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Weg nach »Reidlingen«: Kurioses Schild sorgt in Steinhilben für Aufsehen

Da hat wohl niemand Korrektur gelesen: Die Umleitung führt ins schöne »Reidlingen«. Aber wo, bittschee, ist das denn?
Da hat wohl niemand Korrektur gelesen: Die Umleitung führt ins schöne »Reidlingen«. Aber wo, bittschee, ist das denn? Foto: Cordula Fischer
Da hat wohl niemand Korrektur gelesen: Die Umleitung führt ins schöne »Reidlingen«. Aber wo, bittschee, ist das denn?
Foto: Cordula Fischer

Der Schwob ist ein echtes Käpsele. Schafft gern. Und ist sparsam noch dazu. So weit der kurzen lokalkolorierten Vorrede.

In Steinhilben sorgte vor ein paar Tagen ein Umleitungsschild bei einem GEA-Leser für Erheiterung nebst gleichzeitiger Verwirrung für Ortsfremde: Wegen einer Baustelle zwischen Hohenstein-Bernloch und Pfronstetten und Sperrung der Bundesstraße 312 werden zurzeit alle Autos umgeleitet, die nach Zwiefalten wollen und weiter in den Landkreis Biberach und dort ins Zielstädtchen Riedlingen. Aber ach, du Schreck, wo – bittschee – liegt denn dieses »Reidlingen«, in das der unbedarfte Autofahrer geschickt wird?

Das Schild in Steinhilben, sollte man meinen, ist ein kurioser Einzelfall, der in einer launigen Randnotiz im GEA Beachtung fand. Denkste! Das kleine Verwirrspiel ist größeren Ausmaßes. Man muss schon genau wissen, wohin man fahren will: An der L 230 zum Beispiel wird der aufmerksame Autofahrer statt – wie üblich über Kleinengstingen nach Riedlingen – weiter geradeaus geschickt: laut Interims-Schild eben nach dem schönen »Reidlingen«. Lautsprachlich könnte das heißen, es geht nach »Reitlingen«, der kleinen Großstadt am Fuße der Schwäbischen Alb. Und tatsächlich, einige Meter hinter dem Umleitungs-Wegweiser steht es auf dem offiziellen stationären Straßenschild: Hier geht es nach Reutlingen. Und was machen diejenigen, die gerade von Reutlingen über Holzelfingen gefahren kommen und nach Riedlingen wollen? Die werden beim Einbiegen in die L 230 ebenfalls nach »Reidlingen« geschickt.

Obacht: Auch hier geht’s nach dem scheena »Reidlingen«.  FOTOS: FISCHER
Obacht: Auch hier geht’s nach dem scheena »Reidlingen«. FOTOS: FISCHER Foto: Cordula Fischer
Obacht: Auch hier geht’s nach dem scheena »Reidlingen«. FOTOS: FISCHER
Foto: Cordula Fischer

Da war wohl ein Spaßvogel mit dialektalem Know-how am Werk. Oder eben ein Käpsele. Schrieb »Reidlingen« aufs Schild und ließ es unzählige Male vervielfältigen. Im Dutzend gibt’s die Wegweiser nämlich billiger. Schaffa und schbara eben, die Schwoba! Aber gibt’s nicht noch eine dritte schwäbische Kardinaltugend? No ned hudla!, heißt es doch. Daran muss in diesem Fall wohl noch gschafft werden. Im Schilderwald verstecken, gilt nicht. Oder ist da einer liaber hählenge gscheid? Besser er hätt’ gschrieben »donomm« oder »emmr dr Nos noch«. Ein echter Schwob tät’s kabiere. Älle andere tätet denka: »Gugge rom, gugge nomm, laudr Daggl om me rom!«

Wer sich das Schbässle mit dene Autofahrer gmacht hot? Das Regierungspräsidium Tübingen (RP) hat eine für die Verkehrssicherung zuständige Firma beauftragt, die die Schilderproduktion wiederum an einen Subunternehmer weiterreichte. Stehen die Schilder an der richtigen Stelle? Steht drauf, was draufstehen muss? Es gab eine Abnahme, und es gibt ein Abnahmeprotokoll – ohne Beanstandung abgesegnet. Der Buchstabendreher ist nicht aufgefallen. »Es passiert nicht oft, aber manchmal wird so etwas übersehen«, heißt es aus dem RP.

Also Leut, mir fahret nach Riedlingen, Reidlingen, Reitlingen, Reutlingen. ’S isch iberall schee. Und au a alde Maus finded iberall a Loch. Bald wird der Weg tatsächlich nach Riedlingen gewiesen: Der Fehler ist erkannt, neue Schilder sind beauftragt. Vielleicht kommen sie sogar noch, bevor die Bauarbeiten voraussichtlich Ende Oktober enden. Gute Fahrt und kommet gut an – wo auch immer! (GEA)