WANNWEIL. Die Karten sind neu gemischt in Wannweil: Die bisher stärkste Fraktion, die Grün-Alternative Liste (GAL) hat einen Sitz verloren und ist jetzt nur noch mit drei Männern im Gemeinderat vertreten. Im Gegenzug hat die CDU einen Sitz dazugewonnen und ist jetzt wieder die stärkste Fraktion. Gleich stark mit drei Sitzen im Ratsrund vertreten ist die Freie Liste (FL). Die SPD hat nach wie vor zwei Sitze, während die Freie Wählervereinigung (FWV) einen Sitz dazugewonnen hat.
1.939 Wannweilerinnen und Wannweiler haben für Erich Herrmann gestimmt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende ist damit ein weiteres Mal Stimmenkönig in der Echaz-Gemeinde. »Eigentlich jetzt schon das sechste Mal«, sagt Herrmann, der schon seit sieben Wahlperioden und damit 35 Jahre im Gemeinderat sitzt. Was ihn viel mehr freut als die vielen Stimmen ist die Tatsache, dass die CDU einen Sitz dazugewonnen hat und jetzt wieder stärkste Fraktion ist. Dieses Ziel hatte der 70-Jährige schon vor der Wahl ausgegeben.
»Darüber sind wir natürlich dankbar«, sagt Herrmann, »wir hatten sehr starke Kandidaten und sind sogar knapp an einem fünften Sitz vorbeigeschrammt.« Es sei nicht abzusehen gewesen, dass Barbara Kasper, die für eine Wahlperiode für die Bürgerbeteiligung in Wannweil (BiWa) im Rat saß, nicht die Wiederwahl schafft. Daran »schuld« ist ausgerechnet Erich Herrmanns Sohn Christian, der gleich beim ersten Anlauf mit 275 Stimmen mehr als Kasper in den Rat gewählt wurde.
»Es wäre natürlich schön gewesen, wenn wir mit unseren vielen Stimmen noch einen fünften Sitz errungen hätten«, sagt Erich Herrmann mit Blick auf Räte, die mit einem Bruchteil der Stimmen den Sprung in den Rat geschafft haben, »aber so ist nun mal das Verhältniswahlrecht. Ich will mich nicht beklagen.«
Freude auf der einen Seite, Frust auf der anderen
Freude auf der einen Seite, Frust auf der anderen: »Wir sind natürlich traurig, dass wir nicht wieder vier Sitze errungen haben«, sagt der GAL-Fraktionsvorsitzende Dr. Christoph Treutler, der vor der Wahl noch gehofft hatte, das Ergebnis wenigstens zu halten, nachdem Ruth Uhlisch und Sabine Altenburger nicht mehr angetreten waren. Im Vergleich zu 2019 und sogar 2014 habe sich für die GAL von den Stimmen her »nicht dramatisch viel verändert«, sagt Treutler. Trotzdem: Der vierte Sitz ist weg. »Wir sind trotzdem immer noch eine Fraktion mit allen Rechten, Anträge zu stellen«, sagt er, »und wir sind es ja gewohnt, Unterstützer im Rat zu suchen, um Ideen durchzukriegen.«
»Wir können zufrieden sein«, sagt Helmut Bader für die Freie Liste (FL), »wir haben unsere drei Sitze verteidigt.« Er denkt kurz nach und sagt dann selbstbewusst: »Wir waren ganz knapp dran, einen vierten zu kriegen - wir liegen schließlich nur 1,3 Prozent hinter den Grünen.« Aber er will nicht meckern. Drei Sitze: passt. Sorgen macht sich der Mann, der im Rat für das traditionelle Wannweil steht und der die zweitmeisten Stimmen im Ort errungen hat, höchstens darüber, dass seine Wähler immer älter sind - oder irgendwann gar nicht mehr da sind.
Lachendes und weinendes Auge
»Ich freu mich«, sagt Sigrun Franz-Nadelstumpf für die SPD. Auf das Ergebnis blickt sie »mit einem lachenden und einem weinenden Auge«: Sie freut sich, dass Katharina Härtter auf Anhieb so viele Stimmen bekommen hat, findet es aber schade, dass es Armin Dieterle mit 729 Stimmen nicht mehr gereicht hat. »Wir haben gut zusammengearbeitet.« Grundsätzlich freut sich Franz-Nadelstumpf, dass mit Katharina Härtter wenigstens eine neue Frau in den Rat gewählt worden ist, nachdem die beiden GAL-Frauen nicht mehr angetreten sind.
Dass Martina Lietz strahlt, hört man durchs Telefon: "Ich freue mich tierisch", sagt sie, "ich hatte mir ganz im Geheimen gewünscht, dass die FWV mit der Wahl am 9. Juni einen zweiten Sitz dazubekommen. Jetzt hat's mit Valentin Raiser geklappt. "Das ist wunderschön", sagt Lietz. Wie ihre SPD-Kollegin Sigrun Franz-Nadelstumpf hebt sie die Verjüngung des Wannweiler Gremiums hervor: "In jeder Fraktion ist jetzt ein jüngerer Mensch drin - das ist das, was wir alle miteinander angestrebt haben."
Die Gewählten
Gesamtergebnis (vorläufig): Wahlberechtigte 4.167, Wähler 2.809 (67,41 Prozent)
CDU: 10.827 (29,32 Prozent)
GAL: 8.391 (22,72 Prozent)
FL: 7.904 (21,40 Prozent)
SPD: 5.993 (16,23 Prozent)
FWV: 3.818 (10,34 Prozent)
CDU: Erich Herrmann 1.939, Martin Rein 1.338, Christian Herrmann 1.194 (neu), Alfred Allgaier (926)
GAL: Joachim Hespeler 1.401, Dr. Christoph Treutler 1.270, Valentin Paal 793 (neu)
FL: Helmut Bader 1.413, Ulrich Joos 1.369, Dominik Taubmann (685)
SPD: Sigrun Franz-Nadelstumpf (1.049), Katharina Härtter (885)
FWV: Martina Lietz 1.050, Valentin Raiser 369 (neu)

