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Aktuell Fachkräftemangel

Bademeister fehlen: Wie sich das auf Bäder in der Region und im Land auswirkt

Weil Bademeister fehlen, können manche Schwimmbäder in Baden-Württemberg nicht mehr so lange offen sein oder müssen dicht machen. Auch in Reutlingen, Pfullingen und Eningen ist der Fachkräftemangel spürbar.

An schönen Sommertagen ist das Markwasen-Freibad ein Besuchermagnet. Das wäre es sicherlich auch jetzt, da die Sonne Reutlingen
ARCHIV-FOTO: GEA Foto: Markus Niethammer
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Foto: Markus Niethammer

REUTLINGEN/STUTTGART. Fachangestellte für Bäderbetrieb sind Mangelware. Trotzdem hat es das Pfullinger Schöbergbad lange geschafft, den Badebetrieb im Sommer von 6.30 bis 21 Uhr aufrecht zu halten. Kein Freibad in der Region konnte da mithalten - bis zu diesem Sommer. Weil ein Mitarbeiter ausgefallen war und kein Ersatz gefunden wurde, mussten die Öffnungszeiten reduziert werden. Von Freitag bis Samstag hat das Bad aktuell nur noch von 8 bis 20 Uhr geöffnet, an den restlichen Tagen immerhin noch von 6.30 bis 20 Uhr. Und das geht nur, weil Pfullingen auf einen Personal-Service für Bäder zurückgreift, eine Firma aus Reutlingen, die dem Schönbergbad stundenweise Personal zur Verfügung stellt.

Noch schlimmer trifft der Fachkräftemangel das Familien- und Freizeitbad in Reichenbach. In diesem Sommer steht es nicht allen Badegästen offen. Weil das Bad in dem Stadtteil von Lahr keinen geeigneten Bademeister einstellen konnte, dürfen sich dort nur Mitglieder auf Liegestühlen und Decken aalen. Um ihre Sicherheit zu gewährleisten, sollen Rettungsschwimmer die Aufsicht übernehmen. Das reicht aber nicht aus, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. »Und das ist ein Problem, das sich künftig verschärfen dürfte«, sagt die Vereinsvorsitzende Conny Herr. Es werde immer schwieriger, die Stellen zu besetzen.

Das bestätigt auch Fabian Kock, der Betriebsleiter des Eninger Waldfreibads. In diesem Jahr hat er zwei Stellen als Aushilfe ausgeschrieben und keine einzige Bewerbung erhalten. Damit das Bad weiter uneingeschränkt geöffnet sein kann, leisten Kock und sein Team Überstunden. »Wir arbeiten konstant 48 Stunden«, sagt Kock. Vor dem Tag, an dem einer seiner drei Kollegen aufhört, hat er schon jetzt »Bammel«. Er weiß, wie schwer es wird, einen Nachfolger zu finden.

Die Gründe seien vielschichtig. Weder Bezahlung noch Arbeitszeiten gelten als attraktiv, sagt Conny Herr. Außerdem erschwerten zunehmend renitente Badegäste den Job am Beckenrand. »Zumindest solange sich an den Bedingungen grundsätzlich nichts ändert, bleibt es schwierig, gute Bademeister zu finden«, fügt Herr hinzu.

»Kein Einzelfall«, sagt der Vorsitzende des baden-württembergischen Landesverbandes Deutscher Schwimmmeister, Edgar Koslowski. Er spricht von einem Fachkräftemangel, der sich mitnichten nur im Südwesten zeige. »Wie in anderen Branchen, so ist das auch ein deutschlandweites Problem«, sagt Koslowski, der als Bademeister in Ettenheim (Ortenaukreis) arbeitet. Er schätzt, dass allein im Südwesten bis zu hundert Bäder Probleme mit der Besetzung von Stellen haben. Das gelte sowohl für private als auch für kommunal betriebene Bäder. »Allein in der Umgebung meines Arbeitsplatzes sind mehrere Einrichtungen betroffen«, sagt er.

Außerdem gebe es einen Engpass bei der Ausbildung, der sich nun auswirkt, sagt der 59 Jahre alte Verbandsfunktionär. Seiner Einschätzung zufolge sind viele junge Menschen im Sommer nicht mehr bereit, sieben Tage in der Woche bei der Arbeit zu verbringen, zumal die Bezahlung zu wünschen übrig lasse. Ein ausgelernter Facharbeiter komme als Berufseinsteiger im Monat auf etwa 1400 Euro netto. Das sei zu wenig für den Job - zumal junge Leute zunehmend an die Hochschulen und Universitäten strömten, anstatt sich für eine Ausbildung zu begeistern. Abgesehen vom sinkenden Interesse, werde die Arbeit auch schwieriger - unter anderem, weil es mehr Nichtschwimmer gebe als früher.

Keine Probleme bei der Suche nach Azubis hat das Reutlinger Wellenfreibad. Aktuell werden dort vier junge Menschen zum Fachangestellten für Bäderbetriebe ausgebildet, sagt der Pressesprecher der Reutlinger Stadtwerke Klaus Leibfritz. Dass die Reutlinger Bäder selber ausbilden, sei ein wichtiger Grund dafür, warum die Personalsituation am Wellenfreibad Markwasen und in den drei Hallenbädern in der Innenstadt, in Betzingen und in Orschel-Hagen gut ist. Das ist allerdings kein Selbstläufer. Mit Anzeigen, Schulbesuchen und Präsenz auf Bildungsmessen wie der Binea versuchen die Stadtwerke junge Leute für den Job zu begeistern. »Auch deshalb sind wir da in einer glücklichen Situation«, sagt Leibfritz.

Grund für Optimismus gibt es auch in Pfullingen. Wie Sabine Holoch, die stellvertretende Hauptamtsleiterin für Kultur Sport und Tourismus, verrät, wurde endlich eine dritte Fachkraft für das Schönbergbad gefunden. Am 15. Juli beginnt sie dort zu arbeiten, wenn sie eingelernt ist, könnte Pfullingen womöglich wieder auf die alten Öffnungszeiten umstellen, sagt Holoch. Das glaubt sie allerdings erst, wenn es soweit ist. (GEA/dpa)