ROTTACH-EGERN. Ermedin Demirovic kämpft um jeden Ball. Ermedin Demirovic ackert. Ermedin Demirovic flucht. Laut wird es vor allem dann, wenn der Stürmer des VfB Stuttgart das Tor nicht trifft oder einer seiner Teamkollegen einen Fehler macht. Das Trainingslager in Rottach-Egern nimmt der 27-Jährige alles andere als auf die leichte Schulter, denn er will es allen zeigen. Sich selbst, seinem Trainer, aber vor allem auch den vielen Kritikern, die einfach keine Ruhe geben.
»Ich bin da, ich möchte der Mannschaft helfen. Ich will meine Tore machen, ich will meine Assists machen«, erzählt der gebürtige Hamburger. Das tat der bosnische Nationalspieler zwar auch schon während seiner ersten Spielzeit für Stuttgart in der Vorsaison, doch es genügte nicht. Vor allem der Presse nicht, die immer wieder Kritik an ihm übte. Zu viele vergebene Chancen, zu wenig fürs Spiel gemacht. So lauteten die Schlagzeilen. »Klar, man hätte mehr machen können«, sagt Demirovic selbst. Insgesamt sei er mit der Ausbeute aber durchaus zufrieden, immerhin hätte er 15 Tore angepeilt – und genau mit 15 Treffern beendete er die Bundesliga-Runde.
»Es ging ja nicht nur um mich, es ging auch um andere Spieler in unserer Mannschaft, die dann einfach von heute auf morgen runtergemacht wurden«
Für die negative Berichterstattung hat er wenig Verständnis. »Ich finde, mittlerweile ist es sehr einfach geworden, Kritik zu äußern. Du setzt dich an deinen Computer, schreibst und bist dann für viele der Held. Dann springen Leute auf den Zug auf. Es ging ja nicht nur um mich, es ging auch um andere Spieler in unserer Mannschaft, die dann einfach von heute auf morgen runtergemacht wurden – warum auch immer«, so der wuchtige Angreifer. »Das ist ein Ding, das im Fußball jetzt dazugehört. Damit müssen wir leben.«
Besser machen will es Demirovic trotzdem. »Ich will mich mehr einbringen ins Spiel. Erst recht in dem Spielstil, den wir spielen. Da sind Stürmer mehr eingebunden. Da möchte ich mehr reinkommen«, erklärt er. Schritte nach vorne sehe er bereits. »Es ist besser gelaufen zum Ende der Saison und da möchte ich anknüpfen.«
»Ich glaube, dass wir mehr verdient hätten«
Der Sieg im DFB-Pokal motiviert zusätzlich. »Ich glaube jeder, der das erlebt hat, dieses Finale, möchte überall im Finale stehen. Deswegen werden wir versuchen, so lange wie möglich in allen Wettbewerben dabei zu sein«, verdeutlicht er. »Es ist ein brutal schönes Gefühl. Du blickst zurück, schaust dir den Film an. Ich habe Bilder auf meinem Handy. Mein I-Pad-Hintergrund ist der Pokal.«
Vor allem in der Bundesliga, die die Schwaben auf Rang neun beendeten, sieht er Potenzial. »Ich glaube, dass wir mehr verdient hätten, weil wir eigentlich gute Spiele gemacht haben. Wir wissen, dass wir es können.«
Außenband-Teilriss bei Angelo Stiller
Die Diagnose ist da: Stuttgarts Angelo Stiller hat sich im VfB-Trainingslager am Mittwochabend einen Teilriss des Außenbandes im linken Sprunggelenk zugezogen. Das bestätigt der Club nach einer MRT-Untersuchung am Donnerstag. »Der Mittelfeldspieler kann in den kommenden Tagen nicht am Mannschaftstraining teilnehmen, wird aber nicht vorzeitig aus dem Trainingslager abreisen«, heißt es. Für die Testspiele gegen den FC Toulouse (Samstag, 15 Uhr) und den FC Bologna (Samstag, 9. August, 17 Uhr) stehe der Nationalspieler »aller Voraussicht nach nicht zur Verfügung«. (kil)
Als entscheidenden Vorteil sieht er die aktuelle Konstellation im Club. Dem bisherigen, attraktiven Spielstil bleibe das Team treu. »Und ich glaube, das sind auch genau die Sachen, die uns diese Saison stark machen können. Der große Teil der Mannschaft, fast alle, sind immer noch zusammen. Ich habe auch in anderen Vereinen gesagt, dass es immer wichtig ist, dass ein Trainer über Jahre bleibt, dass eine Mannschaft zusammenbleibt, dass man immer denselben Spielstil verfolgt, weil man die Sachen dann besser verinnerlichen kann.«
Auch er selbst will ein Teil bleiben. Immer wieder tauchten Wechselgerüchte auf. Mit Clubs wie dem AC Mailand oder Juventus Turin wurde Stuttgarts Angreifer in Verbindung gebracht. »Ich bin froh, hier zu sein. Deswegen will ich mich damit auch gar nicht befassen«, stellt Demirovic klar. Sein Anspruch sei es, sich beim Cannstatter Team durchzusetzen. »Das ist das Einzige, woran ich gerade arbeite. Es sind coole Vereine, aber das ist nichts, was an mich rankommt.«
»Ich muss aber auch sagen, es steht ihnen gut. Ich find’s cool«
Durchgesetzt hat sich beim VfB allerdings noch etwas ganz anderes. Seine Frisur mit den wasserstoffblonden Haaren. Mittlerweile tragen die auch Ramon Hendriks, Yannik Keitel und Finn Jeltsch. »Ich muss aber auch sagen, es steht ihnen gut. Ich find’s cool«, sagt Trendsetter Demirovic, der sich bei einer Medienrunde gut aufgelegt und nahbar gibt.
Auf dem Rasen wird das wieder anders aussehen. Bleibenden Eindruck will Stuttgarts Nummer 9 schließlich nicht mit der Haarfarbe machen, sondern mit starken Leistungen. Am liebsten in einem Finale. (GEA)

