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Sorge um Jobs bei Cellforce Group in Kirchentellinsfurt

Verunsicherte Beschäftigte der Porsche-Tochter in neuer Batteriefabrik wenden sich an IG Metall und an den GEA.

Gebäude der Cellforce Group im Industriegebiet Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt (Mahden).
Gebäude der Cellforce Group im Industriegebiet Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt (Mahden). Foto: Pieth
Gebäude der Cellforce Group im Industriegebiet Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt (Mahden).
Foto: Pieth

KIRCHENTELLINSFURT. Beschäftigte der Cellforce Group GmbH in Kirchentellinsfurt sind besorgt um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Sie haben sich daher an die Industrie-Gewerkschaft (IG) Metall und (anonym) an den GEA gewandt. Die IG Metall hat am Mittwoch gemeinsam mit Arbeitnehmern der neuen Batteriefabrik im Industriegebiet Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt (Mahden) die Wahl eines Betriebsrats eingeleitet, »um die Interessen der rund 280 Beschäftigten künftig mitbestimmen zu können«, wie es in einer Pressemitteilung der IG Metall Reutlingen-Tübingen heißt. Ein Sprecher des Stuttgarter Automobilherstellers Porsche, dessen 100-prozentige Tochterfirma Cellforce Group ist, wollte die Vorgänge auf GEA-Anfrage nicht kommentieren.

In einem Schreiben an diese Zeitung äußert ein Mitarbeiter von Cellforce Group die Befürchtung, dass der Betrieb »innerhalb von wenigen Monaten abgewickelt« werde. Für Montag, 25. August 2025, sei eine Betriebsversammlung angesetzt. Der Verfasser des anonymen Schreibens formuliert: »Ebenso wird im gleichen Monat die Belegschaft betriebsbedingt gekündigt werden.« Dies betreffe inklusive Werkstudenten über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Probezeitkündigungen seien ausgesprochen.

Betriebsversammlung angesetzt

Die Betriebsversammlung sei mit über einem Monat Vorlauf angekündigt worden, »und die Mitarbeiter leben nun in einem Zustand aus Frust, Angst und Ungewissheit«. Dieses Vorgehen sei unprofessionell »und hätte anders geregelt werden müssen«, etwa mit einer kürzeren Ankündigungsfrist.

Kai Lamparter, Zweiter Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Reutlingen-Tübingen, berichtete dem GEA, dass sich mehrere verunsicherte Beschäftigte aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens an die Gewerkschaft gewandt hätten mit der Frage, was sie tun sollten. Daher sei nun der Porsche-Konzernbetriebsrat zusammengetreten, habe einen Wahlvorstand beschlossen und den Arbeitgeber darüber informiert.

Porsche hatte Ende April mitgeteilt, »infolge eines langsameren Hochlaufs der Elektromobilität eine strategische Neuaufstellung der Batterieaktivitäten beschlossen« zu haben. Die bisherigen Pläne zum Ausbau der Produktion von Hochleistungsbatterien durch Cellforce Group sollten demnach nicht eigenständig weiterverfolgt werden. Derselbe Porsche-Sprecher, der sich am Mittwoch nicht äußern wollte, sagte dem GEA Anfang Mai, dass Porsche als Eigentümerin der Cellforce Group verschiedene Optionen prüfe, »insbesondere auch mit Blick auf mögliche Partnerschaften hinsichtlich Skalierung und Nutzung«.

Dreistellige Millionensummen

In ihrer Pressemitteilung forderte die IG Metall eine Perspektive für alle 280 Beschäftigten in Kirchentellinsfurt. »Wir brauchen dringend die Produktion von neuen Zukunftsprodukten, um gute Arbeit und Wohlstand in der Region zu erhalten. Gerade mitten im Strukturwandel sind entschlossene Investitionen in Zukunftstechnologien gefragt«, wird Lamparter zitiert. Dies koste viel Geld. »Außergewöhnliche Sportwagen brauchen auch außergewöhnliche Batterien«, fügte Lamparter hinzu.

Cellforce Group, gegründet im Jahr 2020, hatte Ende 2021 von der Stadt Reutlingen ein 28.000 Quadratmeter großes Grundstück im gemeinsamen Industriegebiet von Kirchentellinsfurt und Reutlingen gekauft. Darauf sind für einen dreistelligen Millionenbetrag eine Entwicklungs- und Pilotfertigungshalle, ein Verwaltungs- und ein Energieversorgungsgebäude entstanden. Bund (zwei Drittel) und Land (ein Drittel) sollten das Vorhaben mit 60 Millionen Euro fördern, hieß es. Im November 2024 wechselte Cellforce Group die Geschäftsanschrift von Tübingen nach Kirchentellinsfurt. Porsche gab indes jüngst bekannt, dass im ersten Halbjahr 2025 die Sonderaufwendungen für die Neuausrichtung des Unternehmens etwa 200 Millionen Euro und für die Batterieaktivitäten etwa 500 Millionen Euro betragen hätten. (GEA)