Diabetes Typ 2 und anderen gesundheitlichen Einschränkungen wie Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck oder auch starkem Übergewicht sei Covid-19 mit Risiken verbunden. »Bei einer Covid-Infektion kommt es zu einer Entzündungsreaktion im ganzen Körper. Dadurch können noch zusätzliche Gefäßschäden entstehen. Auch das Risiko für Gefäßverschlüsse und Gerinnselbildung wird erhöht«, sagte Gallwitz, der als stellvertretender Ärztlicher Direktor am Uniklinikum Tübingen arbeitet.

Nach jüngsten Daten der DGG gibt es bundesweit mindestens acht Millionen Diabetiker. Hinzu kämen schätzungsweise zwei Millionen, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Das kann bei einer Corona-Infektion zur Gefahr werden – ebenso wie ein nicht gut eingestellter Diabetes. »Wenn der Stoffwechsel nicht gut unter Kontrolle ist und die Blutzuckerwerte deutlich über der Norm liegen, ist das Immunsystem geschwächt«, erklärte der Diabetologe Gallwitz. Dies berge ein erhöhtes Risiko für zusätzliche bakterielle Infektionen wie beispielsweise einen Harnwegsinfekt oder eine Lungenentzündung.

Die DDG hat inzwischen Handlungsempfehlungen für Covid-19-Patienten herausgegeben. Eine wichtige Botschaft: Ältere Patienten mit Covid-19 sollten auch auf Diabetes getestet werden. Außerdem sollten die Blutzuckerwerte engmaschig betrachtet werden, da diese sich zum Beispiel bei einer Kortison-Behandlung ändern könnten. Die Diabetes-Therapie müsse bei einer Covid-19-Behandlung oft angepasst werden, so Gallwitz. »Häufig muss man die Medikamente auf eine andere Therapieform umstellen.« (dpa)