Logo
Aktuell Versorgung

Wie eine Verkeimung des Metzinger Leitungswassers künftig verhindert werden soll

Zwölf Tage mussten Bewohner in Teilen von Metzingen ihr Leitungswasser abkochen. Was über die Verkeimung bekannt ist und wie die Stadtwerke diese künftig verhindert werden soll.

Vom Reinbecken des Hochbehälters Forst II gelangt das Trinkwasser zu Haushalten. Nun war es mit coliformen Keimen und Enterokokk
Vom Reinbecken des Hochbehälters Forst II gelangt das Trinkwasser zu Haushalten. Nun war es mit coliformen Keimen und Enterokokken belastet. Foto: Markus Pfisterer
Vom Reinbecken des Hochbehälters Forst II gelangt das Trinkwasser zu Haushalten. Nun war es mit coliformen Keimen und Enterokokken belastet.
Foto: Markus Pfisterer

METZINGEN. Zwölf Tage lang haben Bewohner in Teilen von Metzingen das Leitungswasser abkochen müssen. Diese Zeit der Vorsicht hat nun am Montag geendet, sodass die Bürger der Gebiete Harthölzle, Bongertwasen, Neugreuth, Millert, Reisert und Ösch das Wasser aus dem Hahn nun wieder gefahrlos direkt trinken können. Anna Heimerdinger von den Stadtwerken Metzingen berichtet in der Rückschau, wie es im Hochbehälter Forst II zum Befall mit coliformen Keimen und Enterokokken, wenn auch in geringer Konzentration, kommen konnte und welche Vorsichtsmaßnahmen der Eigenbetrieb der Stadt jetzt für die Zukunft trifft.

Mitarbeiter der Stadtwerke hatten im Hochbehälter oberhalb der Stadt Metzingen Mücken entdeckt, die der Grund für die Keime seien, und von Insektenforschern als Stelzmücken bestimmt wurden. »Die Mücken sind über ein Überlaufrohr, das gegen das Eindringen von Tieren gesichert ist, in die Reinwasserkammer gelangt«, berichtet Heimerdinger. Nachdem das Wasser im Hochbehälter abgelassen worden war, sei eine Vielzahl Mücken entdeckt worden, allerdings habe sich in der Reinwasserkammer keine Brutstätte befunden. Dass sich die Insekten dort angesiedelt haben, sei auf keine Versäumnisse der Stadtwerke oder von Fremdfirmen zurückzuführen. »Wie genau die Insekten in den gesicherten Überlauf gekommen sind, wird noch geprüft«, informiert Heimerdinger.

Eine Stelzmücke sitzt auf einem Blatt. Solche Insekten sind in den Trinkwasserhochbehälter Forst II in Metzingen eingedrungen un
Eine Stelzmücke sitzt auf einem Blatt. Solche Insekten sind in den Trinkwasserhochbehälter Forst II in Metzingen eingedrungen und haben das Wasser mit Keimen verunreinigt. Foto: Schöne/STAR-MEDIA /Adobe Stock
Eine Stelzmücke sitzt auf einem Blatt. Solche Insekten sind in den Trinkwasserhochbehälter Forst II in Metzingen eingedrungen und haben das Wasser mit Keimen verunreinigt.
Foto: Schöne/STAR-MEDIA /Adobe Stock

Der Überlauf zur Reinwasserkammer sei umgehend dicht verschlossen worden. Die Arbeiten in diesem Teil dauerten noch an. »Mit Unterstützung durch den Insektenexperten werden derzeit die Mücken und eventuelle Larven im Überlaufrohr sorgfältig entfernt.« Danach werde dieser Behälter durch eine darauf spezialisierte Firma nochmals mehrfach gereinigt. Nun prüften die Stadtwerke noch, ob in weiteren Hochbehältern Vorsichtsmaßnahmen nötig seien. Grundsätzlich prüfe das Kreisgesundheitsamt alle drei Jahre jeden Hochbehälter und nehme diesen ab.

Heimerdinger ordnete den Vorfall mit Keimen im Trinkwasser ein: »Eine Trinkwasserverunreinigung kam in Metzingen in den vergangenen 50 Jahren nach aktuellem Stand in dieser Form nicht vor.« Aktuell seien in den vergangenen ein bis zwei Monaten Enterokokken im Wasser allerdings nicht nur in Metzingen aufgetreten, sondern auch in der Stadt Leipheim, in Böblingen, Deggenhausertal (Bodenseekreis) und im Kreis Coburg. Die Stadtwerke-Mitarbeiterin merkt allerdings an, dass das Trinkwasser erst seit 2018 überhaupt auf Enterokokken geprüft werden müsse. Daher seien mögliche Verunreinigungen in der Zeit davor gar nicht erst aufgefallen.

Annähernd rund um die Uhr im Einsatz

Für die Angestellten der Stadtwerke sei der Arbeitsaufwand nach dem Fund der Keime im Hochbehälter Forst II deutlich gestiegen: »In diesen zwölf Tagen waren alle verfügbaren Mitarbeiter annähernd rund um die Uhr im Einsatz - auch am Wochenende. Nur durch den perfekten Zusammenhalt unter allen Kolleginnen und Kollegen war es möglich, die Zeit bis zur Wiederherstellung der hochwertigen Trinkwasserqualität so kurz als möglich zu halten.« Zu den Arbeiten zählten die Netzspülung, Chlorung sowie die Probenentnahme und Messungen. Hinzu kämen noch die Kommunikation mit dem Gesundheitsamt und der Öffentlichkeit und Personalplanungen.

Seit dem 26. Juli hätten die Stadtwerke Metzingen das gesamte Netzgebiet mit 24 Spülpunkten in regelmäßigen Abständen ein bis drei Stunden lang gespült. Letztlich seien so zum Spülen des gesamten Trinkwassernetzes etwa 4.000 Kubikmeter Wasser nötig gewesen.

Rohrbrüche und Sanierungen sind teurer

Wie teuer die Keimbelastung für die Stadtwerke unter dem Strich waren, ist noch unklar. »Die Mitarbeitenden sind nach wie vor im Einsatz, um alle Parameter des Trinkwassers weiterhin engmaschig zu prüfen, um nachhaltig die Qualität des Metzinger Trinkwassers sicherzustellen«, sagt Heimerdinger. Sie rechnet wegen der Keime im Wasser und deren Bewältigung nicht mit Preissteigerungen. »Im Verhältnis zu außerordentlichen Aufwendungen wie bei großen Rohrbrüchen, kompletten Leitungssanierungen und den sonstigen laufenden Kosten werden sich Kosten der aktuellen Situation kaum auswirken.« (GEA)