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Aktuell Unwetter

Klärwerk in Betzingen wieder in Betrieb, Dußlinger Bürgermeister fordert Erdwall

Die Unwetter in Reutlingen und Tübingen sind vorbei - aber die Folgen noch lange nicht überwunden. Was in den vergangenen Tagen passierte und wie es weitergeht.

Verschlammter Tunneleingang.  FOTO: PIETH
Verschlammter Tunneleingang. FOTO: PIETH
Verschlammter Tunneleingang. FOTO: PIETH

Mittwoch, 30. Juni 2021

Klärwerk in Betzingen: Abwasserreinigung wieder in Betrieb

15:43 Uhr Beim Unwetter am Montag war Wasser in die Pumpenräume im Klärwerk West eingedrungen und hatte die Elektrik beschädigt. Die Folge: Das Abwasser der Stadt konnte nicht mehr ordentlich geklärt werden. Inzwischen läuft die Abwasserreinigung wieder.

Momentan arbeiten die Pumpen zwar im Notbetrieb, dennoch wird das Abwasser vollständig geklärt. Die Stadtentwässerung Reutlingen arbeitet weiter mit Hochdruck daran, den Normalbetrieb im Klärwerk wiederherzustellen. (pm)

Trinkwasser
Leitungswasser läuft in ein Glas. Foto: Lukas Schulze/Archiv
Leitungswasser läuft in ein Glas. Foto: Lukas Schulze/Archiv

Dußlinger Bürgermeister fordert Erdwall gegen Wassermassen

15:32 Uhr Nach der Rettungsaktion im 450 Meter langen überfluteten Tunnel in Dußlingen (Kreis Tübingen), bei der zwei Männer gerettet wurden, macht sich der Bürgermeister des Orts stark für einen Erdwall. »Jetzt müsste aus meiner Sicht auf der Gemarkung Nehren ein Rückhaltebecken gebaut werden. Der muss nicht aus Beton sein, ein Erdwall oder ein Erddamm mit einer Höhe von bis zu 1,5 Metern wäre ausreichend«, sagte Bürgermeister Thomas Hölsch. (dpa)

Unwetter führen zu Ernteausfällen von bis zu 100 Prozent

13:33 Uhr Die Unwetter der vergangenen Tage haben vielen Bauern die Ernte regelrecht verhagelt. Landwirte in den Kreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb müssen nach Angaben des Landesbauernverbands bis zu 100 Prozent von ihrem Mais, Getreide und ihren Kartoffeln abschreiben. In den Landkreisen Calw und Freudenstadt ist der zweite Schnitt im Grünland wegen Starkregens nicht mehr möglich. Damit ist die Versorgung der Kühe betroffen. Nicht alle Landwirte hätten eine Hagelversicherung, erläuterte Vize-Hauptgeschäftsführer Horst Wenk am Mittwoch in Stuttgart. »Wir raten aber dazu, weil das Wetter immer unkalkulierbarer wird und das Land die Hälfte der Kosten beisteuert.« (dpa)

Unwetter in Pfullingen und Eningen: »Es war einfach zu viel Wasser«

10:50 Uhr Land unter auch in Pfullingen und Eningen. In der Nacht auf Dienstag waren in der Echazstadt deshalb gefühlt mehr Feuerwehrautos als Privatautos unterwegs. Stand gestern wurden die Pfullinger Helfer zu 202 Einsatzstellen gerufen, die Eninger zu 54. Von den Folgen des Starkregens verschont blieb diesmal Lichtenstein. Die Kräfte von Kommandant Andreas Daum unterstützten mit weiteren zwölf Wehren aus den Kreisen Reutlingen und Biberach die Pfullinger Kollegen. In Eningen rückten die St. Johanner an, um die Folgen der Sturzflut zu mindern. Eine Bilanz. (GEA)

