REUTLINGEN. Es war eine wilde Idee, die den Initiatoren im Reutlinger Innoport bereits 2019 in den Sinn kam: Auf der Basis eines klassischen Escape Rooms wollten sie ein Konzept entwickeln, das den Nutzern Spaß bereiten, bei dem sie aber auch etwas lernen sollten. Und zwar nicht irgendwas, sondern sie sollten Zukunftstechnologien mit dem Schwerpunkt »Künstliche Intelligenz« hautnah erfahren. Aus dieser wilden Idee ist nun ein »einzigartiges Erlebnis« geworden, wie Klaas Bollhöfer, Geschäftsführer der Berliner Firma »Birds on Mars« bei der Vorstellung des Konzepts erklärte.
Bis das Ganze Wirklichkeit wurde, zogen jedoch ein paar Jahre ins Land, unter anderem bremste die Pandemie das Vorhaben aus. Allerdings war diese Verzögerung nicht unbedingt von Nachteil: Denn noch nie war AI (artificial intelligence,) »so spannend, relevant, spektakulär, dynamisch und präsent wie heute«, betont Bollhöfer. »Es ist der perfekte Zeitpunkt, alle sprechen darüber.« Zwar gehen die Anfänge der Künstlichen Intelligenz bis in die 1950er-Jahre zurück, aber die Entwicklung in den vergangenen Jahren war rasant. Die KI wird immer mehr zum Teil des Alltags wird, man denke dabei nur an ChatGPT, ein Sprachmodell, das von vielen Menschen genutzt wird.
Groß war der Andrang auch zur Eröffnung am gestrigen Dienstag: Die Projektbeteiligten, ob von Innoport, der Stadt, dem Land oder den beteiligten Firmen, wollten sehen, was in den vergangenen Jahren geschaffen wurde. OB Thomas Keck freute sich, diesen »neu- und einzigartigen Lern- und Erlebnisraum« eröffnen zu dürfen, mit dem auf dem Innoport-Gelände ein neues, attraktives Angebot geschaffen wird. Ziel ist es vor allem, »einen niedrigschwelligen Zugang zu dem hochkomplexen und dynamischen Themenfeld KI zu schaffen«. Ab Mitte Oktober können Firmen und Schulen den Raum buchen.
KI begreif- und erlebbar machen
Professor Peter Schäfer vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg betonte, wie wichtig es ist, »KI begreif- und erlebbar zu machen«. So könne man den Strukturwandel aktiv mitgestalten. Sandra Röhner, Geschäftsführerin der KI Allianz ist überzeugt, dass es sich lohne, die KI gezielt zu fördern, um die Wertschöpfung zu steigern und Mehrwert zu schaffen.
Nach all diesen lobenden Worten, kam dann der spannende Teil. 15 der anwesenden Personen war der Zutritt in den Experience Room gestattet, die anderen Gäste konnte das Geschehen per Livestream verfolgen. Start war im ersten Raum, der aussieht wie eine Werkstatt aus vergangenen Zeiten, keine Zeichen von KI, alles analog. Hier muss man einige Aufgaben knacken, um in den nächsten Raum zu gelangen - sei es, die farbigen Drähte eines Schaltkastens (in rot, gelb, grün und blau) richtig miteinander zu verbinden oder ein Schloss zu öffnen. Gelingt dies, betritt man den Raum der Zukunft: OB Keck, unterstützt von Sandra Rohner und Peter Schäfer, durfte sich darin versuchen, einen Roboter zu bedienen, um die nächste Tür zu öffen. Es gelang und Raum drei öffnete sich, in ihm liegt der Schwerpunkt auf Daten, ihrer Verarbeitung und es lockt ein Ausflug in den Weltraum.
Der Einblick in das Escape-Spiel war bewusst kurz und knapp gehalten. »Sonst ist der Spaß und die Überraschung weg«, erklärt Markus Flammer, Wirtschaftsförderer der Stadt Reutlingen. So viel sei aber verraten: Es raucht und qualmt, es zischt und rattert, an Hightech und analogen Techniken wird nicht gespart, man reist durch die Zeit, trifft dabei historische Persönlichkeiten, erlebt ein Reutlingen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Kurz: Es lohnt es sich, eine spannende Stunde in den Escape-Räumen zu verbringen und dabei ganz nebenbei mehr über die Künstliche Intelligenz zu erfahren. (GEA)
Der AI Experience Room: Das Angebot und die Macher
Ab sofort steht im Reutlinger Innoport der AI Experience für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Zunächst ist die Buchung des Raumes auf Firmen, Schulen und Hochschule begrenzt, später soll er auch für Privatpersonen geöffnet werden. Erste freie Termine gibt es ab dem 21. Oktober, immer von montags bis freitags.
Der Experience Room ist aufgebaut wie ein klassischer Escape Room: Das Team (am besten wird mit vier bis sechs Personen gespielt) muss Rätsel lösen, um weiterzukommen. Es werden mehrere Räume durchlaufen, in denen die Zukunftstechnologie eine große Rolle spielt. Nicht nur der Spaß, sondern auch die Wissensvermittlung ist Bestandteil des Spiels.
Folgende Firmen haben den AI Experience Room umgesetzt: Birds on Mars, die für den Raum die KI entwickelt und gebaut hat. Die Reutlinger Firma MBA hat die Wandmodule erstellt, die Firma Leyard war für die Visualisierungslösungen zuständig, die Eventhandwerker haben alles zusammengebaut und betreiben nun mit der städtischen Tochtergesellschaft Gewerbeimmobilien Reutlingen (GER) das neue Angebot im Innoport.
Der Experience Room ist ein Projekt im Rahmen der KI-Allianz Baden-Württemberg, die eine Brücke zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bilden will. Gefördert wurde es vom Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus. (awe)

