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Aktuell Orkan

Unwetter in der Region: Im Kreis Reutlingen wird aufgeräumt

Nach den schweren Unwettern, vor allem in und rund um Reutlingen, sind die Aufräumarbeiten mittlerweile weitgehend abgeschlossen. Die Bilanz von Polizei, Feuerwehr und Behörden: Hunderte Einsätze, viele Schäden, aber so gut wie keine Verletzten.

KREIS REUTLINGEN. Die schweren Unwetter in Baden-Württemberg sorgten auch in der Region rund um Reutlingen für unzählige Einsätze von Polizei und Feuerwehr. »Bei uns geht es wirklich rund«, sagte ein Polizist am Dienstagabend in Reutlingen. Tote seien nicht gemeldet worden. Es habe aber wegen des schweren Sturms mehrere Verkehrsunfälle gegeben. »Aktuell kann ich ihnen nicht mehr sagen. Es wird dauern, bis wir einen Überblick haben«, sagte der Polizist in der Nacht. Am Morgen danach sprach die Reutlinger Polizei von mehr als 100 Einsätzen. 

Orkan sorgt für Wassereinbruch in Gebäuden und umgestürzte Bäume

Zwischen 22.20 Uhr und 23 Uhr tobte das Orkantief über Reutlingen und sorgte vielerorts für Wassereinbruch in Gebäuden, umgestürzte Bäume oder weggewehte Bauzäune. Letztere beschädigten vereinzelt geparkte Autos. Besonders betroffen waren laut Stadtverwaltung die Bezirke Gönningen, Bronnweiler, Ohmenhausen und auch die Stadtmitte. Extrem heftiger Starkregen mit 50 Liter pro Quadratmeter ergoss sich über Gönningen und setzte Keller unter Wasser. Im Reutlinger Kammweg wurde ein Dach abgedeckt und auf das Nachbardach geweht. In Dußlingen stürzte ein umgeknickter Baum auf die Fahrbahn der Kirchstraße und riss die Oberleitung mit. Die Feuerwehr kümmerte sich um die Beseitigung des Baumes als auch um die Reparatur der Oberleitung. In Gomaringen wurde Baum vor der Gemeindebibliothek im äußeren Schlosshof so schlimm vom Blitz getroffen, dass er jetzt entfernt werden muss.

Etwa 42 Einsätze der Reutlinger Feuerwehr

Insgesamt rückte die Berufsfeuerwehr und die Abteilungen Freiwillige Feuerwehr Gönningen, Bronnweiler, Ohmenhausen, Mittelstadt, Betzingen und Stadtmitte zu etwa 42 Einsätzen in Reutlingen aus. Hinzu kamen rund 80 Feuerwehreinsätze im Landkreis Reutlingen. Die Feuerwache wurde von der Freiwilligen Feuerwehr Sindelfingen und Rommelsbach nachbesetzt. Ebenso wurde die Integrierte Leitstelle personell aufgestockt. Koordiniert wurden die Einsätze von der Führungsunterstützungseinheit. Wahrscheinlich gingen acht Brände, zu denen die Einsatzkräfte ausrückten, auf Blitzeinschläge zurück. Dies seien - so die Feuerwehr - aber eher kleinere Einsätze gewesen. Beispielsweise habe eine Wiese gebrannt, oder Brandmeldeanlagen hätten Alarm geschlagen. Es seien auch hier keine Verletzten zu verzeichnen gewesen.

Die Eninger Feuerwehr hatte neun Einsätze. Zudem teilte die Gemeindeverwaltung mit, dass es gegen 22:40 Uhr einen großflächigen Stromausfall in Eningen gab. Ursache war ein Kurzschluss in der Freileitung am Häßler Hof. Für die meisten Eninger war der Strom gegen Mitternacht wieder da. Auch liefen mehrere Keller voll und die Feuerwehr rückte wegen umgeknickter Bäume an. Auch in Mössingen-Belsen pumpte die Feuerwehr vollgelaufene Keller leer.  

Dachstuhlbrand in Pfullingen

In Pfullingen steht ein Dachstuhl in Flammen.
In Pfullingen steht ein Dachstuhl in Flammen. Foto: Schöbel
In Pfullingen steht ein Dachstuhl in Flammen.
Foto: Schöbel

Die Feuerwehr Pfullingen rückte zu etwa 50 Einsätzen aus. Vor allem ein, wohl durch einen Blitzeinschlag ausgelöster Dachstuhlbrand, beschäftigte die rund 50 Einsatzkräfte. Der Brand war am Dienstagabend gegen 22.30 Uhr in der Pfullinger Wolfgangstraße ausgebrochen. Um die Bewohner des Mehrfamilienhauses, die das Gebäude verlassen hatten, kümmerten sich zunächst Einsatzkräfte des DRK. Die Stadt Pfullingen versuchte Unterkünfte für alle Menschen aus dem Brandhaus zu organisieren, die nicht bei Angehörigen unterkommen konnten. 13 Hausbewohner kamen zwischenzeitlich im Gemeindehaus der benachbarten Friedenskirche unter. 

