Logo
Aktuell Renaturierung

Die Bernauer Teiche bei Pfullingen sehen völlig neu aus

Die ehemaligen Fischteiche wurden aufwendig neugestaltet

Im Abendrot spiegelt sich der Albtrauf in den »neuen« Bernauer Teichen in den Auen zwischen Echaz und Kanal Nr. 3.  FOTOS: LEIST
Im Abendrot spiegelt sich der Albtrauf in den »neuen« Bernauer Teichen in den Auen zwischen Echaz und Kanal Nr. 3. FOTOS: LEISTER Foto: Norbert Leister
Im Abendrot spiegelt sich der Albtrauf in den »neuen« Bernauer Teichen in den Auen zwischen Echaz und Kanal Nr. 3. FOTOS: LEISTER
Foto: Norbert Leister

PFULLINGEN. Endlich, endlich ist das Projekt umgesetzt, für das sich vor allem der Naturschutzbund (Nabu) Pfullingen so lang, so sehr eingesetzt und engagiert hat. »Vor sechs Jahren haben wir das Grundstück mit den Bernauer Teichen gekauft«, erinnert sich Klaus Barthold als Vorsitzender des Vereins. Nun war die Presse eingeladen, um das Ergebnis der renaturierten Teiche in Augenschein zu nehmen. Mit dabei waren zudem Martin Fink und Meinrad Riedlinger als Vertreter der Stadt sowie Waltraud Pustal, die als Freie Landschaftsarchitektin für die ökologische Baubegleitung zuständig war. Sie hat auch die Idee eingebracht, die ehemaligen Fischteiche durch offene Gräben und Mini-Wehre, sogenannte Fallen, zu verbinden.

Pustal sei von Anfang an klar gewesen, dass dieses Konstrukt funktionieren werde. Das Gelände, auf denen sich die Teiche befinden, zwischen Echaz und Kanal Nr. 3 gelegen, sei abschüssig genug, damit alle sieben Teiche vom Kanal aus mit Wasser versorgt werden könnten – gesteuert eben durch diese Fallen, die von Hand durch Holzschieber geöffnet und geschlossen werden können. »Schon vor 800 Jahren sind die Wiesen in den Echaz-Auen durch solche Grabensysteme bewässert worden«, berichtet Waltraud Pustal. »Die acht Fallen sind nach Originalvorlagen von 1886 hergestellt worden.« Ähnlich begeistert wie die Landschaftsarchitektin zeigt sich auch Klaus Barthold: »Schon jetzt, also rund zwei Monate nach den Renaturierungsmaßnahmen, ist zu beobachten, dass die Natur sich das Gebiet zurückerobert.« Allerdings war vorab jede Menge Arbeit zu erledigen, denn: Die Zuschüsse vom Regierungspräsidium waren mit den Auflagen verbunden, das ganze Gelände zu renaturieren.

»Hier waren aber überall Hütten drauf, containerweise haben wir das Zeug abgefahren«, berichtet der Nabu-Vorsitzende. Rund zehn Vereinsmitglieder haben sich beteiligt, der Arbeit gab es viel und sie war heftig. »Als wir die Spundwände in den Fischbecken entfernen wollten, merkten wir schnell, dass das mit Muskelkraft nicht zu machen ist«, so Barthold. Jede Menge unterirdisch verlegte Rohre, die die Teiche miteinander verbunden haben, mussten zudem entfernt werden. Ein Kraftakt. Ohne Bagger war das nicht möglich.

Natur breitet sich ungestört aus

Hinzu kam laut Pustal, dass es drei Jahre gedauert hat, bis die Genehmigung für die Durchführung der Maßnahmen da war. »Es gab Wechsel in den Ämtern, jedes Mal mussten wir wieder ganz von vorne anfangen, erklären und begründen, aber: Wir haben es geschafft und das ist eine tolle Geschichte«, so Klaus Barthold. An dem Projekt beteiligt war neben der Pfullinger Naturschutzstiftung auch – »die Stadt, sie hat sich des Projekts angenommen«, sagt Riedlinger als zuständiger Sachgebietsleiter. »Wir haben die Stadt gebraucht, weil der Verein schon viel Geld in den Grundstückskauf investiert hat«, so Barthold.

Der stellvertretende Bürgermeister Martin Fink betont: »Man kann sich nicht mehr vorstellen, wie das vor der Renaturierung hier ausgesehen hat – das ist ein tolles Ergebnis.« Auf dem Grundstück bietet sich laut Barthold nun die Möglichkeit, dass sich jede Menge Enten, Graureiher, Libellen, Teichhühner, vor allem aber Frösche und Kröten niederlassen. Fische dür-fen in den Teichen jedoch nicht aus-gesetzt werden. Dennoch bestehe durch Enten, die in ihrem Gefieder Fischlaich mitbringen könnten, die Chance, dass in den Gewässern mal wieder der ein oder andere Fisch zu finden sein wird. »Dann kommt auch der Eisvogel wieder zurück«, weiß Klaus Barthold.

Spannend sei nun, wie sich das Gelände weiterentwickelt. »Im kommenden Frühjahr werden wir mit Sicherheit schon einiges sehen.« Ein Ausflugsort sollen die Teiche aber nicht werden. Denn dann könne sich die Natur nicht so ungestört ausbreiten, wie das geplant ist. Aber: »Die ein oder andere Führung wird es schon geben«, sagt Klaus Barthold. Und Waltraud Pustal wird auch immer wieder vorbeischauen. »Das Gelände hier ist für mich so spannend wie in eine Kunstausstellung zu gehen«, sagt sie. (GEA)