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Philharmonie sucht Laubbläser

Heute bittet die WPR zum Sound-Check. Uraufführung von Müllers herbstlicher Komposition im Oktober

Ein Laubbläser in Aktion.  FOTO: ARCHIV
Ein Laubbläser in Aktion. FOTO: ARCHIV
Ein Laubbläser in Aktion. FOTO: ARCHIV

REUTLINGEN. Tobias Maria Müller macht wieder von sich hören. Vorgelegt hat der Reutlinger Komponist und enge Vertraute von WPR-Chefdirigent Fawzi Haimor unlängst ein abendfüllendes Werk, das – wie berichtet – Mitte Oktober in der Stadthalle uraufgeführt werden soll. Nach seiner von der Kritik gefeierten und mehrfach ausgezeichneten »Suite für Thermomix, Eierharfe und Schlagwerk«, hat sich das avantgardistische Ausnahmetalent nun der Klanglichkeit des Herbstes in ihrer, wie Müller es nennt, »authentisch-zeitgenössischen Prägung« angenommen.

Seine Komposition trägt den Titel »November Blues – Rendez-vous von Laubbläserensemble mit symphonischem Orchester« und soll die dritte Jahreszeit akustisch erfahrbar machen; »aufrüttelnd« soll dies geschehen, »im Jetzt und Hier, kompromisslos und ohne jedwede romantisierende Verklärung«.

»Da sind wir absolut offen und überhaupt nicht schleckig«

Zentraler Bestandteil des »November Blues’« sind die für deutsche Herbsttage typischen Laubbläser. In Beziehung gesetzt werden sie nach Worten von Komponist Müller »mit der Anmut der Vergänglichkeit, die uns Mutter Natur in Gestalt welker Blätter vor die Füße wirft«.

Hier das leise Rascheln des Laubes unter den Sohlen der Waldspaziergänger, dort das Röhren der Gartengerätschaften technisch aufgerüsteter Facility-Manager; hüben schiere Poesie, drüben nervenzerfetzende Prosaik: Es sei dieses unversöhnliche Nebeneinander herbsttypischer Sinnesreize, das Komponist Tobias Maria Müller schon seit geraumer Zeit fasziniert und das deshalb jüngst Einzug in seine Œeuvre gehalten hat.

Fasziniert ist auch die Württembergische Philharmonie – nämlich von Müllers experimentellem, emissionskritischem Ansatz. Weshalb sie bereits Anfang Januar Bereitschaft signalisiert hat, sich des »November Blues’« anzunehmen. Jedoch: Reutlingens Profi-Musikern mangelt es aktuell am hierfür notwendigen Equipment. »Wir verfügen«, sagt WPR-Pressesprecherin Stefanie Eberhardt auf GEA-Nachfrage, »lediglich über einen einzigen Laubbläser, der uns von unserem Hausmeister zur Verfügung gestellt wird.«

Da das Werk Müller’scher Provenienz indes eine Besetzung von sage und schreibe vierzig solcher Gerätschaften vorschreibt, die auf der Bühne zum »wuchtigen Klangkörper« verschmelzen sollen, hoffen Reutlingens Philharmoniker nun auf die tätige Unterstützung der Bürgerschaft.

Gesucht sind vor allem mit Verbrennungsmotoren betriebene Instrumente, die für satten Sound garantieren und in der Regel durch ein breites Untertonspektrum überzeugen. Wiewohl auch elektrische Modelle keineswegs verschmäht werden. »Da sind wir absolut offen und überhaupt nicht schleckig«, so Eberhardt, die im selben Atemzug darauf hinweist, dass Mitglieder des in Gründung begriffenen Laubbläser-Ensembles »über keinerlei Notenkenntnisse verfügen müssen«. Musikalische Vorbildung sei »zwar nicht hinderlich, in diesem speziellen Falle aber entbehrlich«.

Kurz: Jeder, der Spaß am Laubblasen hat, kann mitmachen und Seit’ an Seit’ mit Reutlingens Virtuosen konzertieren. »Dabei würden wir uns besonders freuen, wenn sich – klassische Männerdomäne hin, Männerdomäne her – auch ein paar Laubbläserinnen zur Gruppe hinzugesellen würden.«

»Mitzubringen sind Ohrenschutz und etwas Zeit«

Ein erstes Treffen zwecks Soundcheck ist für den heutigen Montag, 1. April, um 17 Uhr am Hauptsitz der WPR in der Marie-Curie-Straße 8 (Gewerbepark Orschel) vorgesehen. Anhand von Hörproben soll dann außerdem geklärt werden, welcher der Laubbläser für den solistischen Part im »November Blues« geeignet ist.

Mitzubringen sind laut Stefanie Eber-hardt »Ohrenschutz und etwas Zeit«. Je nach Teilnehmerzahl rechnet die Pressesprecherin mit einem Aufwand von rund 90 Minuten. »Dann müsste eigentlich alles in trockenen Tüchern sein«, ist sie überzeugt.

»Wir verfügen derzeit lediglich über ein einziges Gerät«

Abgesehen davon wird den Laubbläsern auch in der Folgezeit wenig Übungsfleiß abverlangt. Veranschlagt hat die WPR lediglich ein Intensiv-Wochenende (Samstag und Sonntag, 5. und 6. Oktober). Die Uraufführung unter dem Dirigat von Fawzi Haimor wird dann am Montag, 14. Oktober, über die Bühne gehen – im großen Saal der Reutlinger Stadthalle und im Beisein des Deutschland-Radios, das die Weltpremiere des »November Blues’« live überträgt. Schon eine halbe Stunde vorher wird zur Werk-Einführung eingeladen. (GEA)