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Aktuell Betreuung

Warum die Kirche von der Stadt Pfullingen enttäuscht ist

Der Pfullinger Gemeinderat hat entschieden, den Kindergarten-Neubau finanziell nicht zu unterstützen.

Foto: dpa
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PFULLINGEN. Trotz der Ablehnung des Neubaus des katholischen Kindergartens St. Josef gibt die katholische Kirchengemeinde nicht auf. »Wir suchen nach neuen Lösungen«, sagte Dekan Hermann Friedl nach dem Bekanntwerden der Entscheidung des Gemeinderates. »Der bestehende Kindergarten wird weitergeführt. Eltern können auch weiterhin ihre Kinder im katholischen Kindergarten anmelden.« Eine Stellungnahme der Stadtverwaltung zu der gestern Nachmittag eingegangenen Pressemitteilung der Kirche war nicht erhältlich, da zu diesem Zeitpunkt die Haushaltsberatungen der Stadt liefen.

Der Pfullinger Gemeinderat habe in einer nicht-öffentlichen Sitzung am 13. November entschieden, den Neubau des Kindergartens in der Braikestraße neben der katholischen Kirche nicht zu unterstützen, heißt es in einer Pressemitteilung weiter. Konkret hatte die katholische Kirchengemeinde in Pfullingen um die Beteiligung der Kommune mit dem Mindestsatz von 70 Prozent an den Investitionskosten von knapp drei Millionen Euro, die hälftige Beteiligung an den Kosten für einen möglichen Architektenwettbewerb sowie die Neuregelung des Kindergartenvertrags ab Inbetriebnahme des Neubaus gebeten.

Immense Vorarbeit

»Die Entscheidung des Gemeinderates hat mich bis ins Mark getroffen«, gibt Dekan Friedl offen zu. Seit 73 Jahren gebe es eine katholische Kinderbetreuung in Pfullingen, seit 57 Jahren direkt neben der Kirche. Die katholische Kirche habe immer einen wichtigen Beitrag zur Bedarfsdeckung von Kindergartenplätzen geleistet. Tatsächlich sollten mit dem Neubau auch Plätze für eine dritte Gruppe für Unter-Dreijährige und eine Ganztagsgruppe geschaffen werden. Plätze, die der Gemeinde fehlen, so Friedl.

Auch die hauptamtlichen Mitarbeiter im Verwaltungszentrum und die ehrenamtlich tätigen Kirchengemeinderäte seien über der Entscheidung enttäuscht, angesichts der immensen Vorarbeit, die seitens der Kirchengemeinde geleistet worden sei. Erste Planungsgespräche habe es schon 2015 gegeben, auf Verbesserungsvorschläge seitens der Kommune sei die Kirchengemeinde immer wieder eingegangen, bei der Betriebskostenregelung sei man der Gemeinde mehrfach entgegengekommen.

Nicht nachvollziehbar

Nicht nachvollziehbar sei daher die Begründung des Gemeinderates für die Ablehnung: Der katholische Kindergarten passe nicht in die Konzeption der Kommune, da die Lage mitten in der Stadt keine Erweiterungsmöglichkeiten zulasse. »Darüber haben wir nie gesprochen, das wurde nie geprüft«, so Friedl.

Trotz der Ablehnung wollen die Katholiken in Pfullingen nicht aufgeben. »Wir haben eine christliche Verantwortung«, betonte Friedl. »Es ist uns ein großes Anliegen, dass auch auf lange Sicht in Pfullingen die Möglichkeit besteht, Kinder in einem konfessionellen Kindergarten anzumelden.« Um diesem gerecht zu werden, sucht die Kirchengemeinde jetzt nach neuen Lösungen. Verschiedene Ansätze sollen dabei in Betracht gezogen werden, auch die, dass das bestehende Gebäude komplett saniert und ausgebaut wird, obwohl dieser Vorschlag bislang als unwirtschaftlich galt. »Wir werden alle Möglichkeiten eingehend prüfen, um den Kindergarten für weitere Jahrzehnte zu halten und auszuweiten.« (eg)