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Aktuell Kultur

Eninger Open Air gegen den Kulturnotstand

Rund 100 Besucher kamen am Samstag zum Singer-Songwriter-Wochenende nach Eningen

Das Quiet Lane Quartett war eine von drei Gruppen, die am Samstagabend unter freiem Himmel für das Konzertpublikum im Park am Tü
Das Quiet Lane Quartett war eine von drei Gruppen, die am Samstagabend unter freiem Himmel für das Konzertpublikum im Park am Türmle spielten. FOTOS: SPIESS Foto: Jürgen Spieß
Das Quiet Lane Quartett war eine von drei Gruppen, die am Samstagabend unter freiem Himmel für das Konzertpublikum im Park am Türmle spielten. FOTOS: SPIESS
Foto: Jürgen Spieß

ENINGEN. Richtig abwechslungsreich ging’s zu bei der ersten Ausgabe des Singer-Songwriter-Wochenendes im Park am Türmle: Am Samstag hatte das Jugend- und Kulturzentrum Kult’19 die Band Haage, das Frauenduo Anna & Zina und das Quiet Lane Quartett eingeladen.

Die Zeiten haben sich geändert mit der Corona-Pandemie, auch was Open-Air-Konzerte angeht: Jubel und Trubel oder womöglich Headbanging in den ersten Reihen sind Geschichte, bis zum Sitzplatz besteht Mundschutz-Pflicht und beim Eingang wird man freundlich aufgefordert, seine Kontaktdaten zu hinterlassen. Trotzdem erweist sich das idyllisch gelegene Gelände im Park am Türmle als ausgezeichnete Alternative zu geschlossenen Räumen. Denn während dem veranstaltenden Jugend- und Kulturzentrum in Corona-Zeiten nur etwa 20 Plätze zur Verfügung stünden, bietet der Park Platz für 120 Sitzplätze an der frischen Luft.

So hat das Eninger Jugend- und Kulturzentrum unter ihrem Leiter Michael Löcke die Idee entwickelt, einen Teil der Konzerte, die wegen des Lockdowns ausgefallen sind oder ab Herbst vorgesehen waren, an zwei Wochenenden im Freien durchzuführen und damit wenigstens ein wenig dem Kulturnotstand entgegenzuwirken, der sich durch die Corona-Pandemie zunehmend breit macht. Zum Auftakt des ersten Singer-Songwriter-Wochenendes standen am Samstag drei Gruppen auf der Bühne.

Rockige Alltags-Geschichten

Den Anfang machte das Reutlinger Allroundtalent Bernhard Haage mit seiner Band und präsentierte eine mal überbordende, dann wieder melancholische Mischung aus deutschsprachigem Chanson, Songwriter-Lyrik und rockigen Geschichten aus dem Alltag. Dabei strotzten die Texte nur so vor Selbstironie und eigenwilligem Humor. Die alten und neuen Kompositionen bewegten sich wie eh und je zwischen Eingängigem und Skurrilem, zwischen Charme und Witz und auch Rockiges durfte nicht fehlen.

Foto: Jürgen Spieß
Foto: Jürgen Spieß

Akustisch aufbereitet wurde Bernhard Haages Gesang durch seine langjährigen Mitspieler Christoph Fricker an der E-Gitarre, Pit Brandstetter am Bass und die einzige Frau im Bunde, Eva Bohnacker an den Drums. Songs wie »Neue Dimension« oder »Stunde der Katze« werden getragen von Haages Stimme, der man stets all das anhört, was auch seine Texte auszeichnet: der genaue, empathische Blick fürs Kleine, fürs Subversive, für das große Gefühl. Um ein Vielfaches profaner ging es bei dem folgenden Frauenduo Anna & Zina zu. Poppige Coverversionen wie »Summertime Sadness« von Lana Del Rey wurden begleitet vom sparsamen Geigen- und Klavierspiel und der Stimme von Sängerin Zina. Natürlich reichten die nachgespielten Coverversionen zu keinem Zeitpunkt an die Originale heran, aber die beiden Frauen zeigten doch mit einfühlsamen Gespür, wie man schon häufig gehörte Hits mit hohem Unterhaltungswert und ungewöhnlicher Instrumentierung ans Publikum bringt.

FORTSETZUNG FOLGT

Nächstes Wochenende geht’s weiter: Am Freitag, 25. September, spielt die Bluesrockband Luke aus Saarbrücken mit Special Guest Werner Dannemann, am Samstag, 26. September, treten dann die Liedermacherinnen Hanna Herrlich und Johanna Zeul im Park am Türmle auf. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. (GEA)

Wieder ganz unterschiedlich fiel der abschließende Auftritt des Quiet Lane Quartetts aus: Die seit 2016 bestehende Band musizierte mit zwei akustischen Gitarren, Cello, E-Bass und zwei Stimmen im Spannungsfeld zwischen Folk, Liedermacher-Songs und handgemachter akustischer Musik. Die gefällige Mischung dieser Band spricht auch Hörerschichten an, die vielleicht mit deutscher Liedermacherkunst nicht so viel am Hut haben. Verantwortlich für die unaufdringliche und unkomplizierte Durchsetzungskraft des Quartetts waren vor allem die beiden Leadsänger, die, wenn sie gerade mal nicht sangen, die Akustikgitarren bedienten. Dazu gesellte sich das präzise Cello- und E-Bass-Spiel der beiden weiblichen Bandmitglieder.

Am Sonntag wurde das Singer-Songwriter-Wochenende mit den Bands Ultra Marin, Rana Estedt und Pauline Ruhe & Aleksi Rajala fortgesetzt – auch hier mit schönstem Spätsommer-Wetter und angenehmen Temperaturen. (GEA)