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Aktuell Kriminalität

Zahlen aus dem Kreis: »Welt ist nicht gefährlicher geworden«

Polizeipräsident Alexander Pick informiert im Verwaltungsausschuss über die Lage im Kreis

Die Zahl der Einbrüche geht deutlich zurück.  FOTO: DPA
Die Zahl der Einbrüche geht deutlich zurück. FOTO: DPA
Die Zahl der Einbrüche geht deutlich zurück. FOTO: DPA

KREIS REUTLINGEN. Das subjektive Sicherheitsempfinden verschlechtere sich immer mehr. Das decke sich aber keinesfalls mit aktuellen Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik, sagte Reutlingens Polizeipräsident Alexander Pick im Verwaltungsausschuss des Kreistages. 1985 seien die Sicherheitsrisiken auf der Straße weitaus höher gewesen. Aber damals hätte sicherlich keiner Angst gehabt, seine Wohnung zu verlassen.

»Meine Hauptsorge ist, dass durch diese Entwicklung die Gesellschaft zunehmend Schaden nimmt«, resümierte Pick. Die Folge sei die Spaltung der Gesellschaft. »Wir müssen die subjektive Seite immer mehr in den Fokus nehmen.« Seine Botschaft ist daher: »Die Welt ist nicht gefährlicher geworden.«

»Wir müssen die subjektive Seite in den Fokus nehmen«

In den vergangenen zehn Jahren seien die Straftaten zurückgegangen. Es gebe auf 100 000 Einwohner 4 583 Straftaten im Jahre 2017. Das sind 31 weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote liegt bei 62,7 Prozent. Das wolle er nicht glorifizieren. Aber damit stehe der Kreis besser da als das Land Baden-Württemberg (5 295 Straftaten). »Wir sind ein Landkreis mit Großstadt, wo die Urbanität hineinwirkt. Das ist für den Landkreis eine gute Zahl.« Zum Vergleich: Die Stadt Freiburg liegt bei 12 237 Straftaten.

»Römerstein (1 332 Straftaten) ist ein Idyll, das ist sagenhaft«, sagte Alexander Pick zufrieden. Hingegen steche Metzingen (8 430) deutlich heraus. Dort gebe es sehr viele Ladendiebstähle. Das ärgere ihn. Vor allem Wohnungseinbrüche verunsicherten die Bürger. Die Einbrüche seien ein Marker für das Gefühl der Sicherheitslage in der Bevölkerung. Das Reutlinger Präsidium habe allerdings hervorragende Zahlen vorzuweisen: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um 45,2 Prozent auf 132 Fälle zurück. »Jeder zweite Einbruch scheitert und bei jedem zweiten gibt es keine oder kaum Beute.« Womöglich fragen sich Einbrecher, ob es sich überhaupt noch lohnt, in Häuser oder Wohnungen einzusteigen. Dem Klischee, dass Einbrüche von Asylbewerbern begangen werden, müsse er jedenfalls widersprechen. »Das stimmt nicht.«

Reutlingens  Polizeipräsident Alexander Pick. FOTO: NIETHAMMER
Reutlingens Polizeipräsident Alexander Pick. FOTO: NIETHAMMER
Reutlingens Polizeipräsident Alexander Pick. FOTO: NIETHAMMER

Bei den Sexualstraftaten sehe es hingegen düster aus. 191 Straftaten wurden registriert, 81 Taten mehr als 2016. "Hier muss man die Lupe genauer darauf legen", meinte Alexander Pick. Das liege aber auch daran, dass jetzt sexuelle Übergriffe und Belästigungen in das Strafgesetzbuch als Straftaten eingegangen seien. Während in den 70er-Jahren die Zahlen weitaus höher gewesen seien, hätten sie sich in der jüngeren Vergangenheit auf deutlich niedrigerem Niveau kaum verändert." Alexander Pick betonte, dass er einen "Klaps auf den Po der Bedienung" nicht verharmlosen wolle. "Es ist richtig, dass dies aufgenommen wurde." Schwere sexuelle Delikte wie Vergewaltigungen sind von 16 auf 13 Fälle zurückgegangen.

Auch die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen ist gesunken – jedoch die der Asylbewerber um 5,1 Prozent auf 538 Straftäter (berechnet auf 100 000 Einwohner) gestiegen. »Die Asylbewerber sind in der Kriminalitätsstatistik angekommen.« Wobei diese eher in Drogengeschäfte und Körperverletzungen verwickelt seien. Rauschgiftdelikte seien vor allem Sache von Schwarzafrikanern.

»Das Messer macht uns Sorge«, sagte Alexander Pick. Immer mehr Menschen tragen eines bei sich, vor allem das Cuttermesser sei beliebt. »Die Bevölkerung rüstet auf.« Das zeige sich auch in der Zunahme der kleinen Waffenscheine. 2015 waren es bundesweit 275 000, jetzt sind mehr als 500 000 Scheine registriert. Aber auch die Gewalt gegen Polizeibeamte nehme immer mehr zu. Jeder dritte Kollege sei mittlerweile Opfer einer Gewalttat geworden. »Das ist ein Lackmustest zur Haltung unserer Gesellschaft gegenüber Autoritäten.« Pick und seine Kollegen registrieren eine steigende Zahl an Beleidigungen. Und: » Die psychopathologischen Krankheiten nehmen zu.«

»Die Beleidigungen nehmen immer mehr zu«

»Wir müssen uns überlegen, wie wir miteinander kommunizieren«, schlussfolgerte Kreisrat Mike Münzing (SPD). Das subjektive Empfinden der Bevölkerung müsse verändert werden. Es könne nicht sein, dass sich Empfindungen nicht mit den Zahlen decken – eine Einschätzung, die Münzings Ratskollegen mit zustimmendem Nicken quittierten. (GEA)

 

 

 

 

 

ZAHLEN IM INTERNET

Der Kreis Reutlingen mit allen Zahlen aus dem Jahr 2017 befindet sich auf der Homepage des Polizeipräsidiums unter dem Stichwort »Statistiken«. (mnk)

ppreutlingen.polizei-bw.de