REUTLINGEN. Tiefer Einschnitt für das Finanzamt Reutlingen. An diesem Freitag wird die Behördenkantine ein letztes Mal den Herd anschalten. Denn nach vielen Jahren der Versorgung zieht sich das Catering-Unternehmen Insiva aus dem Finanzamt zurück.
Für die Belegschaft des Reutlinger Finanzamts ist die Schließung ein herber Schlag. »Viele unserer Leute haben die Kantine regelmäßig besucht und waren zufrieden«, sagt Amtsleiterin Sigrid Hilberath. »Sie war eine Konstante und über die Jahre hinweg solide.« Aber nicht nur für die Angestellte des Finanzamts, auch Mitarbeiter der umliegenden Behörden, des Reutlinger General-Anzeigers und ältere Leute aus Wohnquartieren seien regelmäßige Gäste gewesen, ergänzt Hilberath.
Noch kein konkreter Kandidat für die Nachfolge
»Der Kantinenbetrieb soll auf jeden Fall weitergehen«, sagt die Amtsleiterin. »Aber wie genau, das überlegen wir zurzeit noch.« Noch gebe es keinen konkreten Kandidaten für eine Nachfolge. »Ich würde aber sagen, dass eventuell bis Frühsommer eine Nachfolge gefunden wird«, sagt sie.
Wenn ab kommender Woche die Kantine zubleibt, werden sich die Hungrigen vor allem auf die Fußgängerzone verteilen, ahnt Hilberath. »Viele werden sich aber auch etwas zu essen mitbringen.« Wie sie selbst. »Ich habe meistens mein eigenes Essen dabei und habe daher nur selten in der Kantine gegessen.« Vergangenen Montag aß sie aber dort. Und machte bei dieser Gelegenheit gleich ein Abschiedsfoto mit den Mitarbeitern der Insiva.
Die Insiva ist in mehreren Bereichen aktiv
Seit der Gründung 2012 betrieb die Insiva GmbH die Kantine des Finanzamts. Aber nicht nur: Das Unternehmen mit Sitz in Tübingen versorgt auch die Cafeteria Nackarbogen Tübingen und im Landratsamt Tübingen, sowie diverse Schulen wie das Albert-Einstein-Gymnasium in Reutlingen und verschiedene Kindertagesstätten. Neben des Caterings ist die Insiva in drei weiteren Geschäftsbereichen aktiv: Pflege und Gestaltung von Grünflächen oder Baumfällungen, elektrotechnische Dienstleistungen und Dienstleistungen für Industrie und Handel.
Die Insiva, eine Tochter des Sozialunternehmens Habila, macht sich stark für Inklusion. Bei ihr arbeiten laut eigener Website rund 170 Personen. Es gelte für alle Geschäftsbereiche eine Mindestquote von 40 Prozent an Beschäftigten mit Handicap. Die Kantine stach aber nicht nur deshalb hervor. Sie war über viele Jahre ein Ort für Kunst und Kultur. Regelmäßige Ausstellungen boten lokalen und regionalen Künstlern eine Bühne am Leonhardsplatz.
Warum die Insiva das Catering in der Behördenkantine am Leonhardtsplatz nicht mehr weiterführt, ist nicht bekannt. Bis zu Redaktionsschluss war die Geschäftsführung des Unternehmens nicht für ein Statement zu erreichen. (GEA)

