Logo
Aktuell Hobby

Mit Kronkorken: Gönningerin hilft krebskranken Kindern

Erika Kleinmann aus Gönningen sammelt seit 40 Jahren Kronkorken. Aus der reinen Leidenschaft ist eine regelmäßige Spendenaktion geworden. Mit respektablen Erlösen.

Erika Kleinmann zeigt, was sich mit Kronkorken alles machen lässt - hier eine bunte gestaltete Wand, aber sie unterstützt mit ih
Erika Kleinmann zeigt, was sich mit Kronkorken alles machen lässt - hier eine bunte gestaltete Wand, aber sie unterstützt mit ihrem Hobby auch kranke Kinder. Foto: Sigrid Jenatschke
Erika Kleinmann zeigt, was sich mit Kronkorken alles machen lässt - hier eine bunte gestaltete Wand, aber sie unterstützt mit ihrem Hobby auch kranke Kinder.
Foto: Sigrid Jenatschke

REUTLINGEN-GÖNNINGEN. Es scheppert und klirrt, als Erika Kleinmann eine Kiste Kronkorken nach der anderen auf dem Wertstoffhof Ofterdingen entleert. 800 Kilo hatten die Gönningerin und ihr Bekannter Marc Winter aus Ohmenhausen in den vergangenen Monaten gesammelt. Regelmäßig bringt Kleinmann ganze Wagenladungen voll Kronkorken zum Rohstoffhandel. Das Geld, das sie dafür bekommt, spendet die 70-Jährige an wohltätige Zwecke.

Als sie vor etwa 40 Jahren mehr durch Zufall mit dem Kronkorkensammeln angefangen hatte, ahnte Kleinmann nicht, welche Dimensionen ihr Hobby einst annehmen würde: »Mein Sohn spielte gerne mit Matchbox Autos. Damit er sie gut fahren lassen konnte, musste ich Straßen bauen«, erinnert sie sich, »dafür brauchte ich Begrenzungsmaterial.« Als nach einem Fest einmal sehr viele Kronkorken von Bier- und Limoflaschen übrig geblieben waren, sammelte Kleinmann diese für den nächsten Straßenbau in eine Tüte. Die Straßen mussten immer größer und länger werden, so kamen immer mehr Kronkorken dazu. »Irgendwann fiel mir auf, dass die alle verschiedene Aufdrucke haben – selbst von derselben Brauerei.« Aus dieser Erkenntnis entwickelte sich eine bis heute andauernde Sammelleidenschaft. »Wenn wir in Urlaub gefahren sind, haben wir auf Autobahnparkplätzen Rast gemacht und da lagen immer viele Kronkorken rum – hauptsächlich von ausländischen LKW-Fahrern.«

Sammeln, sortieren und kaufen

Die meisten Sammler sortieren ihre Kronkorken nach Brauereien oder Ländern. »Da ich aber nicht immer weiß, von welcher Brauerei oder was es überhaupt ist, habe ich mich damals entschlossen, nach Farben zu sortieren. Und dabei bleibe ich auch.« Alles umzusortieren, wäre Erika Kleinmann ein zu enormer Aufwand.

»Wenn mir aus einer Serie ein oder zwei Stück fehlen, dann kann ich schon mal ein paar Euro dafür ausgeben.« Mehr als drei Euro plus Porto seien das aber nicht – mit einer Ausnahme: »Einmal war ich in Görlitz im Urlaub. Die dortige Brauerei hatte gerade ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert dafür 150 verschiedene Kronkorken entworfen. Die Kollektion für 150 Euro habe ich gekauft.«

Auch Freunde und Familienmitglieder halten die Augen offen und bringen neue Schätze, wenn sie im Urlaub sind oder etwas sehen, von dem sie denken, dass es in der Sammlung von Erika Kleinmann fehlt. Gelegentlich bestellt die Liebhaberin auch im Internet Kronkorken. »Und ich gehe mehrmals im Jahr auf Tauschtreffen. Das beste ist in Hirschaid im März«, findet sie. Dorthin kämen viele Sammler, die tauschen und verkaufen würden. »Früher konnte man einfach in die Kisten der anderen reingreifen und rausnehmen, was man gebrauchen konnte. Heutzutage muss man tauschen, entweder 1:1, 1:2 oder sogar 1:5. Dafür braucht man selbst viele doppelte Kronkorken als Tauschmaterial.« Zudem hat Kleinmann drei feste Tauschpartner in Reutlingen, Berlin und Celle.

»Ich muss wohl oder übel Flaschen kaufen und auch trinken - dabei mag ich gar kein Bier«

Rund 31.000 Kronkorken mit verschiedenen Aufdrucken zählt ihre Sammlung inzwischen, aus etwa 130 Ländern. In der Zwischenzeit sei das Kronkorkensammeln schon fast eine Sucht für sie geworden, gesteht Kleinmann. Überall müsse sie nach neuen Kronkorken suchen – auch in Geschäften. »Da man auf der Straße fast keine mehr findet, muss ich wohl oder übel auch Flaschen kaufen und trinken. Dabei mag ich gar kein Bier.«

Da die Sammlerin nicht jedes ihrer mehr als 30.000 Einzelstücke auswendig im Kopf hat, nimmt sie bei Tauschtreffen immer mal wieder versehentlich Kronkorken mit, die sie schon hat. So wurde auch die Menge an doppelten Kronkorken immer mehr. »Manchmal habe ich mit meinen Enkeln daraus bunte Sterne gelegt, die jetzt als Dekoration an meiner Wand hängen«, erzählt die Rentnerin. Eine originelle Verschönerungsidee war ihr gekommen, als sie von einem Paar hörte, das mit Kronkorken sein Bad gefliest hatte. »Ich war tatsächlich gerade beim Umbau meines Hauses mit einer neuen Toilette und kam auf die Idee, mit den doppelten auch meine Toilette zu fliesen. Das ist schon was Besonderes, sowas hat nicht jeder.«

»Ich kam auf die Idee, mit den Doppelten meine Toilette zu fliesen. Das ist schon was Besonderes, sowas hat nicht jeder.«

2020 hatte Erika Kleinmann dann von einer Aktion gelesen, für den guten Zweck Kronkorken zu sammeln. Da sie noch immer kistenweise doppelte hatte, war für die gutherzige Rentnerin klar, was damit zu tun war. »Aber zum Abgeben war es damals zu wenig«, erinnert sich Kleinmann, weshalb sie anderen Personen von der Aktion erzählte und diese zum Mitsammeln animierte. Unterstützung bekommt sie von Familienmitgliedern, Freunden, Nachbarn und anderen Sammlern, aber auch von Getränkehandlungen, Gaststätten, Vereinen und Institutionen. »Der ganze Ort sammelt, immer mal wieder steht eine Tüte vor dem Haus«, freut sich die Gönningerin. Die ersten Spenden gingen an ein Kinderkrankenhaus in Ghana, das Pfullinger Tierheim und Flüchtlinge aus der Ukraine. Mittlerweile legen Kleinmann und ihr Bekannter aus Ohmenhausen zusammen, die erste gemeinsame Spende ging an die Arche Kusterdingen. Bei der letzten Abgabe hatten Erika Kleinmann und Marc Winter durch Kronkorken und eine zusätzliche Aluminiumplatte knapp 180 Euro verdient. Der Geschäftsführer des Ofterdinger Wertstoffhofs, Matthias Bärs, unterstützt das Engagement und legte den gleichen Betrag noch einmal oben drauf. Der Erlös von 358,40 Euro ging noch am selben Tag an den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen. (GEA)