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»Hallo-Nachbar-Anrufe« gegen die Einsamkeit

Die Pfullinger Nachbarschafts-Initiative PAULA organisiert soziale Kontakte am Telefon

Telefon
Ein Mann hält einen Telefonhörer. Foto: Armin Weigel/dpa/Symbolbild
Ein Mann hält einen Telefonhörer. Foto: Armin Weigel/dpa/Symbolbild

PFULLINGEN. Die Coronakrise und die massive Einschränkung des öffentlichen Lebens haben den Alltag verändert. Viele Menschen, die allein leben, sind nun regelrecht einsam. Insbesondere wenn sie zu dem Personenkreis zählen, der sich nicht in der digitalen Informations-Flutwelle bewegt. Die Nachbarschafts-Initiative Paula möchte auch für diese Menschen die Möglichkeit schaffen, trotz Ausgangsbeschränkungen soziale Kontakte zu haben: Sie organisiert »Hallo-Nachbar-Anrufe«.

Manche allein Lebenden sind sehr alt, körperlich eingeschränkt oder zu krank, um sich mit modernen Medien zu befassen, andere haben einfach kein Interesse daran. »Da kann das gute alte Telefon eine Renaissance erleben und für Abwechslung im Alltag sorgen«, heißt es in einer Mitteilung von Quartierskoordinatorin Hanna Schmid vom Treff Jahnstraße.

Doch wie erfahren Nachbarn, dass da draußen, außerhalb ihrer vier Wände, Menschen sind, die sich gern mit ihnen am Telefon austauschen und ihnen mit einem Gespräch Abwechslung verschaffen wollen? Die Aufgabe, die möglichen Gesprächspartner miteinander in Verbindung zu bringen, übernimmt das Projekt »Pfullingens Alltagsunterstützung für das Leben im Alter und mit Behinderung«, kurz Paula.

Paula ist ein Projekt der Samariterstiftung in Pfullingen und steht für lebendige Nachbarschaft, die jetzt in diesen schwierigen Zeiten besonders wichtig ist. Vor allem schenkt diese Nachbarschaft in Zeiten von Quarantäne und sozialer Isolation ein bisschen Wärme, Sicherheit und Geborgenheit. »Zum jetzigen Zeitpunkt wünschen wir uns freiwillige Helfer, die telefonisch Kontakt zu isolierten, einsamen Menschen halten«, erklärt Hanna Schmid. »Vielleicht entstehen daraus Interessen-Tandems, die sich auch in Zukunft gern treffen wollen, in einer Zeit nach dem Virus.«

»Für Juli ist zudem eine neue Schulungsreihe geplant, die Grundlagen für eine gelingende Begleitung von Menschen mit Unterstützungsbedarf bietet«, erklärt deren Organisatorin Margret Jung. Gemeinsam mit Hanna Schmid und Britta Eichler hat sie die Schwerpunkte für die Fortbildungsreihe ausgesucht. Dabei geht es um Themen wie Grundlagen der Gesprächsführung, Erste Hilfe bei Senioren, Informationen zu Versorgungs- und Betreuungsdiensten, Hilfsmittel, Rechte und Pflichten freiwillige Engagierter.

»Ich freue mich, dass gegenwärtig so starke Impulse aus der Nachbarschaft kommen, in der Krisenzeit zusammenzustehen«, versucht Britta Eichler, Koordinatorin des Treffpunkt Kutscherhauses, Positives in der Krise zu entdecken. Damit alle Hilfe über die »Hallo-Nachbar-Anrufe« auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird, bündelt Paula die Kontakt- und Austausch-Gesuche. Im Koordinierungsbüro versuchen Hanna Schmid und Margret Jung fachkundig, die zueinander passenden Puzzleteile zu finden. (fm)

HALLO NACHBAR

Wer Kontakt-Anrufe übernehmen möchte und auch alle, die sich Anrufe wünschen, melden sich bei Hanna Schmid im Koordinierungsbüro von Paula im Treff Jahnstraße 9. Es ist geöffnet montags von 9 bis 11 Uhr, dienstags von 16 bis 17 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr. (fm)

hanna.schmid@samariterstiftung.de

07121 9883188