METZINGEN. Muntere Gespräche und ein Gläschen Sekt schon zu Beginn, ein schwungvoll-verbindendes »So, wie du bist« der Boni-Kids und Teens unter Dirigentin Anne de Sousa zum Schluss, garniert mit Wintersonne: Die rund 500 Besucherinnen und Besucher des Metzinger Neujahrsempfangs am Sonntag in der Stadthalle ließen es sich gutgehen. Mitglieder von Wirtschaft, Vereinen, Schulen, Feuerwehr, Kommunal- und größerer Politik oder einfach Einwohner wie Du und ich kamen an Stehtischen in den Austausch, labten sich an Mini-Mutscheln, Pizza, Flammkuchen oder einem guten Gläschen vom heimischen Weinberg.
Es war gelebte Gemeinschaft, wie sie Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh auch in den Mittelpunkt ihrer einstündigen Rede stellte. »Lassen Sie uns mit dieser positiven Einstellung zur Vielfalt, zur Toleranz, mit respektvollem Umgang als starke Gemeinschaft in das neue Jahr gehen.« Und mit glaubwürdigen Nachrichtenquellen wie etwa Tageszeitungen, die von reißerischen Schlagzeilen absehen und fundiert informieren, fernab K.I.-gesteuerter oder manipulativer Häppchen in sozialen Netzwerke.
»Nicht alles schlechtreden, sondern Gutes weiterentwickeln. Nicht endlos debattieren, sondern gemeinsam an konkreten Lösungen arbeiten «
Das Stadtoberhaupt schlug den Bogen von der Welt über Deutschland in die Sieben-Keltern-Stadt und dabei oft auch nachdenkliche Töne an: »Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ein verurteilter Straftäter US-Präsident sein darf.« Tech-Milliardär Elon Musk nahm sie für seine jüngsten Äußerungen scharf ins Visier: »Nur die AfD könne Deutschland retten? Was für ein Quatsch!«
Die Demo »Metzingen macht Mut« für Demokratie und gegen Rechtsextremismus mit 700 Teilnehmern im März 2024 auf dem Metzinger Rathausplatz war eins von vielen Beispielen für Zusammenhalt in Metzingen. Vertrauen in Bürgerbeteiligungen stellte Haberstroh beispielhaft mit dem Bürgerpark auf dem ehemaligen G+V-Areal, dem Ganzjahresbad und dem Aktionsbündnis für eine Attraktivierung der Innenstadt heraus. Vertrauen und Zusammenhalt - für die OB Basis für Weiterentwicklung der Stadt.
Breite Bürger- und Expertenbeteiligung soll auch 2025 weiterführen, beispielsweise beim Mobilitätsentwicklungskonzept: »Aktuell erfolgt die Analyse und Endabstimmung, sodass das Konzept noch vor der Sommerpause im Gemeinderat beschlossen werden kann.«
Fortschritte gibt es bei der Sicherung einer zukunftsträchtigen Ärzteversorgung in der Sieben-Keltern-Stadt, wenngleich Haberstroh mit Blick auf die zu wahrende Diskretion um Verständnis und Geduld bat, was Wasserstandsmeldungen oder harte Nachrichten in dieser Sache angeht. Für den Bau des Gesundheitszentrums auf dem bisherigen Schlachthofgelände »gehen wir davon aus, dass wir nach Abschluss einer Entwurfsplanung konkrete Gespräche mit Investoren und etwaigen Trägern führen können. Zusätzlich auf den Weg bringen können wir voraussichtlich eine ärztliche Genossenschaft.« Die es für junge Ärzten attraktiver machen könnte, sich in Metzingen niederzulassen oder bestehende Sitze vor dem Ruhestand stehender Ärzte mittelfristig zu übernehmen.
»Klimaneutralität und Energiekosten: Ziele dürfen ambitioniert sein. Aber vor allem müssen sie machbar sein«
Konkreter sieht es im Bereich Bildung und Betreuung aus. »In den nächsten Jahren werden wir insgesamt rund 100 Millionen Euro in unsere Schulen investieren«, kündigte die Rathauschefin an und löste im Publikum damit ein Raunen und Murmeln aus. In der gewaltigen Summe enthalten sind der Neubau des Naturwissenschaftlichen Traktes des Dietrich Bonhoeffer Gymnasiums und die Sanierung von dessen Altbau genauso wie die Sanierung der Uhlandschule Neuhausen und der Neubau für die Freie Evangelische Schule in Glems.
Immer wieder goutierte das Publikum die wertebetonte Rede der Oberbürgermeisterin mit Applaus, vereinzelt mit amüsiertem Lächeln, oft herrschte aber auch konzentrierte Stille. Nicht nur auf lokaler Ebene mochten Appelle wie dieser gelten: »Wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen, wird es uns gelingen, Energie zu entfachen.« Die Energie und Tatkraft, die nötig ist, um Herausforderungen etwa beim Klimaschutz zu meistern. Haberstroh forderte Klarheit und Ehrlichkeit auch bei unpopulären politischen Aussagen wie der Verteuerung der Energieversorgung ein, aber auch Realismus bei der Umsetzung etwa der Klimaneutralität. »Ziele dürfen ambitioniert sein. Aber vor allem müssen sie machbar sein.« Kräftiger Szenenapplaus in der vollen Stadthalle.

Gelöst, der Ausklang der Ansprache, mit Carmen Haberstrohs Hinweis auf die strahlenden Fotobox-Bilder, die ihre Mitbürger gleich mit hinaus in die goldene Januarsonne nehmen konnten. Der Wink an jede und jeden, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen, und die augenzwinkernde Warnung vor drohenden Niederlagen am Tischkicker im Foyer: »Achtung! Spielen Sie nicht mit meinem Partner. Er profitiert immer noch von seiner 20-monatigen Trainingszeit als Zivildienstleistender.«
Die Lacher hatte Carmen Haberstroh damit auf ihrer Seite. Zwei Gebärdendolmetscherinnen an ihrer Seite: Birgit Astfalk und Rita Mohlau wussten Heiteres wie Ernstes in Gesten zu übersetzen und sorgten auch damit für den von der Oberbürgermeisterin gepriesenen Zusammenhalt. (GEA)


