SONNENBÜHL/GÖNNINGEN. Um es gleich vorwegzunehmen: An den Gerüchten, die in Gönningen, Sonnenbühl und in sozialen Medien kursieren, die Gönninger Steige würde im kommenden Jahr gleich wieder gesperrt werden, ist nichts dran. Aber wie der Projektleiter der jetzt abgeschlossenen Sanierung der Gönninger Steige, Tobias Heinzelmann, im Sommer schon erklärte: »Der Hang ist in Bewegung.« Und: »An den Steigen ist immer etwas zu tun.« Es muss auf der Verbindung zwischen Gönningen und Genkingen weiter gearbeitet werden. Bei der Verkehrsfreigabe, zu der auch Verkehrsminister Winfried Hermann aus Stuttgart anreiste, gab's Aufklärung: Sanierungen in ähnlichem Ausmaß wie zwischen März und November seien geplant, die würden aber frühestens 2026 beginnen, sagte Regierungspräsident Klaus Tappeser. Ob wieder unter Vollsperrung, war nicht zu erfahren.

Senkungen, Verformungen, verschobene Bordsteine und Risse im Asphalt: An der Landesstraße 230 zwischen Reutlingen-Gönningen und Sonnenbühl-Genkingen musste dringend etwas getan werden. 1.200 Meter Steige sind erst einmal für mindestens 80 Jahre gesichert. So lange sollen die entstandenen Großbauwerke, sogenannte rückverhängte Bohrpfahlwände (der GEA berichtete), das Abrutschen der Straße auf jeden Fall verhindern. 5,1 Millionen Euro hat das Land in die Sanierung investiert. »Gut eingesetztes Geld«, sagte Tappeser. Schließlich seien die Steigen eine wichtige Voraussetzung, »dass das Land läuft«. Im Übrigen sind im »Aufstiegslandkreis« Reutlingen weitere Steigen sanierungsbedürftig: Er nennt Hülbener, Eninger, Sirchinger und die gerade gesperrte Honauer Steige. »Die Steigen werden uns auch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen.«
Steigen- und Brückensanierung im Land ist eine Mammut-Aufgabe
Baden-Württemberg sei »das Land der Steigen«, sagte auch der Verkehrsminister. Früher fürs Befahren mit Ochsenkarren geschaffen, sind sie heute wichtige Verbindungen, die von viel größeren und schwereren Transportern passiert werden und die noch viel stärker in Mitleidenschaft gezogen werden durch wechselnde Wetterverhältnisse wie Trockenheit und Starkregen in den Sommern, mehrmalige Tauperioden im Winter. Es werde viel Geld benötigt, nicht um Neues zu bauen, sondern um das vorhandene Straßennetz in Schuss zu halten. »Wir werden das konsequent weitermachen«, nicht nur an der Gönninger Steige, versprach Hermann. Eine Mammut-Aufgabe, pro Jahr müssten zum Beispiel 100 der 7.000 Brücken im Land saniert werden, aber »wir schaffen nicht mal zehn«.
Dass an der Gönninger Steige - oder Genkinger Steige, je nachdem, welcher Gemeinde der Name zugeschlagen wird - nun fürs Erste alles getan wurde, dass die Straße nicht ins Tal abrutscht, freut Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck und Sonnenbühls Bürgermeister Uwe Morgenstern gleichermaßen. Stadt und Alb-Gemeinde haben parallel zur Sanierung der Steige die Sperrung genutzt, auch die Lichtensteinstraße in Gönningen zu erneuern und den Mischwasserkanal in Genkingen auszuwechseln. Morgenstern gab dem Minister einen Wunsch mit auf den Weg: Bitte nicht die Ortsdurchfahrten wie die in Undingen und vor allem in Genkingen vergessen, die auch durch die Sperrung der Gönninger Steige gelitten hätten.
Die Sanierung der Gönninger Steige war erforderlich, da auf der Talseite verstärkt Deformationen in der Fahrbahn aufgetreten waren. An fünf Stellen wurden entlang der talseitigen Böschung Bohrpfähle, aufgesetzte Kopfbalken und Rückverankerungen im Fels gebaut. Hermann war von der Größe der Baustelle beeindruckt: Insgesamt 202 Großbohrpfähle mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern und einer Gesamtlänge von 1.540 Meter wurden zehn Meter tief in den Boden betoniert. Die Bohrpfahlwände sind durch 218 Mikropfähle mit einer Gesamtlänge von rund 2.550 Meter im Fels verankert. Außerdem wurden die Amphibienleiteinrichtungen auf einer Länge von 490 Meter erneuert und drei Kleintierdurchlässe unter der Straße ersetzt.
Ohne Radweg weiter Rücksicht auf Radler nehmen
Was nicht Teil der Sanierung der Gönninger Steige war, ist der Bau eines straßenbegleitenden Radwegs, den sich Radfahrer wünschen, um gefahrlos auf die Alb zu gelangen. So gilt zumindest der fromme Wunsch des Regierungspräsidenten, dass nun auf der L 230 zwischen Gönningen und Genkingen keine Drängler und Raser unterwegs sind und dass es nicht zu gefährlichen Überholmanövern kommt, allen Verkehrsteilnehmern. (GEA)



