Logo
Aktuell Bilanz

Im Schnitt fünf Einsätze am Tag für Reutlinger Feuerwehr

227 Menschen aus lebensbedrohlichen Lagen gerettet: Beeindruckende Statistik bei der Hauptversammlung

Die Geehrten der Reutlinger Feuerwehr gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Keck (Mitte, mit Fliege).  FOTOS: SPIESS
Die Geehrten der Reutlinger Feuerwehr gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Keck (Mitte, mit Fliege). FOTOS: SPIESS Foto: Jürgen Spieß
Die Geehrten der Reutlinger Feuerwehr gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Keck (Mitte, mit Fliege). FOTOS: SPIESS
Foto: Jürgen Spieß

REUTLINGEN. 2019 hatte die Reutlinger Feuerwehr keine unwetterbedingten Einsätze zu vermelden und auch die Einsatzzahlen insgesamt gingen gegenüber dem Vorjahr um über 20 Prozent zurück. Die Feuerwehr wurde 1 815-mal alarmiert, berichtete Kommandant Harald Herrmann am Freitagabend bei der Hauptversammlung, »damit liegen die Zahlen aber weiterhin mit durchschnittlich fünf Einsätzen pro Tag auf hohem Niveau«.

Besonders ein Einsatz blieb dem Feuerwehrchef, der in 18 Monaten in den Ruhestand geht, in Erinnerung: Am 6. November verunglückte ein Feuerwehrkran auf der Rückfahrt von einem Einsatz und »die ersten Meldungen klangen mehr als dramatisch«. Zum Glück ging der Unfall glimpflich für die betroffenen Kollegen aus, gleichwohl zeigte er Gefahren und Risiken auf, die der Feuerwehralltag mit sich bringe. Besonderen Einsatz erforderten im vergangenen Jahr auch der ausgedehnte Dachstuhlbrand, bei dem 40 Menschen in der Neujahrsnacht evakuiert werden mussten, ein Wohnungsbrand in der Rommelsbacher Straße und der Gebäudebrand in der Altstadt

»Einer enorm hohen Beanspruchung ausgesetzt«

Insgesamt musste die Feuerwehr 356 Brände löschen, wurde 1 053-mal um technische Hilfeleistungen gebeten und hatte 406 Fehleinsätze zu verzeichnen. 227 Menschen konnten aus lebensbedrohlichen Lagen gerettet werden. 34 Tote waren zu bergen, davon eine Person nach einem Brand. Außerdem wurde die Reutlinger Feuerwehr zu 422 Einsätzen gerufen, um Zugang zu Erkrankten, Gestürzten, Vermissten oder bereits verstorbenen Personen zu schaffen. Ausdrücklich bedankte sich Harald Herrmann auch bei den Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr, die im vergangenen Jahr 558-mal gerufen wurden »und mit 1,5 Alarmierungen pro Tag einer enorm hohen Beanspruchung ausgesetzt waren«, so der Kommandant.

Personell sei die Reutlinger Feuerwehr gut aufgestellt, führte Hermann in seinem Bericht aus. Das gelte sowohl im Bereich der 76 Einsatzbeamten (Vorjahr: 71) der Berufsfeuerwehr als auch bei der Freiwilligen Feuerwehr mit 441 Mitgliedern (423). Viel Lob gab es für die Sondereinheiten, »die sich zurückblickend hervorragend etabliert haben« sowie für die Ausbildungsmaßnahmen, bei denen 29 junge Feuerwehrleute aus den Freiwilligen Feuerwehrabteilungen in einem Grundausbildungslehrgang zur Feuerwehrfrau und zum Feuerwehrmann ausgebildet wurden. Es mache ihn stolz zu wissen, so Herrmann, dass bei der Feuerwehr das Motto »Gemeinsam stark« zähle.

Sorgen mache ihm jedoch die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angestoßene Reform der Notfallversorgung. Nach dem Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) sollen die bisherigen integrierten Leitstellen für Notfallrettung, Brand- und Katastrophenschutz zu gemeinsamen Notfallleitstellen (GNL) zusammengeführt werden. Durch die Übernahme von weiteren Service- und Lotsenfunktionen werde jedoch die gegenwärtige Leistungsfähigkeit der Notrufnummer 112 geschmälert, was zulasten der Qualität gehe, kritisierte Herrmann. Er plädierte deshalb an alle Verantwortlichen im Landkreis, dieser Entwicklung entgegenzutreten.

»Sie setzen sich für das Gemeinwesen ein und machen einen tollen Job«

Im Anschluss berichteten Ulrich Meyer (30 Jahre Tauchergruppe), Ralf Henes (Kinderfeuerwehr) und Siegfried Armbruster (Altersabteilung) über die Entwicklung ihrer Abteilungen. Oberbürgermeister Thomas Keck lobte die Einsatzbereitschaft und Leistung und versprach, die Ausstattung der Feuerwehr trotz Haushaltssperre auch zukünftig zu gewährleisten: »Sie übernehmen Verantwortung, setzen sich für das Gemeinwesen ein und machen einen tollen Job«, schloss er seine Ansprache, »ohne Sie wäre die Stadt um ein Vielfaches ärmer«. (GEA)

 

Ehrenplakette für Klaus Kirschbaum.
Ehrenplakette für Klaus Kirschbaum. Foto: Jürgen Spieß
Ehrenplakette für Klaus Kirschbaum.
Foto: Jürgen Spieß

EHRUNGEN

Klaus Kirschbaum erhält Ehrenplakette in Gold

Neben den Berichten zur Entwicklung der Feuerwehr standen Ehrungen auf der Tagesordnung: Das bronzene Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz ging an Hauptlöschmeister Egon Häußler sowie an die Oberbrandmeister Klaus Nagel und Wolfgang Popp (nicht anwesend). Die Ehrenmedaille in Silber des Landesfeuerwehrverbandes wurde an Oberbrandmeister Günter Maier überreicht. Bronzene Ehrenplaketten der Stadt bekamen acht Feuerwehrleute; fünf Aktive erhielten die Silberplakette überreicht. Und Klaus Kirschbaum durfte sich über die Ehrenplakette in Gold freuen. Darüber hinaus wurden 16 Mitglieder für 15 Jahre, 16 Männer und Frauen für 25 Jahre, Erich Diebold, Armin Fritz, Udo Müller und Edgar Pregizer für 40 Jahre und als Krönung Klaus Kirschbaum (Oberlöschmeister Degenschlacht) für 50 Jahre Feuerwehrdienst ausgezeichnet. (jüsp)