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Aktuell Bühne

Häppchenschau im Theater Lindenhof mit Spätzle und Fleischkrimi

Das Theater Lindenhof stellt mit kleinen Szenen in der Theaterscheune seine Pläne für die neue Spielzeit vor.

Musikalisches spielt immer wieder eine Rolle im Spielplan des Theaters Lindenhof
Musikalisches spielt immer wieder eine Rolle im Lindenhof-Spielplan. Hier greift Berthold Biesinger zur Ukulele. FOTOS: KIPP Foto: Kathrin Kipp
Musikalisches spielt immer wieder eine Rolle im Lindenhof-Spielplan. Hier greift Berthold Biesinger zur Ukulele. FOTOS: KIPP
Foto: Kathrin Kipp

BURLADINGEN-MELCHINGEN. »Ein guter Mensch sein! Ja, wer wär’s nicht gern?« – »Doch die Verhältnisse – sie sind nicht so!« Das wusste schon Bertolt Brecht. Aber welche Verhältnisse das genau sind, und warum wir meistens über unsere Verhältnisse leben, das will der Lindenhof in der kommenden Spielzeit unter die Lupe nehmen, die nun unter dem vieldeutigen Motto »Über die Verhältnisse« gestartet ist.

Die neuen Projekte wurden jetzt bei einer Matinee vorgestellt, und zwar in der umgebauten Theaterscheune, die bisher coronabedingt noch gar nicht so richtig gewürdigt werden konnte. Aber jetzt soll’s wieder richtig losgehen.

»Gut, wieder da zu sein. Gut, Euch zu sehen!«: Bernhard Hurm und Berthold Biesinger nehmen unter minimalistischen Saitenklängen alle Interessierten mit auf Forschungsreise durchs schwäbische Gemüt, in der Fortsetzung von »Spätzle mit Soß« – die auch im »Nachschlag« mit vielen schwäbischen Reimen und Scherzen kredenzt werden.

 

Und weil Corona alles durcheinandergebracht hat, kommt es am  15. Oktober noch einmal zur Premiere von Wolfgang Schorlaus Krimi »Am zwölften Tag« über die verhältnismäßig grauslige Fleischproduktion in Deutschland. In der Lindenhof-Version von Georg Kistner und Carola Schwelien wird die skandalöse Fleischgeschichte aus drei Perspektiven beleuchtet: aus Sicht einer rumänischen Arbeiterin (Kathrin Kestler), einer Tierschützerin (Linda Schlepps) und eines Großbauers, der von Gerd Plankenhorn entsprechend schmierig und gewissensbefreit dargestellt wird.

 

Mit  »Der Brandner Kaspar kehrt zurück« (ab 30. Oktober), mit dem der Lindenhof sein Erfolgsstück von 2012 mit teils neuem Personal wiederaufnimmt, wird’s wieder ganz himmlisch: Stefan Hallmayer hockt als Brandner Kaspar im Paradies, muss aber ins Irdische eingreifen, um größere Katastrophen zu verhindern.

Ebenfalls ganz irdische Probleme haben die Figuren in »Furor« von Lutz Hübner und Sarah Nemitz zu verhandeln (ab 15. Dezember): Wer trägt die Verantwortung für einen Unfall und überhaupt? Das Individuum? Das System? Das Schicksal? Die sozialen Medien?

 

In »Über’s Land« wird ab 29. Dezember unser Ländle musikalisch-literarisch erkundet, diesmal allerdings »heutiger, gesellschaftskritischer, politischer«. Franz Xaver Ott führt beispielsweise einen Text über den »traurig schönen Bodensee« ins Feld, an dessen idyllischen Ufern bis heute praktisch unwidersprochen tödliche Waffen produziert werden.

Experimentell geht’s zu, wenn der neue Lindenhof-Schauspieler Luca Zahn ein multidisziplinäres Theaterprojekt auf die Bühne bringt, mit Künstlern der Londoner Royal Academy of Dramatic Arts, für das bei der Spielzeit-Häppchenschau das Publikum drei Wünsche äußern durfte: »Humor, Geschichten und Spannung«. Ab dem 26. Februar kann man dann schauen, ob das eingelöst wird.

 

Geschichten von Auswanderern

Ebenfalls ab Februar präsentieren Berthold Biesinger und Susanne Hinkelbein einen Heinz-Erhardt-Abend mit viel Musik – »Hinter eines Baumes Rinde«.

 

Beim Riedlinger Sommertheater »Donaustrand und Meeresrauschen« wiederum werden Auswanderergeschichten erzählt. Bevor dann auf der Melchinger Burgruine beim Sommertheater »Jedermann (stirbt)« ab 21. Juli In der »Jedermann«-Neu-Interpretation von Ferdinand Schmalz Hofmannsthals Figuren durcheinandergewirbelt werden, um aktualisierte Ansagen machen zu können.

 

Wenn alles läuft wie geplant, sind noch jede Menge weitere Wiederaufnahmen zu sehen, außerdem einmal monatlich die »Erzählbar« – Gespräche mit interessanten Menschen, die Jazz-Matinee, sowie zahlreiche theaterpädagogische Angebote und Klassenzimmerstücke. (GEA)

 

www.theater-lindenhof.de