Logo
Aktuell Blockheizkraft

Defekt im Klärwerk Kirchentellinsfurt: Verband reagiert rasch

Fast neuwertiger Ersatz aus Lettland spart 150 000 Euro. Faulgas kann derzeit nur abgefackelt werden

Im Klärwerk der drei Gemeinden in Kirchentellinsfurt treten durch einen unerwarteten Ausfall Probleme auf.  FOTO: SEL
Im Klärwerk der drei Gemeinden in Kirchentellinsfurt treten durch einen unerwarteten Ausfall Probleme auf. Foto: Brigitte Gisel
Im Klärwerk der drei Gemeinden in Kirchentellinsfurt treten durch einen unerwarteten Ausfall Probleme auf.
Foto: Brigitte Gisel

KIRCHENTELLINSFURT/KUSTERDINGEN/WANNWEIL. »Eigentlich beruft man in den Ferien keine Versammlung ein«, weiß Bernd Haug. Doch in diesem Fall musste der Vorsitzende des Abwasserzweckverbands Unteres Echaztal/Härten eine Ausnahme machen. Denn die Zeit drängt: Seit Ende Mai ist der Motor des Blockheizkraftwerks in der Kläranlage defekt – und zwar so, dass keine Reparatur mehr möglich ist. Auf der Suche nach Ersatz ist man auf einen günstigen Gebrauchten gestoßen, der deutlich weniger kostet als ein Neuer. Damit ihnen nicht andere Interessenten zuvorkommen konnten, beschlossen die Mitglieder in einer Verbandsversammlung, den Kauf sofort zu tätigen.

»18 Jahre sind ein stolzes Alter für einen Motor«, sagt Jochen Molitor. Der Ingenieur verweist darauf, dass der Antrieb mehr als 71 000 Betriebsstunden auf dem Buckel hat. Irgendwann in naher Zukunft wäre sowieso ein Austausch fällig gewesen. Doch im Mai war Kühlwasser in den Motor gedrungen. Seither wird das Faulgas abgefackelt, und der Zweckverband muss den Strom einkaufen, den er sonst im Kraftwerk selbst produziert. Das macht pro Monat rund 3 000 Euro aus. Ein Drittel des gesamten Verbrauchs in der Kläranlage hat man bisher selber erzeugt.

Eile geboten

Durch reinen Zufall hat man jetzt in Lettland einen nahezu fabrikneuen Motor gefunden, der offenbar nur zu Testzwecken im Einsatz war und zwar nur 89 Betriebsstunden lang. Wie Haug feststellt, macht dies die Sache günstiger und schneller: Die Ingenieure rechnen mit Gesamtkosten von ganz grob 350 000 statt 500 000 Euro. Dazu spart man sich elf Monate für Ausschreibung und Lieferzeit und weitere Stromkosten. »Man muss nur rasch entscheiden, sonst ist er weg«, betont der Vorsitzende und Kirchentellinsfurter Bürgermeister.

Nach Einschätzung von Wannweils Bürgermeisterin Anette Rösch handelt es sich nicht nur um ein günstiges gebrauchtes, sondern sogar um ein neuwertiges Vorführmodell. Dass der bisher ordentlich funktionierende Motor kaputtgeht, war nicht vorhersehbar. »Das ist wie beim Auto – egal wie alt und welche Marke. Und es liegt auch nicht am Fahrer.« Der Gedanke, die Maßnahme hinauszuschieben, wäre in ihren Augen unsinnig gewesen – zumal ja auch die Genehmigung für den Betrieb der Anlage daran geknüpft ist und es ökologisch widersinnig wäre, das Methangas weiter nur abzufackeln, statt es zu nutzen.

Laut Auskunft von Betriebsleiter Thorsten Bahnmüller gibt’s für den Motor aus Lettland zwei Jahre Garantie. Er kann allerdings nicht sofort nach Lieferung in Betrieb genommen werden. Erst müssen Anpassungen vorgenommen werden (Rösch: »Das ist wie daheim – jeder Heizkeller hat halt seine Größe«). Außerdem sind nach der Änderung andere Werte vorgeschrieben. Der Motor braucht einen Katalysator, und das Gas muss entsprechend aufbereitet werden. Bahnmüller hofft, dass im Dezember wieder normaler Betrieb herrscht.

Finanziert wird das Ganze über einen Nachtragshaushalt, den Verbandsrechnerin Ulrike Durst-Nerz in aller Eile erstellt hatte. Die Aufteilung der Kosten erfolgt nach dem üblichen Schlüssel: Kusterdingen trägt 40 Prozent, Kirchentellinsfurt und Wannweil je 30 Prozent. (-jk)