Logo
Aktuell Mietspiegel

10.000 Fragebögen verschickt: Mieter und Vermieter befragt

Die Orte Tübingen, Dettenhausen und Kirchentellinsfurt erstellen erstmals gemeinsam einen Mietspiegel. Dafür wurden 10.000 Fragebogen verschickt

Altstadtambiente mit vielen kleinen Läden: Das sorgt für eine hohe »Aufenthaltsqualität« in Tübingen.  FOTO: KREIBICH
Die Tübinger Altstadt. FOTO: KREIBICH Foto: Joachim Kreibich
Die Tübinger Altstadt. FOTO: KREIBICH
Foto: Joachim Kreibich

TÜBINGEN/KIRCHENTELLINSFURT. Drei Gemeinden kooperieren, sparen Geld und bekommen einen aussagekräftigen Mietspiegel. Diesem Prinzip folgend haben Tübingen, Kirchentellinsfurt und Dettenhausen einen Fragebogen erstellt und an rund 10 000 Mieter und Vermieter verschickt.

Seit 2011 hat Tübingen einen Mietspiegel, der jeweils fortgeschrieben wurde. Die beiden Nachbargemeinden sind noch ohne. In Kirchentellinsfurt hat man sich in der Vergangenheit vor allem an den Werten von Reutlingen orientiert. Nun werden die echten Werte ermittelt.

Weil das Land die Kooperation mit rund 50 000 Euro bezuschusst, sind die Kosten für alle Beteiligten minimal (wir berichteten). Die Bürgermeister Bernd Haug und Thomas Engesser wissen: Eine solide Befragung vorzubereiten und auszuwerten, wäre für beide Orte viel teurer, als wenn man sich anhängt.

Die Fragebogen wurden vor wenigen Tagen verschickt. 8 500 gingen an Tübinger Adressen, etwa 750 nach Kirchentellinsfurt und rund 600 nach Dettenhausen. Gut ein Fünftel muss ausgefüllt zurückkommen, damit aussagekräftige Werte zustande kommen. »Bitte zurücksenden, auch wenn man eine der Fragen nicht beantworten kann«, sagt deswegen Baubürgermeister Cord Soehlke. Er und seine Kollegen legen Wert auf die Feststellung, dass die Teilnahme freiwillig ist und anonym. »Niemand braucht Angst zu haben, dass er etwas preisgibt«, sagt Bürgermeister Engesser.

Haug lobt die Zusammenarbeit und verweist darauf, dass sich unterschiedliche Werte für die beiden Dörfer und die viel größere Unistadt ergeben werden. In Tübingen will man auch Angaben von Wohngemeinschaften sammeln. Davon gibt’s in Kirchentellinsfurt nicht so viele.

»Früher war oft vom ›Trollinger Mietspiegel‹ die Rede«

Bereits im Juli vorigen Jahres wurde in größerer Runde festgelegt, wie man vorgeht. Soehlke betont, dass sich sowohl Vertreter des Mieterbundes als auch der Vermietervereinigung Haus & Grund beteiligt haben. Vonseiten des Amtsgerichts sei zu hören gewesen, dass sich die Zahl der Rechtsstreitigkeiten seit Einführung des Mietspiegels in der Unistadt deutlich verringert habe.

Bisher wurde der Tübinger Mietspiegel regelmäßig fortgeschrieben. Nun wird auf Grundlage der Fragebögen ein neuer erstellt, mit neuer Systematik und zuverlässigen Angaben. Die Zeiten, in denen über solche Zahlenwerke gelästert wurde, seien vorbei. »Früher war oft vom ›Trollinger Mietspiegel‹ die Rede«, erinnert sich Soehlke. Mancher nahm an, die Werte würden in kleiner Runde bei einem Glas Wein ausgehandelt.

Längst werden die Zahlen durch Befragungen möglichst zutreffend erhoben. Wer den Mietvertrag danebenlegt, hat die Fragen in etwas mehr als einer Viertelstunde beantwortet, sagt Harald Schmid, der die Fachabteilung Wertermittlung und Bodenordnung in Tübingen leitet.

Wichtig für die Einstufung sind Wohnfläche und Baujahr, auch die Lage spielt eine große Rolle. Dann geht’s um Nebenkosten, zugehörige Stellplätze und die Frage, ob die Wohnung mit Aufzug erreichbar ist. Gefragt wird weiter nach der Ausstattung. Hat’s nur eine Dusche oder auch eine Badewanne? Wie wird geheizt? Sind Teppichböden verlegt oder Parkett? Ist die Küche vom Wohnzimmer abgetrennt? Hat’s einen Balkon oder eine Terrasse? Wie sind die Fenster verglast? Hat’s eine Waschküche und einen Abstellraum für Fahrräder? Und wie steht’s mit der Lärmbelastung drum herum?

In den kommenden Tagen wird noch einmal ein Erinnerungsschreiben verschickt. Im April geht’s an die Auswertung. Noch im laufenden Jahr soll der Mietspiegel den Gemeinderäten vorliegen. (GEA)