SANDSÄCKE UND SPERRMÜLL

Feuerwehr und Bauhof helfen

Als Vorsorgemaßnahme können Pfullinger Bürger direkt im Feuerwehrhaus in der Bismarckstraße 53 gefüllte Sandsäcke für drei Euro pro Stück abholen. Wer durch das Unwetter angefallenen Sperrmüll hat, der abgeholt werden muss, kann sich bei den Mitarbeiterinnen des städtischen Bauhofs (07121 70307701 und 70307702) melden und einen Abholtermin dafür vereinbaren, teilt die Pfullinger Stadtverwaltung mit. (eg)

Der Dusslinger Tunnel bleibt gesperrt

9:17 Uhr Der B27-Tunnel in Dußlingen ist durch das schwere Unwetter nicht nutzbar. Es werden aktuell Meldungen verbreitet, dass der Tunnel am heutigen Mittwoch, 30. Juni 2021 um 11 Uhr wieder öffnen würde. Diese Meldungen sind falsch. (pm)

Nichts geht mehr auf Neckar: Schifffahrt eingestellt

8:30 Uhr Nach den heftigen Gewittern von Dienstag bleibt die Schifffahrt auf dem Neckar eingestellt. Bereits seit Montagnacht geht auf dem Neckar nichts mehr, weil der Wasserstand durch die starken Niederschläge innerhalb kurzer Zeit angestiegen ist und weiter hoch bleibt. (dpa)

Tübinger Retter blicken auf dramatische Stunden zurück

7 Uhr  Das Unwetter vom Montag war noch nicht bewältigt, da rückte gestern die nächste Gewitterfront an. Einige Einsatzkräfte im Kreis Tübingen waren noch mit den Folgen des Starkregens und Hagels vom Montag beschäftigt und blickten teilweise auf dramatische Stunden zurück. (al)

Dienstag, 29. Juni 2021

Unwetter in Reutlingen in der Tagesschau

20:20 Uhr Über das Unwetter im Landkreis Reutlingen vom Montagabend wurde heute in den 20-Uhr-Nachrichten der Tagesschau in der ARD berichtet. Gezeigt wurde eine Wohnung, in der Bewohner eingeschlossen waren. Reutlingens Feuerwehr-Kommandant Harald Herrmann kam zu Wort: »Wir hatten Menschen in Lebensbedrohlichen Situationen. Wir haben sieben Personen aus Untergeschosswohnungen mit unseren Tauchern, aber auch fünf Personen aus der Unterführung in Dusslingen mit den Tauchern retten können«, sagte Herrmann vor der ARD-Kamera.

Reutlingens Feuerwehr-Kommandant Harald Herrmann in der Tagesschau. Foto: Denis Raiser
Reutlingens Feuerwehr-Kommandant Harald Herrmann in der Tagesschau.
Foto: Denis Raiser

Keine größeren Feuerwehr-Einsätze in Reutlingen

18 Uhr Am Nachmittag hatte sich die Reutlinger Feuerwehr auf den Ernstfall vorbereitet. Denn vom Wetterdienst wurde für heute Nachmittag die gleiche Unwetter-Warnung an die Feuerwehr gemeldet, wie man sie gestern erhalten hat. Aber die Einsätzekräfte erlebten mussten nicht durcharbeiten. »Es gab keine größeren Einsätze«, berichtet ein Sprecher der Feuerwehr. Einzelne Keller seien zwar aufgrund des Starkregens vollgelaufen, aber Flüsse wie die Echaz traten nicht über die Ufer.

