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Kreisverkehrswacht Reutlingen-Münsingen: Immer mehr Kinder sind beim Radfahren unsicher

Die Kreisverkehrswacht Reutlingen-Münsingen war im vergangenen Jahr sehr aktiv. Vor allem an Kinder und Senioren richteten sich vielfältige Angebote.

Der Vorsitzende der Verkehrswacht Thomas Steigenberger (links) und Dieter Scheffold (rechts) ehrten Harry Zilz für 40 Jahre und
Der Vorsitzende der Verkehrswacht Thomas Steigenberger (links) und Dieter Scheffold (rechts) ehrten Harry Zilz für 40 Jahre und Stephanie Feucht für 25 Jahre Mitgliedschaft in der Kreisverkehrswacht. Auf dem Bild fehlt Georg Mayer. Foto: Maria Bloching
Der Vorsitzende der Verkehrswacht Thomas Steigenberger (links) und Dieter Scheffold (rechts) ehrten Harry Zilz für 40 Jahre und Stephanie Feucht für 25 Jahre Mitgliedschaft in der Kreisverkehrswacht. Auf dem Bild fehlt Georg Mayer.
Foto: Maria Bloching

MÜNSINGEN. Rund 3.000 Ehrenamtsstunden haben die 85 Mitglieder der Verkehrswacht im vergangenen Jahr erbracht. Der Fokus bei den Verkehrssicherheitskursen lag vor allem auf Senioren und Kinder, wie etwa bei den drei Mobilitätstrainings und sechs Sicherheitstrainings für Pkw-Fahrer auf dem Verkehrsübungsplatz Reutlingen. An den 22 Pedelec-Trainings auf der Kreuzeiche nahmen ebenfalls überwiegend ältere Personen teil. Laut Vorsitzender Thomas Steigenberger werde mit diesen Trainings auf die steigenden Unfallzahlen mit Pedelec-Fahrern reagiert. »Viele Senioren sind lange Zeit nicht Fahrrad gefahren. Dann schaffen sie sich ein Pedelec an und sind damit überfordert«, teilte er bei der Jahreshauptversammlung mit. Drei eigene ausgebildete Pedelec-Trainer stehen für die Trainings zur Verfügung, die dank einer Förderung durch den Bund kostenlos angeboten werden können. In Münsingen fand zudem ein Mountainbike-Pedelec-Training statt.

Kinder und Kleinkinder stehen ebenfalls besonders im Fokus, wenn es um Mobilität und Sicherheit geht. Schnell waren die sieben Praxistrainings für Eltern und Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren ausgebucht. Die praxisgerechten Anleitungen zum Laufradfahren fanden großen Anklang. »Eine schöne Sache mit einer sehr guten Resonanz«, resümierte Steigenberger. Als »herausragenden Erfolg« bezeichnete er das Projekt »Kinder in Bewegung«, das zum Schuljahr 2022/2023 zusammen mit dem Landkreis Reutlingen und der Pedalo-Akademie Münsingen ins Leben gerufen wurde. Unterstützt wird es von der AOK Neckar-Alb, dem Förderverein für Kriminal- und Verkehrsprävention im Landkreis Reutlingen, von den Schirmfrauen Franziska Brauße und Larena Hees sowie Schirmherr Dodokay.

Kinder müssen sich mehr bewegen

Gestartet wurde mit drei Grundschulen, zwischenzeitlich sind es acht, die mit Lern- und Bewegungsgeräten ausgestattet wurden und jetzt dauerhaft betreut werden. »Wir rüsten jede Schule mit Geräten für rund 5.000 Euro aus«, informierte Steigenberger und teilte erfreut mit, dass mit diesem Projekt beim Wettbewerb »Mobil und sicher« der erste Preis mit 1.550 Euro gewonnen werden konnte. Denn »Kinder in Bewegung« verbindet Lernen mit dem natürlichen Bewegungsdrang, Lernen und Spaß werden in den Unterrichtsalltag eingebaut. Das Konzept berücksichtigt das kindgerechte Lernverhalten und unterstützt das Lehrpersonal. 2023 gab es 47 Trainings für Grundschulklassen, in diesem Jahr werden es noch deutlich mehr sein.

Dieses Projekt, so Steigenberger, basiere auf der Tatsache, dass immer mehr Kinder unsicher oder gar nicht Fahrrad fahren können. Durch den Gesellschaftswandel nehme der Bewegungsmangel noch zu, besonders dramatisch sei dies bei Kindern im Elementar- und Primarbereich. Der Förderung der Motorik komme deshalb eine immense Bedeutung zu, hier setze die Arbeit der Kreisverkehrswacht an. »Durch die Schulpflicht können wir alle Kinder erreichen, auch jene aus sozial schwachen Bereichen und Flüchtlingskinder«. Für Ingrid Wiedmann vom Landratsamt Reutlingen ist die Arbeit der Kreisverkehrswacht »wichtiger denn je«. Das Verkehrsaufkommen steige, das Verhalten der Verkehrsteilnehmer ändere sich und die Gesellschaft ebenso. Die schlechte Mobilität der Kinder bereite Sorgen. »Kinder müssen sich mehr bewegen, denn Bewegung bringt Lernfähigkeit und Erfolgserlebnisse«. Ziel sei, das Projekt »Kinder in Bewegung« in allen Grundschulen im Landkreis Reutlingen zu etablieren.

Cannabis-Legalisierung ist ein Problem

Damit Kinder auch in ihrer Freizeit beweglicher werden, wurde ein Bewegungsbeutel kreiert. Er beinhaltet einen kleinen Tennisschläger aus Holz mit Ball, Sandsäcke, Malkreiden, Jonglierbälle und ein Kugel-Fangspiel. Um das Projekt in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen, werden nun auch Busse des Reutlinger Stadtverkehrs beklebt. »Dass wir den ersten Preis beim Wettbewerb damit gewonnen haben, zeigt, wie gut und nachhaltig angelegt dieses Projekt ist«, sagte Wiedmann. Bernd Wellhäuser von der Verkehrsprävention im Polizeipräsidium Reutlingen sprach von einer »auffälligen Entwicklung«, dass Kinder motorische Schwierigkeiten haben und dass es bei fahrradfahrenden Kindern ein Stadt-Land-Gefälle gebe. »Der Verkehr nimmt in den Großstädten von Jahr zu Jahr zu. Das macht die Situation auf Radwegen nicht einfacher.«

Problematisch ist laut Wellhäuser auch die Cannabis-Legalisierung. Jugendliche kiffen und sind gleichzeitig mit Fahrrädern, Mopeds und Autos unterwegs. Noch seien keine klaren Grenzwerte festgelegt, hier müsse die Justiz dringend nacharbeiten. Äußerst positiv bewertet wurde auch das »KIS-Programm«. Jürgen Enderle ist einer von sechs ausgebildeten Moderatoren, die mit einem Bus Kindergärten besuchen und Drei- bis Fünfjährige spielerisch an die Verkehrserziehung heranführen. Zudem wurden an 90 Kindergärten im Landkreis Reutlingen insgesamt 1.760 Dreiecke an Vorschüler verteilt.

Ehrungen

Für 40-jährige Mitgliedschaft bei der Kreisverkehrswacht wurden Georg Mayer und Harry Zilz mit dem goldenen Ehrenzeichen geehrt. Das silberne Ehrenzeichen erhielt Stephanie Feucht für 25-jährige Mitgliedschaft.