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Aktuell Konjunktur

IHK Reutlingen: Lage der Betriebe hellt sich leicht auf

370 Unternehmen in der Region Neckar-Alb haben sich an einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Reutlingen beteiligt. Jetzt wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Handwerker
Ein Bauarbeiter ist beim Bau eines Hauses zu sehen. Foto: Julian Stratenschulte/DPA
Ein Bauarbeiter ist beim Bau eines Hauses zu sehen.
Foto: Julian Stratenschulte/DPA

REUTLINGEN. Die aktuelle Lage in den heimischen Betrieben hellt sich leicht auf. Dies zeigt die neueste Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen. Der Jahresausblick bleibe allerdings verhalten, heißt es weiter.

31 Prozent der heimischen Betriebe sagen demnach, dass sie ihre aktuelle Lage als »gut« einschätzen. Das sind acht Punkte mehr als noch im Herbst. Die Zahl der Firmen mit schlechter Geschäftslage ist von 25 auf aktuell 21 gesunken. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben gleichwohl eher ge-dämpft: 20 Prozent der Firmen erwarten verbesserte Geschäfte (Herbst: 19), ebenfalls 20 Prozent sehen schlechtere (Herbst: 23) auf sich zukommen. Von gleichbleibend gehen 60 Prozent (Herbst: 58) aus. »Die Umfrage unterstreicht, dass die Firmen auf Sicht fahren, weil sie nicht erkennen können, dass tatsächlich ein Aufschwung naht«, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp.

Index verbessert sich

In der jüngsten Umfrage der IHK hat sich der Konjunkturklimaindex auf 104 Punkte verbessert. Der Index, der Lage und Ausblick abbildet, liegt erstmals seit Frühsommer 2024 wieder über 100 Punkten, im Herbst 2025 lag er noch bei 96. Tatsächlich wird der Sprung über die 100er- Linie von Baugewerbe, Dienstleistungen und Großhandel getrieben. Der Einzelhandel bleibt eher skeptisch, in der Industrie und im Gastgewerbe stehen die Zeichen noch nicht auf Besserung. »In den Märkten steckt enorm viel Verunsicherung. Einerseits ist unklar, welche Reformen kommen, wann sie kommen und welchen messbaren Effekt sie haben. Andererseits bleibt die Weltlage unsicher und das Verhalten des US-Präsidenten sorgt mit dafür, dass das so bleibt«, wird Epp zitiert.

Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp und Konjunkturexpertin Antonia Hettinger von der IHK Reutlingen.  FOTO: SCHANZ
Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp und Konjunkturexpertin Antonia Hettinger von der IHK Reutlingen. Foto: Steffen Schanz
Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp und Konjunkturexpertin Antonia Hettinger von der IHK Reutlingen.
Foto: Steffen Schanz

Die Unsicherheit schlägt sich auch in den Planungen der heimischen Firmen für die kommenden Monate nieder. Investitionen wollen 22 Prozent der Befragten ausweiten (Herbst: 18). Wenn investiert wird, stehen vor allem Ersatzinvestitionen (63 Prozent) und Digitalisierung (58 Prozent) vorne an. Immerhin: Bei den geplanten Investitionen liegt die Region mit drei Punkten über dem Landesschnitt.

Bei der Beschäftigung verharrt der Wert jener Firmen, die einstellen wollen, bei 14 Prozent (Herbst: 12). Er liegt mittlerweile seit Herbst 2023 auf diesem niedrigen Niveau. »Für eine konjunkturelle Wende müssten Investitionen, Beschäftigung und Export erkennbar anziehen, das ist aktuell jedoch noch nicht der Fall«, erläutert IHK-Konjunkturexpertin Antonia Hettinger.

Insolvenzgefahr steigt

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Risiken bleiben auch bei der jüngsten Umfrage die Inlandsnachfrage (65 Prozent) und die Arbeitskosten (63 Prozent) die am häufigsten genannten Herausforderungen. Die Wirtschaftspolitik ist mit 44 Prozent der Nennungen auf Rang drei vorgerückt.

51 Prozent der Befragten sagen, dass ihre Finanzlage unproblematisch ist (Herbst: 55). 23 Prozent beklagen einen Eigenkapitalrückgang (Herbst: 19) und 19 Prozent zunehmende Forderungsausfälle (Herbst: 16). Deutlich zugenommen hat die drohende Insolvenz. War dieser Wert bei den vorangegangenen Umfragen stets bei 1,5 bis 2,1 Prozent, liegt er zu Jahresbeginn 2026 bei 3,9 Prozent. »Das macht uns große Sorgen und zeigt, dass einigen Betrieben, die lange durchgehalten haben, langsam die Luft ausgeht«, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Im Baugewerbe und bei den Dienstleistern hat sich die Lage merklich verbessert. Das liegt insbesondere an einer besseren Ertragslage. Auch der Großhandel schneidet besser ab. Im Einzelhandel halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage. Bei den Geschäftsrisiken dieser Branche steht nach einer fehlenden Inlandsnachfrage und Arbeitskosten der Fachkräftemangel auf Platz drei. In der Industrie und im Gastgewerbe ist die Stimmung nach wie vor im negativen Bereich.

Die IHK-Konjunkturumfrage wird dreimal im Jahr veröffentlicht. An der aktuellen Umfrage hat sich eine repräsentative Auswahl von 370 Unternehmen der Region aus den Bereichen Industrie und Bau (166), Groß- und Einzelhandel (97) sowie dem Dienstleistungssektor (107), darunter Betriebe aus dem Hotel- und Gaststätten- sowie dem Kredit- und Versicherungsgewerbe beteiligt. (GEA)