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Bundesnetzagentur: Verbraucher müssen mehr Energie sparen

Mit Blick auf den Winter ruft der Chef der Bundesnetzagentur die Bürger zum Energiesparen auf. So müssen selbst in Best-Case-Szenarien mindestens 20 Prozent weniger verbraucht werden.

Gaszähler
Die Anzeige einer Gasuhr in einem Privathaus. Foto: Bernd Weißbrod
Die Anzeige einer Gasuhr in einem Privathaus.
Foto: Bernd Weißbrod

BERLIN. Die Verbraucher in Deutschland müssen aus Sicht der Bundesnetzagentur deutlich mehr Energie sparen, um eine Gasmangellage im Winter abzuwenden. Behördenchef Klaus Müller sagte der Zeitung »Welt am Sonntag«, die Reduktion der Gaslieferungen aus Russland auf nur noch 20 Prozent der vereinbarten Menge habe zur Folge, dass sich der Mangel nur noch in zwei Best-Case-Szenarien verhindern lasse.

»Für diese Szenarien müssen die Verbraucher aber mindestens 20 Prozent einsparen - also viel mehr als bislang«, sagte Müller. »In allen anderen Szenarien droht schon im Dezember eine Gasmangellage oder wir weisen am Ende der kommenden Heizperiode niedrige Speicherfüllstände auf.«

Energiespartipps von Reutlinger Fair-Energie

Bei Gas und Strom drohen drastische Preissteigerungen. Der Reutlinger Energieversorger Fair-Energie rät daher Kunden schon jetzt, die Abschlagszahlungen freiwillig zu erhöhen. Tipps aus der Hauffstraße helfen zudem beim Energiesparen:

  • Schon eine Senkung der Raumtemperatur um ein Grad bedeutet im Winter eine Kostenersparnis von 6 Prozent 
  • Vorlauftemperatur der Heizung reduzieren (Einstellung sollte Experte vornehmen: Verkeimungsgefahr)
  • Bis zu 15 Prozent Energiekosten lassen sich durch regelmäßige Wartung der Heizungsanlage sparen
  • Programmierbare Thermostate für den Heizkörper verhindert, dass zu unnötigen Zeiten geheizt wird. Moderne Heizungsanlagen senken etwa über Nacht automatisch
  • Zehn Jahre alte Gefrierschränke kosten leicht jährlich 500 Euro mehr an Strom. Die Fair-Energie fördert den Neukauf energiesparender Haushaltsgeräte mit 50 Euro
  • Kühlschrank regelmäßig abtauen . LED-Leuchtmittel im ganzen Haus verwenden.
  • Nicht lange heiß duschen: Pro Minute verbraucht Duschen 12 bis 15 Liter warmes Wasser. Wassersparende Duschköpfe können bis zu 30 Prozent Warmwasser- kosten einsparen
  • Lüften in der Heizperiode mehrmals täglich mehrere Minuten mit zurückgedrehter Heizung statt während des Heizens die Fenster zu kippen
  • Abschaltbare Steckdosenleisten nutzen und ausschalten, wenn Geräte nicht gebraucht werden: Der Standby-Modus braucht viel Energie
  • Im Service-Center der Fair-Energie können Kunden Strommessgeräte ausleihen, die anzeigen, wie viel Strom welches Gerät verbraucht
  • Deutliche Energieeinsparung bringen die Dämmung von Fassade und Dach sowie die Installation einer Fotovoltaikanlage. (FE/GEA)

Zusätzlich zu den Einsparungen müssten auch die Durchleitungen von Gas an Nachbarländer um 20 Prozent reduziert werden, außerdem benötige man 10 bis 15 Gigawattstunden Gas aus anderen Ländern. »Wenn wir nicht kräftig sparen und kein zusätzliches Gas bekommen, haben wir ein Problem«, sagte Müller. Private Haushalte seien im Fall einer Gasmangellage nicht vor verordneten Einschränkungen geschützt. Grundsätzlich seien auch Verordnungen denkbar, die nur noch das Beheizen einzelner Räume erlaubten. »Ich will über nichts spekulieren, weil wir diese Diskussionen noch führen«, sagte Müller. »Ich will aber deutlich sagen: Um Arbeitsplätze zu sichern, halte ich Sparmaßnahmen für private Haushalte, solange sie nicht den geschützten, lebensnotwendigen Bereich berühren, für legitim.«

Nach Angaben Müllers würde die von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geforderte Gasförderung in Deutschland per Fracking nicht helfen, eine Gasnotlage zu verhindern. »Wir müssen zwei Winter in den Blick nehmen, in denen wir noch auf russisches Gas angewiesen sind. Mir würden deshalb nur Maßnahmen helfen, die in den nächsten 24 Monaten Gas in die Speicher, in die Industrieanlagen oder in die privaten Heizungen füllen«, sagte Müller. »Das wird Fracking in Deutschland nicht schaffen.«

Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke schloss Müller nicht aus. Es gebe Herausforderungen, die Kohlekraftwerke mit Kohle zu versorgen, und eine besondere Situation in Frankreich, wo man auf deutschen Strom angewiesen ist. »Außerdem sehen wir mit Sorge, dass viele Menschen sich strombetriebene Heizlüfter kaufen«, sagte Müller. »Das ist eine wahnsinnig teure Idee, weil es selbst bei den aktuell astronomisch hohen Gaspreisen noch 50 Prozent teurer ist, mit Strom zu heizen als mit Gas.« (dpa)