Logo
Aktuell Fridays for Future

Tausende beim Klimastreik in Reutlingen

Der Klimastreik in Reutlingen ist zu einer fröhlichen Volksbewegung geworden. Tausende informieren sich nach dem Demozug auf dem Marktplatz an Ständen, was jeder fürs Klima tun kann, diskutieren mit anderen. Am Nachmittag folgte dann die Kundgebung der »Parents for Future«.

Demozug durch die Wilhelmstraße.
Demozug durch die Wilhelmstraße. Foto: Stephan Zenke
Demozug durch die Wilhelmstraße.
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. Das Organisationsteam der Demonstration ist sichtlich bewegt über die Masse an Menschen, die sich nach dem Demozug durch die Innenstadt auf dem Marktplatz versammelt hat. Greta Thunberg ist als Stimme aus dem Lautsprecher präsent. Rings um den Platz jede Menge Stände, die zum Thema passen.

Da werden auf Zetteln Ideen für mehr Klimaschutz in Reutlingen gesammelt: »Autospuren und Busspuren umwandeln« oder »Doppelte Parkgebühr für SUVs« aber ebenso »Erhaltet die Stadtbäume«. Daneben können Bienen-Hotels gebastelt werden. Kinder lassen sich beim BUND schminken, was auch am Stand der Fridays for Future Bewegung angeboten wird. Der Nabu informiert über »Gärtnern ohne Gift«, Animal Rights Watch serviert vegane Kekse, auf der anderen Seite des Platzes könnte man auch voll ökologische Kartoffelsuppe schlürfen. Dazu gesellen sich Tische der Bürgerinitiativen »Rettet das Arbachtal« oder »Keine Dietwegtrasse«. Das Engagement ist so vielseitig wie der Freitag begonnen hat.

Die Sonne scheint, die Stimmung ist friedlich, aber die Sprechchöre der Demonstranten sind eindeutig: »Wir sind hier, wir sind laut - weil ihr uns die Zukunft klaut«, ist der bekannteste der Fridays for Future Bewegung. Seit Monaten gehen auch in der Region vor allem Schüler freitags auf die Straße statt zur Schule, um für stärkere Klimaschutzmaßnahmen zu protestieren. Zum globalen »Klimastreik« sind jetzt auch Berufstätige aufgerufen, mitzumachen. Arbeitnehmer, die an der Aktion teilnehmen wollen, müssen allerdings freinehmen oder vom Arbeitgeber die Erlaubnis einholen. Das scheint in vielen Fällen zu klappen.

»Wir wurden freigestellt, damit wir mitmachen können. Finde ich gut«, sagt Joana Seidler als eine von zehn Azubis der Cerona GmbH. Für alle ist dies ihre erste Klima-Demo, aber sie sind komplett überzeugt: »Es ist wichtig, dass jeder Einzelne was tut, aber die Politik muss einen Rahmen setzen«, meint Joana am Bahnhof, wo sich die Demonstranten zum Zug durch die Stadt sammeln. Es ist an diesem Freitag ein bunt geschmischtes und gemeinsam engagiertes Volk.

»Wir haben Fridays for Future bereits unterstützt, als es von den Jugendlichen noch nicht so gefordert war. Es gibt momentan kein wichtigeres Thema - ohne Klimaschutz ist alles nichts«, betont Petra Kopp-Zschenderlein, die mit 66 Jahren noch lange nicht die älteste Demonstrantin ist. Sie trägt eine Kinderzeichnung mit der Aufschrift »Wann, wenn nicht jetzt«. Genau dieser Meinung sind auch zwei Mütter mit Kinderwagen.

»Wir demonstrieren für unsere Kinder. Ich habe Sorge, dass die Politik das Thema nicht ernst nimmt«, sagt Magdalena mit Blick auf das Kindergartenkind vor sich. Ihre Freundin Caro nickt mit dem Kopf, und spricht dann auch davon ihren beiden Jungs mal zu zeigen, wie demonstrieren so aussieht: »Ich finde es gut, wenn man sich einsetzt, und auf die Straße geht«. Die Masse der Demonstrationsteilnehmer wächst unterdessen immer weiter.

Gut 4000 ziehen dann vom Bahnhof durch die Wilhelmstraße bis ganz nach oben, und beweisen dabei viel Kreativität. Nicht nur mit meist handgemachten Schildern oder Transparenten, sondern auch ansonsten. Sage noch einer, die Jugend könne nichts mit klassischen Volksliedern anfangen. Ganz im Gegenteil werden bekannte Texte geschickt umformuliert: »Von der blauen Erde kommen wir, unser Klima stirbt genau so schnell wie wir«. Ebenso originell ist die Demo-Gymnastik. »Wer nicht hockt, der ist für Kohle«, rufen die Ordner an der Spitze des Zuges, und alle gehen in die Hocke. Kurze Zeit später »wer nicht hüpft, der ist für Kohle«. So bewegt ist eine Demo selten. Doch es wird noch bewegender.

Um exakt 5 vor 12 Uhr läuten die Glocken der Marienkirche. Ein Zeichen, wo die Uhr unserer Erde steht. Um was es allen hier geht, hängt dabei als Transparent an der Fassade des Gotteshauses: »Schöpfung bewahren«. (GEA) 

www.fridaysforfuture.org