REUTLINGEN. Ein Biss und der Schmelzkäse zerfließt auf der Zunge. Die Gürkchen knacken zwischen den Zähnen. Auf den Lippen: salziger Saft, der aus dem Fleisch trieft. Cheeseburger-Fans lieben diesen ersten Biss in den Burger. Fast-Food-Riese McDonald’s verspricht ihnen, dass dieses Erlebnis immer und überall auf der Welt gleich ist. Mit diesem Versprechen ist der Konzern groß geworden. In diesen Tagen muss er es brechen.
Wer in der Reutlinger McDonald’s Filiale aktuell einen Cheeseburger bestellen will, bekommt – nichts. »Ausverkauft« steht auf dem Bestellbildschirm neben dem Burger. Bei anderen Produkten ist es genauso. Überall blinken gelbe »Ausverkauft«-Felder.
Über die McDonald’s-App ist in Reutlingen am Freitagmorgen kaum etwas bestellbar: Der Hamburger ist ausverkauft, der Chili-Cheese-Burger, der Burger mit Chicken, die Wraps. Es gibt kein McSundae-Eis, keine Apfeltasche. Sogar der O-Saft – aktuell nicht verfügbar.
Nicht einmal Wasser zu kaufen
Im Bestellshop der Tübinger Filiale: ebenfalls Leere. Am Morgen ist selbst das Wasser dort nicht zu kaufen. »Vielleicht liegt es an dem Ukraine-Krieg«, sagt ein Mitarbeiter in der Reutlinger Filiale am Donnerstagabend. In den Burgerpatties könnte Weizen stecken, der dort angebaut wird und nun nicht lieferbar ist. Im Wasser aus Tübingen aber ist kein Weizen verarbeitet. Wer oder was also steckt hinter dem Engpass?
Wer das fragt, stößt auf Schweigen. Michael Sapper, Franchisenehmer der Reutlinger Filiale, ist nicht erreichbar. Sein Filial-Chef muss an die Pressestelle Deutschland verweisen – Vorschrift. In der Tübinger Filiale, die Franchisenehmerin Susanne Heppert gehört, wird ebenfalls an die Pressestelle verwiesen. »Wenn Sie bei uns durch den McDrive fahren, stellen Sie aber tatsächlich fest, dass Produkte ausverkauft sind«, bestätigt ein Mitarbeiter.
Bundesweit Lieferengpässe
Aus der McDonald’s Zentrale heißt es auf GEA-Anfrage: Aktuell gebe es Schwierigkeiten bei einem Logistikpartner. Dadurch komme es bundesweit zu Beeinträchtigungen bei der Belieferung und zu ausverkauften Produkten." Der Logistikpartner: die Havi-GmbH, Logistik-Dienstleister mit Sitz in Duisburg. Die Firma hat sich auf die Lebensmittelindustrie spezialisiert. Sie beliefert auch Kentucky Fried Chicken (KFC), Ikea und Nordsee.
Die Havi-GmbH bestätigt Lieferprobleme: »Wir stehen aktuell vor operativen Herausforderungen.« Man arbeite an der Lösung des Problems. Genaue Gründe für die Lieferengpässe werden nicht genannt, ein Bezug zum Ukraine-Krieg wird auf ausdrückliche Nachfrage nicht bestätigt.
Wer seinen Cheeseburger vermisst, muss daher in den kommenden Tagen vermutlich mit anderen Produkten vorlieb nehmen: Havi-Kunde Nordsee leidet nicht unter Lieferengpässen. Ob KFC und Ikea betroffen sind – dazu konnten die Pressestellen bis Redaktionsschluss keine Antworten geben.
Fast-Food-Kette Burger King hat laut GEA-Informationen aktuell keine Lieferengpässe – dafür im Angebot aber auch einen Cheeseburger. (GEA)



