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Die Kulturwerkstatt Reutlingen stellt auf »on«

Geht doch: Unterricht am Bildschirm.
Geht doch: Unterricht am Bildschirm. Foto: Kulturwerkstatt Reutlingen
Geht doch: Unterricht am Bildschirm.
Foto: Kulturwerkstatt Reutlingen

REUTLINGEN. In diesen außergewöhnlichen Zeiten baut auch das Team der Kulturwerkstatt e.V. Reutlingen die Angebote um, damit der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen weiter bestehen kann.

Erste Erfolge hat die Musikwerkstatt mit Einzelunterricht per Skype oder WhatsApp. Da muss viel improvisiert, telefoniert und gemailt werden, aber die Kids freuen sich und nehmen das Format und die Abwechslung dankbar an. Auch mit den Bands wird in Videounterhaltungen besprochen, wie die »Zuhause bleiben« Zeit sinnvoll und kreativ genutzt werden kann. Doch die technische Umsetzung stößt an Grenzen: Selbst wenn es Programme geben sollte, in denen man virtuell als Band in »Echtzeit« zusammen spielen kann, geht über die Datenverbindung der soziale und kommunikative »Draht« verloren. Deshalb ist klar: Kein Computer ersetzt die mit viel Liebe und Herzblut gestalteten Proberäume der Musikwerkstatt!

Eine Mutter sagt: »Ich bin froh, dass wir mit den Kindern in der Musikwerkstatt gelandet sind. Das ist eine echte Bereicherung! Und dass wir jetzt über Skype den Kontakt halten und musizieren können ist so eine richtig schöne Abwechslung.«

Über die Zukunft äußert sie sich aber besorgt. Wenn alles nur noch digital läuft, fürchtet sie um den Verlust von sozialen Kompetenzen. Sie sagt »das Miteinander in der direkten Interaktion ist unersetzlich, ob in der Schulklasse oder in der Band«.

Auch die Schulbands, die von der Musikwerkstatt vor der Krise betreut wurden werden nicht vergessen. Bei einem Skype-meeting mit »Nevermind«, der Schulband der Minna-Specht-Gemeinschaftsschule, freuen sich die Kids über den Kontakt, sagen aber, sie würden jetzt schon die »echten« Proben vermissen. Sogar die Schule vermissen sie. Jetzt aber tauschen sie sich aus, entwickeln gemeinsam Ideen und Aufträge werden verteilt: Zwei machen über Skype einen neuen Songtext, zwei andere versuchen über Skype Ideen, Akkorde und Songstrukturen für neue Songs zu kreieren. Ein Gitarrist wird beim Erlernen von Powerchords per online-Unterricht unterstützt.

Die Schulleiterin der Eduard- Spranger- Schule freut sich auch, wenn der Kontakt zu ihrer Schulband aufgenommen wird, da viele unter dem social-distancing leiden.

In der Computer- und Medienwerkstatt wird das gemeinsame Tüfteln und Kennenlernen in den Programmierkursen jetzt vom Computerraum im Haus der Jugend in den digitalen Raum verlegt. Die Umwandlung der Angebote in digitale Formate wurde bereits bei den verschiedenen Projektpartnern beantragt. Geplant ist eine Website für die »Chaos Computer Girls«, auf der Mädchen in das Thema »Programmieren« reinschnuppern können, aber auch gleich von zuhause aus bei einem Grundlagenkurs mitmachen oder sich bei Fragen direkt an die Medienpädagoginnen des Projekts wenden können. Wie aber kann eine Multiplikator*innenausbildung zum Thema »Antidiskriminierungsarbeit« digital angeboten werden? Dafür entwickelt und erprobt das »Team Kunterbunt« bereits einen Methodenmix aus Webinar, Selbststudium und digitalen (Gruppen-)Übungen. Nähere Infos dazu, ab wann genau welche Angebote zur Verfügung stehen, werden laufend auf der Website kulturwerkstatt.de aktualisiert.

Es ist schön, wie flexibel, kreativ und verantwortlich alle versuchen das Beste aus der Situation zu machen.

Das Team der Kulturwerkstatt e.V. hofft diese Krise zu überstehen, um den Kindern und Jugendlichen hoffentlich bald wieder die dringend benötigten sinnlich-kreativen und direkt miteinander erlebbaren Angebote FACE TO FACE zu ermöglichen! Die neugewonnenen Erfahrungen dieser Zeit werden das Angebot ergänzen.

Klar ist aber auch, dass der gemeinnützige Verein jetzt auf die Solidarität der Eltern und Kooperationspartner*innen angewiesen ist. Existentiell wichtig wird die Unterstützung der Kommune, ohne deren Beitrag zur Basisfinanzierung die nächsten Jahre nicht gesichert sind.

Die Mitarbeiter*innen der Kulturwerkstatt e.V.  rufen ihren Teilnehmer*innen zu: »Wir vermissen euch und freuen uns euch bald wieder in «echt» zu sehen«! (pm)