DWD: Es kommt kein Tornado auf Reutlingen zu

17:12 Uhr Laut Deutschem Wetter-Dienst (DWD) ist das Unwetter im Landkreis Reutlingen für heute vorbei. »Das gröbste ist jetzt rum«, sagt DWD-Meteorologe Thomas Schuster, »einzelne Schauer aus Frankreich sind noch unterwegs, aber diese werden Reutlingen wohl nicht erreichen«. Der Dienst Meteosafe hatte am Nachmittag für den Kreis Reutlingen eine Tornado-Warnung herausgegeben. Demnach wurde eine starke Rotation der Gewitterwolke festgestellt, die etwa im 19 Uhr im Kreis Reutlingen ankommen soll. »Wir haben keinen Tornado-Verdachtsfall gehabt«, sagt dagegen Schuster vom DWD. Die höchste im Land gemessene Windgeschwindigkeit habe bei 87 Stundenkilometern im Bereich des Bodensees gemessen, »aber einen Tornado wird es mit Sicherheit nicht geben«, sagt der Meteorologe. Für Mittwoch und Donnerstag hat der DWD eine Warnung der Stufe 2 für den Kreis Reutlingen herausgegeben. Demnach treten einzelne Schauer auf, Sturmböen bis zu 70 Stundenkilometern sind möglich.

Gewitter legen Teile des Bahnverkehrs im Südwesten lahm

16:42 Uhr Erneute Gewitter haben am Dienstagnachmittag für Ausfälle im Bahnverkehr in Baden-Württemberg gesorgt. Am Bodensee wurden nach Angaben der Deutschen Bahn die Strecken zwischen Konstanz und Radolfzell und zwischen Salem und Friedrichshafen (Bodenseekreis) gesperrt. Auch zwischen Bad Saulgau und Aulendorf sowie im Schwarzwald auf der Strecke zwischen dem Freiburger Hauptbahnhof und Kirchzarten kam der Verkehr unwetterbedingt zum Erliegen.

Auch in und um Stuttgart sorgten erneute Unwetter für Einschränkungen im Bahnverkehr. So war die Strecke zwischen Böblingen und Sindelfingen wegen eines Baums im Gleis zunächst gesperrt. Im Bereich um Waiblingen, Schorndorf und Backnang kam es demnach zu Verspätungen und Ausfällen wegen Starkregens. Mindestens nasse Füße bekam, wer im Feierabendverkehr durch die Klett-Passage am Stuttgarter Hauptbahnhof musste. Dort stand am Nachmittag nach heftigen Regenfällen knöcheltief das Wasser. Der Fernverkehr um den Hauptbahnhof war auch am Dienstag noch durch die Folgen des Unwetters beeinträchtigt. Viele Fernverbindungen waren verspätet oder endeten in Esslingen.

Türkische Vereine aus Reutlingen bieten Hilfe an

16:14 Uhr Die türkischen Vereine Reutlingens haben sich dazu entschlossen, all jenen Hilfe anzubieten, die vom Starkregen betroffen sind. Insbesondere ältere Menschen, die mit Aufräumarbeiten überfordert sind, können sich ab sofort telefonisch oder per Mail melden. Die Solidaritätsaktion sei kostenlos, heißt es in der Pressemitteilung. Ansprechpartner ist Demirezen Mesut (Mobil: 01771532760, E-Mail: ey-ebay@freenet.de). 

R+V-Versicherung: Unwetterschäden von 100 Millionen Euro erwartet

15:58 Uhr Die R+V-Versicherung rechnet allein im Juni mit Unwetterschäden in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Dabei machten etwa zwei Drittel Schäden an Gebäuden aus, gefolgt von Hagelschäden an Autos, teilte die Versicherung am Dienstag mit. Am stärksten betroffen seien Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen. 

Wie das Tierheim Reutlingen tierische Hagelopfer gerettet hat

15:26 Uhr Das verheerende Hagelunwetter hat in den Landkreisen Reutlingen und Tübingen nicht nur Millionenschäden an Gebäuden, Fahrzeugen und Infrastruktur verursacht, sondern auch ungezählten Wildtieren sogar das Leben gekostet. Das Tierheim Reutlingen berichtete von Feldhasen, die von bis zu vier Zentimeter großen Hagelkörnern erschlagen wurden. Gleichzeitig hat sich das Team um Wildtiere gekümmert, die schwer verletzt von zahlreichen Menschen ins Tierheim gebracht wurden.

