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Steinhilber nehmen Steinhilber beim Bürgerball auf die Schippe

Steinhilber nehmen Steinhilber auf die Schippe: Das ist die Essenz der köstlichen Bürgerball-Narrensuppe

Jubiläumsgarde: Alle »Gardehäser« der letzten 50 Jahre präsentierte die Jubiläumsgarde. Asterix und Obelix traten erfolgreich in
Jubiläumsgarde: Alle »Gardehäser« der letzten 50 Jahre präsentierte die Jubiläumsgarde. Asterix und Obelix traten erfolgreich in den Clinch mit den Römern. FOTOS: HÄUSSLER
Jubiläumsgarde: Alle »Gardehäser« der letzten 50 Jahre präsentierte die Jubiläumsgarde. Asterix und Obelix traten erfolgreich in den Clinch mit den Römern. FOTOS: HÄUSSLER

TROCHTELFINGEN-STEINHILBEN. Was passiert, wenn KI die Funktionäre der Narrenzunft ersetzt? Das haben Zunftmeister Marc Hazotte und sein Zunftratskollege Timo Hölz bei den Bürgerbällen in der Augstberghalle ausprobiert. Kurz gesagt – sie haben ihre Cyborgs, brillant gemimt von Rainer Walter als Zunftmeister und Adrian Hölz als Zunftrat, in verschiedenen Modi wie »Umzug«, »Begrüßung« oder »Gaudiwurm« getestet. Fazit: Zurück an den Absender, Fasnet muss von richtigen Menschen aus Fleisch und Blut gemacht werden. Dabei unterstützt ganz Steinhilben seine Narren, indem übers Jahr ausreichend Missgeschicke geschehen, die es dann liebevoll pointiert auf »d’Fasnet« schaffen, was die Gäste regelmäßig köstlich amüsiert, weiß doch keiner, wen’s trifft.

Ausnahmsweise auch mal Politik

Lukas Daigler blickte als Hanswurstel aufs Dorfgeschehen und erspähte die zwei Narren, die beim Wilsinger Nachtumzug den Heimweg mit einem »Trettl-Bulldog mit halber Ponystärke« antreten mussten. »Am dunklen Brunnen« saßen Alwin Ott, Jürgen Locher, Svenja Ulmer und Moritz Ott und sinnieren über vorweihnachtliche Dunkelheit im Dorf. Wäre die Plastiktüte um eine Steckverbindung an der Weihnachtsbeleuchtung nach unten offen gewesen, hätten die Sicherungen gehalten. Auch »alte Hasen« wie Ott und Locher sind gegen Lachkrämpfe nicht gefeit, entschlüpft den als »Augstbergpiraten« aufspielenden Augstbergmusikanten ein flatulenzähnliches, unentschlossenes Tüschchen. Neudirigent Rüdiger Ruf meisterte als schlagfertiger Entertainer seinen ersten Bürgerball bravourös mit viel Selbstironie.

Bürgerball Steinhilben
Bürgerball Steinhilben Foto: Stefanie Häußler
Bürgerball Steinhilben
Foto: Stefanie Häußler

Den Narren, der ein Fässle Wasser statt Bier gebracht hat, rügten Alexandra und Andreas Frank vom Wagenbau: »Wer trinkt an der Fasnet Wasser? Koi Sau!« Für 40 Jahre Wagenbau bedankten sie sich mit einem Albrebellensong, was diese wiederum rührte, blicken sie auf zwei Jahrzehnte beste Stimmungsmusik zu-rück. Nach drei Zugaben war Schluss – das begeisterte Publikum hätte beliebig weitersingen können. Charmant eskortiert von den Zunftratsdamen Elisa Jaschewski und Anna Maria Wittner, besangen die Hülasänger beispielsweise Junggärtner Karl »Süßbeck« Heinzelmann. Glaubt man dem Sprichwort um Intelligenz und Kartoffelgröße, müsse er schon »arg gscheit« sein, hatte ein unterirdischer Kostgänger nur Minikartöffelchen am Stock gelassen. Tanzend Geschichten zu erzählen können sowohl die »Saustallpfosta« als auch die Schwungrad-Crew: Erstere präsentierten Asterix und Obelix, zweitere die Persiflage vom »Schuh des Manitou«. Dass sich die Aktivgarde das Tanzen nicht verbieten lässt, glaubt man den jungen Frauen auf Anhieb – geballte Frauenpower wirbelte ebenso beeindruckend über die Bühne wie die Maskentänzer und die drei Garden samt Jubiläumsgarde. Traditionell kommt die Steinhilber Fasnet ohne Politikschelte aus – eine Mahnung platzierte Moderator und Zunftrat Martin Denzler dennoch: »Was passiert, wenn die Ampel ausfällt? Dann gilt rechts vor links und soweit darf’s nicht kommen!« (häs)