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Aktuell Kunst

Erinnerung an den Eninger Bleistiftartisten

Der Eninger Paul-Jauch-Freundeskreis hat die Jauch-Sichten am Lindenplatz vorgestellt

Ein Vogelhäuschen vom Vorsitzenden Wolf-Dieter Baumann (rechts) gab es als kleines Dankeschön für Referentin Andrea Bachmann bei
Ein Vogelhäuschen vom Vorsitzenden Wolf-Dieter Baumann (rechts) gab es als kleines Dankeschön für Referentin Andrea Bachmann bei der Übergabe der neuen Jauch-Sichten am Lindenplatz, auch Bürgermeister Eric Sindek dankte ihr. FOTO: RUOF
Ein Vogelhäuschen vom Vorsitzenden Wolf-Dieter Baumann (rechts) gab es als kleines Dankeschön für Referentin Andrea Bachmann bei der Übergabe der neuen Jauch-Sichten am Lindenplatz, auch Bürgermeister Eric Sindek dankte ihr. FOTO: RUOF

ENINGEN. Zwei Mal musste der Termin wetterbedingt verschoben worden, doch am Freitagabend spielte Petrus mit, der Lindenplatz hoch über Eningen war lichtüberflutet und der Blick in der Abendsonne auf die Achalm traumhaft. Kein besseres Szenario hätte sich der Künstler Paul Jauch (1870 bis 1957) wohl selbst wünschen können: Dass dort gefeiert und ihm gedacht wird, wo er einst saß und diese Aussichten malte.

Eingeladen hatte der Paul-Jauch-Freundeskreis, 1989 vom heutigen Vorsitzenden Wolf-Dieter Baumann gegründet, der eine enge persönliche Beziehung zu Emilie Jauch bis zu ihrem Tod 1986 pflegte. Drei Tafeln wurden im Dezember be-reits aufgestellt, weitere drei bis fünf kommen hinzu, wie Bürgermeister Eric Sindek in seiner kurzen Ansprache sagte.

»Am Walde unter Linden« an der ehemaligen Gänsewiese ist der erste Standort dieser drei Tafeln. Ein weiteres Werk des Künstlers gibt es ein Stück weiter den Waldweg entlang an der Paul-Jauch-Bank zu entdecken, ein drittes – »Sommertag an der Achalm« – nebst Hintergrundinfo erwartet die Besucher am Fuße des Geißbergs.

Mörike künstlerisch verbunden

»Zusätzliche Tafeln sollen in Richtung Mädelesfelsen und Rangenberg installiert werden«, erklärte der Vorsitzende des Freundeskreises. »Wir haben versucht, anhand seiner Bleistiftzeichnungen nachzuvollziehen, wo er saß und zeichnete. Ich glaube, das ist uns gelungen.«

Eine künstlerisch interessante Verbindung stellte die Tübinger Stadtführerin und Kunsterklärerin Andrea Bachmann anhand eines Gedichts zwischen dem Dichter Eduard Mörike und Paul Jauch her. »Sämtliche Stationen in Mörikes unstetem Leben hat er bereist, erwandert und gezeichnet. 1956 gibt er einen sehr schönen Bildband mit 88 Zeichnungen zu Gedichten und anderen Texten Mörikes heraus, eine Dichterbiografie in Blei, die seine Frau Emilie Jauch nach seinem Tod um etwa 30 Zeichnungen ergänzt und in einer zweiten Ausgabe veröffentlicht hat.«

Nach den Worten von Andrea Bachmann haben Eduard Mörike und Paul Jauch einiges gemeinsam: »Beide führten ein zurückgezogenes, stilles Leben, lebten gemeinsam mit Mutter und Schwester in der tiefsten schwäbischen Provinz und heirateten spät eine viel jüngere Frau. Beide scheuten das Licht der Öffentlichkeit und den Lärm der Welt: Mörike hat viele seiner Gedichte zu Lebzeiten nie veröffentlicht, Paul Jauch musste man fast zwingen, seine Bilder auszustellen. Der Maler liest Gedichte, der Dichter hat auch immer wieder und mit einigem Talent gezeichnet. Beide lieben die Landschaft der Schwäbischen Alb, beide haben die Gabe, sich auf kleinste Details zu fokussieren und in ihnen eine ganze Welt zu finden.«

Als »Bleistiftartist« wurde Paul Jauch gern tituliert, so Bachmann. Mit der Beschränkung auf dieses Medium sei ihm eine ungeahnte Fülle an Ausdrucksmöglichkeiten gelungen. »Jauch besaß viele verschiedene Bleistifte in allen möglichen Stärken und Härtegraden, die er auf verschiedene Weise anspitzte oder bewusst stumpf ließ. Damit gelingt ihm die außergewöhnliche Tiefenstruktur. Mit einer ganzen Palette aus fein abgestuften Grautönen bringt er eine ungeahnte Farbigkeit in seine Zeichnungen.«

Sehnsuchtsort Achalm

Der gebürtige Schwenninger, dessen Mutter aber aus Eningen stammte und nach dem frühen Tod ihres Mannes mit den vier Kindern wieder nach Eningen zurückzog, lernt den Beruf des Dekorationsmalers. Von Freunden ermuntert, vor allem von Hans Thoma, wagt er 1913 mit 43 Jahren seine erste Ausstellung in Stuttgart und verschreibt sich danach voll und ganz dem Künstlerberuf.

»Die Alb und die Achalm werden Sehnsuchts- und Heimwehland«, erzählt Andrea Bachmann. »Soll jemand dem Achalmgebiet entstammen und weit weg von der Heimat nicht Sehnsucht nach seinem heiligen Berg fühlen?« fragte sich Paul Jauch.

Unzählige seiner Zeichnungen heißen laut Bachmann lediglich »Achalmlandschaft«. »Mit seiner Liebe zum Reutlinger Hausberg, an dessen Ostflanke sich Eningen befindet, ist Paul Jauch nicht allein: Auch für seine Eninger Kollegen HAP Grieshaber, Gudrun Krüger und Eduard Raach-Döttinger ist die Achalm immer wieder Thema ihrer Kunst.«

Bürgermeister Sindek dankte zum Abschluss dem Freundeskreis, allen voran Wolf-Dieter Baumann, für das Würdigen des kulturellen Erbes von Paul Jauch. Der Verein hatte die Tafeln herstellen lassen, der Bauhof der Gemeinde stellte sie auf, mit den weiteren Jauch-Sichten soll ebenfalls so verfahren werden. Sindek kündigte an, dass der Platz beim Brünnele an der früheren Viehtränke zunächst noch gepflastert und so optisch aufgewertet werde.

Das hätte sicherlich auch Paul Jauch gefallen. (GEA)