Wegen Tornadomeldung: Rommelsbach sagt Sitzung des Bezirksgemeinderats ab

15 Uhr Wie Bezirksbürgermeisterin Gabriele Gaiser soeben mitteilt, ist die für den heutigen Dienstagabend, 19 Uhr, anberaumte Sitzung des Rommelsbacher Bezirksgemeinderats vorsorglich abgesagt worden. Grund hierfür ist eine Tornadomeldung des Deutschen Wetterdienstes für den Raum Reutlingen. Der Wirbelsturm wird für 19 Uhr erwartet. Es sei, so Gaiser, für Räte und interessierte Bürger nicht zumutbar, sich angesichts der prognostizierten Wetterlage in Gefahr zu begeben. Die Sitzung wird auf einen späteren Zeitpunkt innerhalb der nächsten zwei Wochen verschoben. Der Ersatztermin wird zeitnah unter anderem im GEA-Lokalteil bekanntgegeben.

Wolken ziehen am Ortsausgang Undingen über die Region. Foto: Volker Kalkau
Wolken ziehen am Ortsausgang Undingen über die Region.
Foto: Volker Kalkau

Gewitter erreicht die Reutlinger Innenstadt

14:53 Uhr Es geht los. In der Reutlinger Innenstadt ziehen dunkle Wolken auf, es windet heftig. Gastronomen verstauen hektisch ihre Tische und Stühle. Die Corona-Teststation an der Marienkirche ist eingeknickt. Fahrradfahrer und Fußgänger verlassen fluchtartig die Altstadt.

Das Zelt einer Corona-Teststation an der Marienkirche in Reutlingen hat dem Wind nicht standgehalten Foto: Denis Raiser
Das Zelt einer Corona-Teststation an der Marienkirche in Reutlingen hat dem Wind nicht standgehalten
Foto: Denis Raiser

Die Unwetterfront über der Region ist da

14:31 Uhr Das sieht nicht gut aus. Tiefrot zeigt die Karte des Deutschen Wetterdienstes eine Schlechtwetterfront, die über die Region zieht. Der Screenshot zeigt links den Zustand um 14.28, und rechts 14.31. Rot bedeutet eine Unwetterwarnung der Stufe 3. Damit wird vor orkanartigen Böen mit Geschwindigkeiten zwischen 90 km/h (25m/s, 48kn, Bft 10) und 110 km/h (31m/s, 60kn, Bft 11) sowie heftigen Starkregen mit Niederschlagsmengen zwischen 30 l/m² und 40 l/m² pro Stunde und Hagel mit Korngrößen um 2 Zentimetern gewarnt. Es seien unter anderem verbreitet schwere Schäden an Gebäuden möglich. Bäume können entwurzelt werden und Dachziegel, Äste oder Gegenstände herabstürzen. Überflutungen von Kellern und Straßen sowie örtliche Überschwemmungen an Bächen und kleinen Flüssen sind möglich. (GEA) 

Reutlinger Feuerwehr macht sich für Ernstfall bereit

13:46 Uhr Die Reutlinger Feuerwehr versucht ihre Einsatzbereitschaft widerherzustellen. Wie Herrmann berichtet, habe man vom Wetterdienst für heute Nachmittag die gleiche Unwetter-Warnung, wie für gestern erhalten. Derzeit sei man dabei, Sandsäcke wieder aufzufüllen und Geräte bereitzumachen. Außerdem müssten Schäden an den Feuerwehrhäusern in Betzingen und Ohmenhausen behoben werden. Obwohl seine Männer heute Nacht kaum geschlafen haben, geht Herrmann davon aus, dass sie sich heute Abend im Ernstfall wieder genauso engagiert einsetzen werden, wie gestern. Schmunzeln fügt er an: »Die ganze Woche können wir das aber nicht durchhalten.«