Feuerwehreinsatz bei strömendem Regen in Pfullingen.
Feuerwehreinsatz bei strömendem Regen in Pfullingen. Foto: Schöbel
Feuerwehreinsatz bei strömendem Regen in Pfullingen.
Foto: Schöbel

Die Löscharbeiten dauerten bis in die Nacht an und mussten auch am Mittwochvormittag wieder aufgenommen werden, weil das Feuer erneut aufflackerte. Pfullingens Feuerwehrkommandant Dietmar Rall teilte dem GEA mit: »Die Wohnungen im Haus, in dem der Brand ausbrach, sind vom Löschwasser und dem heftigen Regen in der Nacht stark in Mitleidenschaft gezogen und derzeit unbewohnbar.« Die Polizei schätzt allein hier den Schaden auf mindestens 750.000 Euro.

Wegen beschädigter Bäume sind der Pfullinger Friedhof und die Auffahrt zur Wanne gesperrt. Aufräumarbeiten liefen in Pfullingen seit dem frühen Morgen.

Stadt Pfullingen: Teilweise besteht noch Lebensgefahr

Die Stadtverwaltung Pfullingen teilte am Mittwochmorgen mit: »Aktuell sichtet ein Team aus Feuerwehr, Bauhof und Forst mithilfe der Polizei das gesamte Stadtgebiet vor allem im Hinblick auf umgestürzte Bäume. Teilweise liegen diese in Bachläufen und sorgen so für Überlaufgefahr. Auch eine Stromleitung und Schulgelände sind betroffen.« Durch umgestürzte Bäume und abgeknickte Äste bestand Gefahr, so die Pfullinger Stadtverwaltung: »Stadt und Feuerwehr appellieren daher an die Bürgerinnen und Bürger, rund um Bäume Vorsicht walten zu lassen und insbesondere die errichteten Absperrungen ernst zu nehmen. Stellenweise besteht Lebensgefahr durch beschädigte Bäume.« 

15 Feuerwehreinsätze in Lichtenstein

Andere hat es schlimmer erwischt, sagte Lichtensteins Feuerwehrkommandant Andreas Daum. Fünfzehnmal musste seine Mannschaft ausrücken und war zwischen 22.15 und 2 Uhr. Aufgrund eines kompletten Stromausfalls in Holzelfingen musste im dortigen Feuerwehrhaus eine Notstromversorgung aufgebaut werden. Im Feuerwehrhaus in Unterhausen drang Wasser unter anderem über das Dach ein und flutete das Treppenhaus bis in den Keller. Auch an den fünf Toren des Gebäudes drückte Wasser in das Innere. »So was habe ich noch nie erlebt«, sagt Daum. Jetzt müsse man erst mal auf Spurensuche gehen, um die Ursache zu ermitteln. Ansonsten rückten 30 Mann der Wehr im Echaztal aus, um vor allem umgestürzte Bäume oder eingedrungenes Wasser zu beseitigen, das aber maximal fünf Zentimeter hoch unter anderem auch im Heizungskeller der Brögerschule stand. 

Blitze über dem Uracher Marktplatz.
Blitze über dem Uracher Marktplatz. Foto: Fabian Schwarz
Blitze über dem Uracher Marktplatz.
Foto: Fabian Schwarz

Aufräumarbeiten in Reutlingen weitgehend abgeschlossen

Bereits am frühen Morgen hatten Feuerwehr und die Technischen Betriebsdienste Reutlingen (TBR) mit umfangreichen Aufräumarbeiten begonnen. Laut Matthias Hertler, Einsatzleiter der Reutlinger Feuerwehr, mussten bis in den Vormittag hinein noch einige Unterführungen leergepumpt und zahlreiche umgestürzte Bäume und abgeknickte Äste weggeräumt werden. Auch abgedeckte Dächer im Stadtgebiet Reutlingen mussten Feuerwehrleute nach dem Unwetter sichern.

Die TBR sicherten und beseitigten abgeknickte Äste und räumten Berge von abgerissenem Laub von den Straßen, um die Verkehrssicherheit wiederherzustellen. TBR-Betriebsleiter Dirk Kurzschenkel erklärte: »Unsere komplette Mannschaft war mit etwa 170 Leuten im Einsatz, auch um Gelbe Säcke und deren Inhalt aufzuräumen.« Zwar gebe es in Reutlingen seit geraumer Zeit nur noch gelbe Tonnen, aber zahlreiche Bürger und auch Firmen würden Altbestände an Gelben Säcken noch benutzen und füllen, so Kurzschenkel.

Die Aufräumarbeiten waren am Nachmittag weitgehend abgeschlossen: »Nur der Abtransport von restlichen Laubhaufen kann noch ein bis zwei Tage dauern«, meinte Kurzschenkel. 

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sieht für die kommenden Tage keine Gewitter oder Unwetter voraus. Die Abkühlung werde allerdings nur noch den Donnerstag anhalten, danach setze sich wieder heißes Sommerwetter durch. Am Samstag würden wieder 33 Grad oder mehr erreicht, so der DWD. (GEA)