Logo
Aktuell Pandemie

Mobile Teams und große Kampagne: Massives Werben fürs Impfen

Das Ferienende rückt vielerorts näher, doch die Impfkampagne stockt, und die vierte Welle der Corona-Pandemie rollt an. Die Sorge ist groß, die Appelle werden eindringlicher.

Olaf Scholz
SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei einem Wahlkampfauftritt. Foto: Stache/dpa
SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei einem Wahlkampfauftritt.
Foto: Stache/dpa

BERLIN. Angesichts der gesunkenen Impfbereitschaft und des näher rückenden Schuljahresbeginns werben Politik und Verbände massiv für die Corona-Impfungen.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz forderte ein offensiveres Auftreten auch der Geimpften selbst. »Wir müssen unsere Freundinnen und Freunde davon überzeugen, dass sie sich impfen lassen. Das ist eine Sache, die berührt jeden von uns«, sagte der Bundesfinanzminister den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag). »Wir alle sollten bei der Arbeit oder im Sportverein sagen: Ich habe mich impfen lassen, das war gut.«

SPD-Chefin Saskia Esken und der Deutsche Städtetag sprachen sich für Impfaktionen an Schulen aus, wenn das neue Schuljahr begonnen hat. In der kommenden Woche enden in den ersten Bundesländern die Sommerferien, in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg beginnt der Unterricht dann wieder in Präsenz. »Ich werbe dafür, Impfmobile an die Schulen zu schicken, um - in Absprache mit den Eltern - den Jugendlichen die Impfung so einfach wie möglich zugänglich zu machen«, sagte Esken dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag).

Städtetag-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Um den Unterricht in Präsenz abzusichern, appellieren wir an die Länder, mehr Impfungen in Schulen möglich zu machen.« Dies könne ein Beitrag sein zum Schutz junger Menschen und für weniger Infektionen mit dem Coronavirus an Schulen.

Schleswig-Holstein impft Schüler an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen

Im Norden ist das teils bereits geplant. In Schleswig-Holstein können sich an den Gemeinschaftsschulen und Gymnasien Schülerinnen und Schülern ab zwölf sowie alle Beschäftigten von mobilen Teams impfen lassen. Mecklenburg-Vorpommern will den Bedarf ermitteln und dann in der zweiten Woche mobile Impfteams für 16- und 17-Jährige in die Schulen schicken. Hamburg plant mobile Angebote für Berufsschüler.

Dedy sagte: »Das kann über mobile Impfteams in den Schulen laufen, wie in Schleswig-Holstein. Oder das kann über mehr Angebote für Jugendliche etwa in Fußballstadien oder Einkaufszentren laufen, wo sich viele von ihnen treffen«, so der Kommunalvertreter. »Wir müssen mit den Impfungen zu den jungen Leuten gehen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder in die Arztpraxis kommen.« Allerdings bedarf es dazu erst des Einverständnisses der Eltern.

Bisher sind gut 51 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft - nach Ansicht von Experten viel zu wenig, um angesichts der grassierenden hochansteckenden Delta-Virusvariante die anrollende vierte Welle flach zuhalten. Und das Impftempo lässt nach: Derzeit werden an vielen Tagen noch gut eine halbe Million Impfdosen verabreicht, im Mai/Juni waren es teils an die 1,5 Millionen. Derweil steigen die Infektionszahlen - noch auf niedrigem Niveau von etwas mehr als 15 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche, aber stetig werden es mehr.

Clubs sollen einbezogen werden

Die Linksfraktion im Bundestag fordert eine breitere Aufklärungskampagne. In einem dem RND vorliegenden Papier ruft ihr Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte dazu auf, Akteure wie Gewerkschaften, Sportverbände, Glaubensgemeinschaften, aber auch Clubs und Kultureinrichtungen einzubeziehen. »Wir werden fanatische ImpfgegnerInnen nicht überzeugen können. Es muss darum gehen, die Leute für eine Impfung zu gewinnen, die sich nicht ausreichend informiert fühlen und Ängste haben, die man ihnen nehmen kann.«

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland appellierte an alle islamischen Gläubigen, sich impfen zu lassen. »Es gibt für Muslime keine religiösen Gründe, das Impfen gegen Corona abzulehnen. Im Gegenteil: Der Schutz anderer vor Krankheiten und die eigene gesundheitliche Unversehrtheit sind im Islam ein hohes Gut«, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman A. Mazyek, dem RND. (dpa)