Oferdingen heftig erwischt

13:11 Uhr »Es war jetzt zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage, dass es uns in Oferdingen mächtig getroffen hat«, sagt Oferdingens Bezirksbürgermeisterin Ute Stähle. Am schlimmsten sei es im Besterwasen gewesen. »Der Dreck ist erneut von den Feldern in den Ort geschwemmt worden. Aber dieses Mal nicht in einem Bach, sondern in dreien, die runtergekommen sind.« Das Wasser und der Schlamm habe den Anwohnern die Wohnzimmer und die Keller geflutet – nachdem sie die Schäden vom letzten Mittwoch gerade beseitigt hatten. »Die Menschen waren der Verzweiflung nahe.« Die Sandsäcke, die nach dem Hagelunwetter geliefert wurden, und die erneut zum Einsatz kamen, hätten nicht viel gebracht. »Es waren einfach zu wenige.« Zwar seien Sandsäcke nachgeordert worden, aber es habe keine mehr gegeben. »Wir haben uns dann am Montag mit Biergarnituren und Gartentischen zu helfen versucht, damit das Wasser ums Haus herumgeleitet wird.«

Noch nie habe sie in ihrem Leben gesehen, wie schnell eine Straße zum reißenden Bach werden kann, sagte Ute Stähle. »Als die Feuerwehr dann kam, war fast alles vorbei.« Nur im Rietgraben sei eine Gruppe Feuerwehrleute vor Ort gewesen. Die anderen Einsatzkräfte seien vermutlich ins Reutlinger Stadtgebiet abkommandiert worden. »Da hat es ja früher angefangen.« Ohne Nachbarschaftshilfen wären die Schäden weitaus höher gewesen, ist sich Ute Stähle sicher. Was die Nachbarn geleistet hätten, »war toll«.

Die beiden Unwetterereignisse der vergangenen Tage hätten deutlich gemacht, »dass ganz dringend darüber nachgedacht werden muss, wie man die Menschen schützen kann«. Sie beobachte mit Sorge, dass solche Wetterextreme in der Vergangenheit zugenommen haben – »und weiter zunehmen werden«, sagte Ute Stähle. »Man kann den Klimawandel nicht leugnen. Wir müssen unbedingt ein Konzept erarbeiten, um den Menschen zumindest eine gewissen Sicherheit zu geben – damit sie nicht bei jeder schwarzen Wolke Angst bekommen.«

Wasser in der Echaz stieg innerhalb von Minuten um bis zu 1,80 Meter

12:35 Uhr Der Ortskern Betzingens wurde stark überflutet. Schuld war die Echaz, deren Wasserpegel laut Herrmann innerhalb von Minuten um 1,50 bis zu 1,80 Meter gestiegen ist. Dabei wurde auch das Klärwerk in der Bezirksgemeinde in Mitleidenschaft gezogen. Wie Torsten Müller, Fachgebietsleiter Gewässer und Hochwasserschutz, bei der Reutlinger Stadtentwässerung berichtet, sei Wasser eingeteten, weshalb es zu Schäden an der Elektrik kam. »Aktuell können wir das Abwasser der Stadt nicht ordentlich klären«, sagt Müller. Man müsse derzeit teilweise verschmutztes Wasser in die Echaz ablassen. Hinzu kam, dass das die Anlage mit Wassermassen überfordert war. »Auf dem Starkregenindex haben wir die Stufe 8 von 12 erreicht«, sagt Müller und ergänzt: »Das kann über eine Kanalbewirtschaftung nicht mehr abgearbeitet werden.« 

Die Gewitterfront zieht von Tübingen Richtung Reutlingen.
Das Unwetter zieht von Tübingen Richtung Reutlingen. Foto: Denis Raiser
Das Unwetter zieht von Tübingen Richtung Reutlingen.
Foto: Denis Raiser

