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Tübinger Handwerkskammer verlieh goldene Meisterbriefe

Goldene Meisterbriefe für Profis, die vor 50 Jahren den Meister gemacht haben. Manche Berufe bereits ausgestorben.

Sie alle erhielten den Goldener Meisterbrief. Nicht alle Geehrten waren zur feierlichen Übergabe gekommen.  FOTO: STURM
Sie alle erhielten den Goldener Meisterbrief. Nicht alle Geehrten waren zur feierlichen Übergabe gekommen. Foto: Michael Sturm
Sie alle erhielten den Goldener Meisterbrief. Nicht alle Geehrten waren zur feierlichen Übergabe gekommen.
Foto: Michael Sturm

TÜBINGEN. Anhand der Veranstaltung am Mittwoch im Großen Saal des Tübinger Landratsamts kann man heute ablesen, welche Berufe vor 50 Jahren gefragt waren: Kreishandwerksmeister Norbert Schnitzler und Daniela Hüttig, die Erste Landesbeamtin im Landratsamt, überreichten 22 Handwerkern den Goldenen Meisterbrief. Der Stuttgarter Pianist Michael Bissinger sorgte für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung.

»Danke, dass Sie uns die Möglichkeit geben, Sie zu ehren«, sagte Kreishandwerksmeister Norbert Schnitzler in seiner Begrüßung. 22 Männer – dieses Mal keine Frau – holten sich ihren Goldenen Meisterbrief ab.

Schnitzler und seine Kollegenschaft hatten 48 Kandidaten ermittelt und angeschrieben – es dürften noch mehr in diesem Jahrgang gewesen sein. Heinz Hornung aus Kirchentellinsfurt kam mit der Hoffnung auf eine Art Klassentreffen ins Landratsamt. Aber außer seinem Cousin und Nachbarn Reinhard Hornung wurde er nicht so richtig fündig: »Komisch, es sind wenige Bekannte da – oder haben die sich so verändert?« Immerhin traf seine zwei Jahre jüngere Frau bei der Gelegenheit eine Freundin aus der Derendinger Berufsschule wieder, die als Begleitung mitgekommen war.

Diesmal keine Frauen

Tatsächlich hatte mehr als die Hälfte der Angeschriebenen den Termin abgesagt. Das wunderte auch den Geschäftsführer der Tübinger Handwerkskammer, Gerold Imhof, er hatte die Tage an dem Goldenen Meisterbriefe übergeben werden, schon ganz anders erlebt: »Vor vier Jahren tat sich eine Schreinerclique zusammen, die über ganz Deutschland verteilt war. Die trafen sich alle wieder hier in Tübingen.« Frauen waren vorgestern ausschließlich als Begleitung dabei.

Das sei eher ungewöhnlich, sagte Kreishandwerksmeister Schnitzer weiter – in den Jahrgängen drum herum habe es beispielsweise einige Friseurinnen gegeben. Die Liste derjenigen, die vor 50 Jahren ihren Meister machten, liest sich wie eine Reise zurück in der Zeit: Knapp ein Drittel, 17 von 48, waren Mechaniker, plus sieben KFZ-Mechaniker. Nicht Mechatroniker. Zwei waren Radio- und Fernsehtechniker. Berufe, die mittlerweile ausgestorben sind.

Heinz Hornung, geboren 1949, war 24 Jahre alt, als er seinen Meisterbrief erhielt. Im Jahre zuvor hatte er geheiratet. »Ich habe bei der Firma Sidler in Tübingen Werkzeugmacher gelernt und bin dabei geblieben«, sagte Hornung. Das Lernen sei ihm nicht allzu schwer gefallen: »Bei mir war die Meisterprüfung zeitlich nicht all zu weit von der Gesellenprüfung weg.« Allerdings stöhnt er heute noch über das Pauken im Fach Buchhaltung: »Da musste man Journale ausfüllen, die keiner gebraucht hat.«

50 Jahre in einer Firma

Im Unterschied zu den anderen aus seinem Meister-Jahrgang eröffnete er danach kein eigenes Geschäft, sondern blieb bei seinem vorigen Arbeitgeber: »Ich war dort im Bereich der Entwicklung tätig.« Er arbeitete zwischen 1964 und 2014 für Sidler im selben Geschäftsbereich – exakt 50 Jahre.

Für Heinz Hornung war die Veranstaltung im Landratsamt irgendwie auch eine Kompensation dafür, dass er nicht für die Treue zu seinem Arbeitgeber ausgezeichnet worden war: »Die Firma wurde 2007 verkauft, es wurde alles auf Null gestellt«, so Hornung. (GEA)