REUTLINGEN. Sie tragen Namen wie »Mächtige Fischernetzspinne« oder »Dornfinger« oder noch eindeutiger: »Brasilianische Wanderspinne«. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind alle aus den wärmeren Gegenden der Erde durch den Menschen nach Deutschland gekommen und sie fühlen sich bei uns zunehmend wohler, weil es auch hier immer wärmer wird. Der Reutlinger Thomas Floten ist Diplom-Biologe und gilt als einer der Spinnen-Experten schlechthin. Er sagt: »Alle Spinnen sind giftig. Denn sie töten ihre Opfer letztendlich mit einem giftigen Biss.« Entscheidend sei, welche Spinnenart für den Menschen gefährlich giftig werden kann. Die wenigsten Spinnen könnten mit ihren Beißzangen allerdings die menschliche Haut durchdringen. Thomas Floten weiß: »Es gibt bei uns nur wenige Spinnenarten die so aggressiv sind, dass sie für Menschen gefährlich werden könnten.«
Diese gefährlich-giftigen Spinnenarten gibt es in Deutschland:
1. Dornfinger. Diese Spinnenart, die maximal 1,5 Zentimeter groß werden kann, ist laut Thomas Floten bereits seit mehr als 20 Jahren in Deutschland heimisch und ist aus Südeuropa eingeschleppt worden. Der Dornfinger gehört zu den Spinnenarten, die mit ihrem Biss die menschliche Haut durchdringen können und deren Gift gefährlich werden kann. »Die Bisse haben dann die Gefährlichkeit von Wespen- oder Hornissenstichen«, erklärt Thomas Floten. Für gesunde Erwachsene sei die Gefährlichkeit vergleichbar. Gesundheitsgefahren bestünden aber bei Kindern, Alten oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Dornfinger leben hauptsächlich in der Rheingraben-Region Baden-Württembergs. Sie gehören zu den aggressivsten Arten. »Die greifen an, wenn sie meinen, dass ihr Gelege in Gefahr ist«, so Floten.
2. Kräuseljagdspinne. Auch hier sei der Biss vergleichbar mit einem Wespenstich: schmerzhaft aber nicht lebensbedrohlich, meint Thomas Floten. In der Region um Reutlingen, sei die Kräuseljagdspinne bislang nicht entdeckt oder beschrieben worden, dagegen im südlichen Baden-Württemberg schon. In Deutschland hat sie sich in den vergangenen zehn Jahren ausgebreitet. Sie stammt ursprünglich aus Italien. Die Kräuseljagdspinne kann bis zu zwei Zentimeter groß werden. Auch hier hängt die Gefährlichkeit davon ab, ob das jeweilige Tier tatsächlich die menschliche Haut durchdringen kann.
3. Fischernetzspinne. Wie der Name schon erahnen lässt, fühlt sich die »Mächtige Fischernetzspinne« laut Thomas Floten in der Nähe von Gewässern am wohlsten. Auch in alten Mauern können sie sich aufhalten. Der Biss dieser Spinnenart kann oft stundenlange Schmerzen verursachen. Auch Kopfschmerzen oder Schwindelgefühl können mit einem Biss einhergehen. Thomas Floten hat Fischernetzspinnen in Reutlingen und Umgebung noch nicht entdeckt. Er geht aber davon aus, dass sie sich beispielsweise am Federsee in Oberschwaben verbreitet haben.
4. Tapezierspinne. Diese Spinnenart ist in Deutschland bereits weit verbreitet und sie gehört zu der Gattung der Vogelspinnen. Auch in Reutlingen und der Region ist sie bereits entdeckt worden. Thomas Floten weiß von einem Gebiet, in dem sie häufig zu finden sein könnte: »Die Tapezierspinne mag sonnige Streuobstwiesen, sie braucht Wärme. Ich gehe davon aus, dass es sie sicher im Käsbachtal in Tübingen gibt.« Auch in anderen Gärten fühlen sie sich wohl und leben in Höhlen in Bodennähe. Die Tiere seien aber nicht aggressiv und würden fliehen, sobald sich der Mensch nähere. »Bei Bodenerschütterungen, die der Mensch durch seine Schritte verursacht, ergreifen sie die Flucht«, so Floten. Tapezierspinnen überwintern mittlerweile in Deutschland und können bis zu acht Jahre alt werden. Ihr Biss kann schmerzhaft sein, Juckreiz auslösen, im schlimmsten Fall Fieber auslösen.
5. Warmhaus Krabbenspinne. Im Vergleich zu den anderen bereits genannten Spinnen gehört diese Art zu den Riesen. Die Tiere können 12 bis 15 Zentimeter groß werden. Thomas Floten weist aber darauf hin, dass dies hauptsächlich wegen der langen Beine so sei: »Der eigentliche Spinnenkörper wird nur drei Zentimeter groß.« Exemplare seien in Deutschland nur vereinzelt gesichtet und beschrieben worden. Am liebsten haben sie warme Heizungskeller oder beheizte und trockene Fabrikgebäude. Sie sind rasend schnell, denn sie gehören zu den Jagsspinnen und hätten demenstsprechend gute Augen. Auch sie wurde durch den Menschen nach Deutschland eingeschleppt. Die Art stammt ursprünlich aus Südamerika. Es bestehe dennoch kein Grund zur Panik, denn ein möglicher Biss ist nur mäßig schmerzhaft und die Schmerzen klingen nach spätestens einem Tag wieder ab.
6. Brasilianische Wanderspinne. Diese Spinne kann tatsächlich mal aus einem Bananenkarton aus Südamerika krabbeln, auch wenn das nur äußerst selten passiert. Angeblich zuletzt in einer Aldi-Filiale in Osnabrück. Die Tiere können etwa fünf Zentimeter groß werden und werden auch »Bananenspinnen« genannt. Nur ganz vereinzelt sind Tiere in Deutschland aufgetaucht und in der Region bislang überhaupt nicht. »Diese exotische Spinnenart hat hier kaum Überlebenschancen«, weiß Thomas Floten. Sie gelten als eine der giftigsten Spinnenarten weltweit und ihr Biss kann auch für Menschen lebensbedrohliche Folgen haben. Dennoch seien sie in Südamerika in vielen Haushalten willkommen, weil sie gerne Ungeziefer wie Kakerlaken auf ihrem Speiseplan haben.
7. Edle Kugelspinne. Auch sie gehört zu den eingeschleppten Arten, ist aber laut Thomas Floten in Baden-Württemberg noch nicht gesichtet worden. Die berüchtigen »Schwarzen Witwen« gehören auch zu den Kugelspinnen und zählen zu den giftigsten ihrer Art in Europa. Dennoch ist auch ihr Biss mit einem Wespenstich zu vergleichen.
Laut dem Reutlinger Spinnen-Experten Thomas Floten ist nicht erforscht, welchen Einfluss die eingeschleppten Spinnenarten auf das hiesige Ökosystem haben. Dass sie heimische Arten verdrängen oder für andere Tiere gefährlich werden könnten, will er nicht ausschließen. Schließlich sei der asiatische Marienkäfer dabei, den heimischen Marienkäfer zu verdrängen.
Bedenklich findet er Zeitgenossen, die sich exotische Spinnen kaufen, sie in ihrem Terarrium halten und dann, wenn sie ihnen lästig oder langweilig werden, einfach in die Natur aussetzen. So schaffe der Mensch erneut invasive Arten. Wer seine exotischen Spinnen loswerden will, solle sich lieber vorher bei ihm melden (0173-9491164). (GEA)