112 überlastet - Telekom ging von Hacker-Angriff aus

12:10 Uhr Kurz nach 18:50 Uhr gingen gestern die ersten Notrufe bei der Reutlinger Feuerwehr ein. Zunächst aus Gönningen, dann aus Bronnweiler und Pfullingen. Wenig später war die Nummer 112 dann für mehrere Stunden überlastet. 16 Notrufe kann die Feuerwehr über die 112 entgegennehmen, teilweise waren jedoch 1.000 Anrufer in der Leitung. Die Telekom sei deshalb sogar von einem Hacker-Angriff ausgegangen, berichtet Herrmann. Zwischenzeitlich wurden Bürger über die Warnapp Nina aufgefordert, Notrufe über die 110 abzusetzen. Da heute wieder mit einem schweren Unwetter zu rechnen ist, geht der Stadtbranddirektor davon aus, dass die 112 wiedder überlastet sein wird. Anrufern rät er: »In der Leitung bleiben und warten.«

Personen in Kellern und im Dußlinger Tunnel eingeschlossen

11:29 Uhr Zwei Personen wurden in ihren überfluteten Kellern eingeschlossen und mussten von der Wasserrettung der Feuerwehr befreit werden. Dramatische Szenen spielten sich auch in Dußlingen ab. Gegen 19.30 Uhr begann der B27-Tunnel durch überflutete Felder vollzulaufen. Auf dem Höchststand waren beide Röhren auf der kompletten Länge bis zu zwei Meter tief geflutet. Es waren ein Feuerwehrauto, ein Pkw und ein Kleinlastwagen von eingeschlossen. Laut Herrmann standen einige Personen auf den Dächern ihrer Fahrzeuge und warteten auf Hilfe. Sechs wurden von zwei Rettungsbooten der DLRG in Sicherheit gebracht. Der Tunnel ist aktuell noch gesperrt.

Knapp 1.000 Kräfte im Einsatz

11:13 Uhr Bei einer Pressekonferenz in der Reutlinger Feuerwache informierten Feuerwehr, Technische Betriebsdienste (TBR) und Stadtentwässerung über die Einsätze vergangene Nacht und die Folgen des Unwetters. Laut Stadtbranddirektor Harald Herrmann waren insgesamt rund 1.000 Kräfte vor Ort. Die Feuerwehr verzeichnete 789 Einsatztmeldungen, 565 davon in der Stadt Reutlingen. Es kam zu Überschwemmungen entlang der Echaz, vollgelaufenen Kellern, aufgeschwemmten Öltanks und Gasaustritten. Schwerpunkte waren Betzingen, Gönningen, Bronnweiler, Ohmenhausen, Sondelfingen, Degerschlacht, Riederich und Mittelstadt. Außerdem mussten neun Stadt- und Gemeindeverbindungsstraßen gesperrt werden, darunter auch die B28 nach Tübingen. Aktuell laufen noch 75 Einsätze.

ÖPNV im Raum Stuttgart lahmgelegt

11:05 Uhr Tausende Fahrgäste im Raum Stuttgart sind am Dienstagmorgen von Störungen der öffentlichen Verkehrsmittel infolge des Unwetters betroffen gewesen. Die Überflutung der zentralen Stuttgarter Station Charlottenplatz führte zu Behinderungen für die Nutzer der Stadtbahnen, teilte die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) mit.

Ein Feuerwehrfahrzeug stand im überfluteten Tunnel in Dußlingen unter Wasser. Foto: Meyer
Ein Feuerwehrfahrzeug stand im überfluteten Tunnel in Dußlingen unter Wasser.
Foto: Meyer

Deutscher Wetterdienst: Heute noch kräftige Gewitter - Morgen wird's ruhiger

10:15 Uhr Die Aussichten sind nicht gut. Beim Deutschen Wetterdienst in Stuttgart blicken Wetterexperten wie Meteoroligin Peggy Hofheinz mit Sorge auf den Dienstag. »Ab dem Nachmittag bis in den Abend hinein erwarten wir von Südwesten her lokal kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial«, sagt Hofheinz. Das schlechte Wetter überquere die Region in einer Linie von Südwest nach Nordost. Dass es heftig werden wird, sei ziemlich sicher, »aber schwierig zu sagen, welcher Ort das Schlimmste abkriegt«. Möglich seien Starkregen bis zu 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit sowie Hagelansammlungen mit einem Durchmesser um zwei Zentimeter pro Hagelkorn. Die Hagelgefahr sei dabei etwas geringer als Montagnacht, aber das Starkregenpotenzial ähnlich hoch. (zen)

