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Aktuell Corona

So verlief das Infektionsgeschehen im Kreis Reutlingen im Juli

Die Inzidenzen steigen wieder leicht, die Debatte über Corona-Einschränkungen wird wieder heftiger. Zeit, um das Infektionsgeschehen in der Region im Juli aufzudröseln. Fakten zu Alter, Ansteckungsort, Hospitalisierung und Impfstatus der Neuinfizierten.

Corona-Maßnahmen
Am Maske-Tragen entzünden sich so manche Auseinandersetzungen. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Am Maske-Tragen entzünden sich so manche Auseinandersetzungen.
Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

KREIS REUTLINGEN. Hat die vierte Welle begonnen? Kann man bei hoher Impfquote überhaupt noch von einer Infektionswelle sprechen? Sollten Corona-Regeln für alle gelockert werden oder nur für Geimpfte? Und wer infiziert sich denn eigentlich noch, wenn so viele Menschen schon geimpft sind? Nach ein paar recht ruhigen Corona-Wochen mit sinkenden Zahlen wird die Debatte mit steigender Inzidenz wieder heftiger. Wir haben uns das aktuelle Infektionsgeschehen im Kreis Reutlingen in den vergangenen vier Wochen mal genauer angeschaut. 

Wie viele Menschen haben sich infiziert?

In den vergangenen vier Juli-Wochen, vom 30. Juni bis zum 29. Juli, haben sich im Kreis Reutlingen 113 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Zum Vergleich: In den vier Juni-Wochen zuvor hatten sich 218 Menschen infiziert. Die Inzidenz, die weiter als Kennziffer für Lockerungen oder deren Rücknahme benutzt wird, sank am 3. Juli auf den Jahrestiefstand: 3,1. Seit sieben Tagen liegt sie wieder knapp über 10. Deshalb ist der Kreis Reutlingen am Mittwoch auch wieder in die sogenannte Inzidenzstufe 2 zurückgefallen

Wer hat sich infiziert? 

Der Altersdurchschnitt der Neuinfizierten in den vergangenen vier Wochen beträgt 34 Jahre. Das teilt das Landratsamt Reutlingen mit. Die mit Abstand meisten Neuinfizierten waren zwischen 20 und 49 Jahre alt (47,22 Prozent). Dagegen haben sich nur noch drei Menschen, die über 70 Jahre alt sind, in den vergangenen vier Wochen infiziert. Auch im Kita-Alter (bis vier Jahre) wurden kaum Infektionen gemeldet: Das Landratsamt listet sieben Fälle innerhalb von vier Wochen auf. Ähnliches Bild im Schulalter (5 bis 19 Jahre): Obwohl die Schulen bis zum Ferienbeginn am Donnerstag komplett geöffnet waren, listet das Landratsamt Reutlingen in dieser Altersgruppe lediglich 20 neue Corona-Fälle auf. 

Quelle: Landratsamt Reutlingen. Grafik: Capo

Wo haben sich die Menschen angesteckt?

»Die Infektionsquellen sind in den meisten Fällen nicht nachvollziehbar«, heißt es aus dem Reutlinger Gesundheitsamt. »Sind sie bekannt, handelt es sich zum größten Teil um familiäre Häufungen oder private Geschehen.« In den Schulen habe es in den vergangenen vier Wochen nur eine kleinere Häufung gegeben. Wenn dort Fälle bekannt wurden, sei es meist bei Einzelfällen geblieben.

Da die Sommerferien in Baden-Württemberg erst begonnen haben, gibt es noch keine Reiserückkehrer in großer Anzahl. Es lässt sich jedoch laut Landratsamt trotzdem sagen, dass immer rund ein Fünftel aller neuen Fälle in den vergangenen vier Wochen auf diese Personengruppe zurückging. 

Haben sich vollständig geimpfte Personen infiziert? 

Als Starttermin der Impfkampagne im Kreis Reutlingen kann der 30. Dezember 2020 gesehen werden: An diesem Tag wurde die 94-jährige Marianne Moll im Seniorenzentrum Gertrud Luckner in Orschel-Hagen geimpft. Von diesem Tag an bis heute wurden 6.752 Neuinfektionen im Kreis gemeldet. Von diesen Neuinfektionen waren 36 Fälle sogenannte »Impfdurchbrüche«. Also doppelt geimpfte Menschen, die sich trotzdem infiziert haben. Diese Zahl entspricht 0,53 Prozent aller Fälle seit Beginn der Impfkampagne. Nur 13 Menschen mit einem »Impfdurchbruch« wiesen milde oder moderate Symptome auf. Die anderen blieben symptomlos.

Insgesamt sind (Stand 25. Juli) 48,9 Prozent aller Menschen im Kreis Reutlingen vollständig geimpft. 57,8 Prozent haben die erste Impfdosis erhalten. 

Wie ist die Lage in den Reutlinger Kreiskliniken?

Seit dem 17. Juli wird kein Covid-Patient mehr auf der Intensivstation der Reutlinger Kreiskliniken behandelt. Seit dem 27. Juli liegt auch kein Covid-Patient mehr auf der Normalstation der Klinik. Es habe noch keine stationäre Aufnahme eines Menschen mit vollständigem Impfschutz gegeben, heißt es weiter aus der Pressestelle des Klinikums. Der prägendste Pandemie-Monat für die Kreiskliniken war der Dezember 2020, mitten in der zweiten Pandemie-Welle. In diesem Monat wurden insgesamt 150 Covid-Patienten stationär behandelt. 44 verstarben an den Folgen ihrer Covid-Erkrankung. In diesem Monat infizierten sich auch die meisten Klinikangestellten (59). (GEA)