REUTLINGEN. »Räumungsverkauf« ist zur Überraschung vieler Kunden schon am Eingang von Möbel Roller in Reutlingen auf Plakaten zu lesen. Der Discounter schließt seine 1996 eröffnete Filiale in der Föhrstraße »spätestens Ende Juni«. Das bestätigte das Unternehmen mit Sitz in Gelsenkirchen auf GEA-Anfrage. Wer auf der Suche nach günstigen Möbeln und Haushaltsartikeln ist, hat dafür in der Stadt bald eine Anlaufstelle weniger.
Die Entscheidung ist Teil einer größeren Konsolidierungsmaßnahme. Neben dem Standort in Reutlingen werden in diesem Jahr drei weitere Roller-Filialen schließen: Crailsheim (Ende April), Villingen-Schwenningen (Ende Juni) und Oldenburg in Schleswig-Holstein (Ende Juni).
Roller-Standort Reutlingen nicht profitabel genug
Roller begründet den Sparkurs mit der angespannten Lage im Möbelhandel. »Der Möbelhandel steht derzeit unter spürbarem Druck durch ein zurückhaltendes Konsumverhalten«, teilte das Unternehmen dem GEA mit. Die Standorte würden regelmäßig auf Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit überprüft. Auf dieser Grundlage seien die Schließungen nach sorgfältiger Prüfung beschlossen worden.
In einem GEA-Artikel im Jahr 2020 war von rund 40 Beschäftigten bei Roller in Reutlingen die Rede. Wie viele nun von der Aufgabe des Standorts betroffen sind, ließ Roller offen. Den Mitarbeitenden würden jedoch »alle möglichen offenen Stellenangebote bei Roller in der näheren Umgebung aktiv angeboten«, heißt es. Ob sich damit alle Arbeitsplätze sichern lassen, bleibt aber unklar. Roller betreibt nach eigenen Angaben bundesweit noch mehr als 100 Standorte und beschäftigt mehr als 6.000 Mitarbeiter. Der Möbel-Discounter gehört zur Tessner-Gruppe und steht seit einigen Jahren in einer 50/50-Partnerschaft mit der österreichischen XXXLutz-Gruppe.
Möbelbranche unter Druck
Die Möbelbranche kämpft seit längerem mit der Kaufzurückhaltung. Viele Verbraucher verschieben größere Anschaffungen und geben weniger Geld für Sofas, Tische, Stühle, Betten und Matratzen aus. Die Schließungen bei Roller reihen sich ein in eine breitere Konsolidierungswelle im Möbelhandel. Auch andere Ketten reduzieren ihre stationäre Präsenz.
Der Preisdruck in der Branche ist hoch: Discounter wie Roller konkurrieren mit Anbietern wie Ikea, Mömax oder Poco, das eine Filiale in Eningen betreibt. Trotz der Einschnitte betont das Unternehmen, weiterhin an seinem Konzeptdes eines preisbewussten Mitnahme-Möbelhauses festzuhalten. Eine Stichprobe des SWR hatte zuletzt aber gezeigt, dass Roller bei einzelnen Standardartikeln nicht günstiger war als die Konkurrenz.
Die Reutlinger Filiale soll bis zur Schließung wie gewohnt geöffnet bleiben. Bereits jetzt läuft ein Abverkauf mit stark reduzierten Preisen. Kunden aus der Region sollen künftig auf die Roller-Märkte in Waiblingen und Ludwigsburg ausweichen können. Dort stehe weiterhin das gewohnte Sortiment an Möbeln und Wohnaccessoires zur Verfügung, so das Unternehmen. Zur künftigen Nutzung der markanten Gebäudes in der Föhrstraße mit fast 18.000 Quadratmetern Verkaufsfläche wollte sich das Unternehmen nicht äußern. (GEA)