Gewittergefahr in Reutlingen und Region am höchsten in ganz Deutschland

9:52 Uhr Während vielerorts die Aufräumarbeiten nach dem schweren Hagelunwetter noch andauern, haben Wissenschaftler und Wetterexperten darauf hingewiesen, dass Gewittergefahr in unserer Region am höchsten in ganz Deutschland. Dr. Jan Handwerker vom Karlsruher Institut für Technologie, der mit Kollegen eine Wetterstation zwischen Rottenburg und Wurmlingen betreibt, erklärt, warum das so ist.

Hagelschaden-Soforthilfe der TBR: Container missbraucht

9:29 Uhr Wie beim Hagelschaden 2013 wollte die Stadt auch diesmal schnell und unkompliziert helfen. Also stellten die Technischen Betriebsdienste Reutlingen (TBR) nach dem Unwetter am vergangenen Mittwoch in Betzingen, Rommelsbach, Degerschlacht und Mittelstadt Container auf, in denen Betroffene ihre vom Hagel zerstörten oder – wo Keller vollgelaufen waren – durchnässten Habseligkeiten entsorgen können. Doch die Container wurden für Sperrmüllentsorgung missbraucht.

Sachschäden und Verkehrsbehinderungen nach Starkregen

8:50 Uhr Zum wiederholten Mal innerhalb weniger Tage haben seit Montagabend heftige Gewitter die Bevölkerung sowie die Rettungs- und Einsatzkräfte im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen in Atem gehalten. Das Führungs- und Lagezentrum der Polizei zählte im Zusammenhang mit dem Unwetter über 540 Notrufe. Wenngleich der Hagelniederschlag geringer ausfiel als vergangenen Mittwoch, so sorgte der in allen Landkreisen zu verzeichnende Starkregen für enorme Wassermassen, die zu noch nicht abschätzbaren Sachschäden, zahlreichen Gefahrenstellen und Verkehrsbehinderungen führten.

Vor allem im Zeitraum zwischen 19.30 Uhr und Mitternacht wurden zahlreiche Keller und Straßen überflutet, da die Kanalisation die Regenmengen schlicht nicht mehr aufnehmen konnte. Meldungen über verletzte Personen liegen dem Polizeipräsidium Reutlingen bislang (Stand 8.45 Uhr) nicht vor.

In Reutlingen-Betzingen schaffte es die Kläranlage nicht mehr, das ankommende Wasser aufzunehmen und lief über. Auch das Flachdach eines rund 800 Quadratmeter großen Anbaus einer Firma in der Senefelder Straße in Metzingen hielt dem Starkregen nicht Stand und brach gegen 20.20 Uhr zusammen. Personen befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht darin.

Hochwasserbedingt mussten auch der Flughafentunnel (B 312), der Plieninger Tunnel sowie der Tunnel der B27 bei Dußlingen gesperrt werden. In letzterem stieg das Wasser zu Hochzeiten bis fast an die Tunneldecke an. Autofahrer, die dort mit ihren Fahrzeugen in den Fluten stecken geblieben waren, wurden durch die Feuerwehr und die DLRG mit Booten gerettet. Der Tunnel in Dußlingen bleibt bis auf Weiteres voll gesperrt, der Plieninger Tunnel ist aktuell lediglich in Richtung Stuttgart befahrbar.

Mit Straßensperrungen aufgrund von Überschwemmungen, umgestürzter Bäume oder Verunreinigungen mit Schlamm muss in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen, Esslingen und Zollernalbkreis nach wie vor gerechnet werden. (GEA)

Die Brücke an der Mühle in Betzingen. Foto: Markus Niethammer
Die Brücke an der Mühle in Betzingen.
Foto: Markus Niethammer