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Aktuell Hochwasser

»Großartige Hilfe« im überfluteten Wannweil

Feuerwehrkommandant Frank Herrmann berichtete über den Starkregen vom 28. Juni und die Folgen.

Der am 28. Juni geflutete Edeka-Parkplatz neben der Echaz von der Fußgängerbrücke aus gesehen. FOTO: LEISTER
Der am 28. Juni geflutete Edeka-Parkplatz neben der Echaz von der Fußgängerbrücke aus gesehen. FOTO: LEISTER
Der am 28. Juni geflutete Edeka-Parkplatz neben der Echaz von der Fußgängerbrücke aus gesehen. FOTO: LEISTER

WANNWEIL. Einen speziellen Einblick in die Arbeit der Wannweiler Feuerwehr lieferte Frank Herrmann am vergangenen Donnerstagabend im Gemeinderat. Der Feuerwehrkommandant bezog sich dabei auf den Starkregen, am 28. Juni: »Eigentlich war das ein normaler schöner Sommertag.« Dann wurde jedoch für den Abend Starkregen vorhergesagt »und zwar in der höchsten Unwetterwarnstufe«. Eine Gewitterzelle mit wenig Dynamik, die sich nur in sich selbst drehte, kam auf Wannweil zu und hing zwischen 18.40 und 20.30 Uhr über der Gemeinde – und auch über Reutlingen.

Bei einer Regenmessung ergab sich eine Niederschlagsmenge von 80 Litern auf den Quadratmeter. Beim Unwetter mit Hagel fünf Tage zuvor, am 23. Juni, kamen 40 Liter pro Quadratmeter herunter. Zum Vergleich: »In der Eifel sind in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 150 Liter gefallen.« Und die Echaz? »Die erreichte am 28. Juni einen Höchstpegelstand von 2,39m«, so Herrmann. Bei diesem Stand hatte es den Messsensor weggespült. Innerhalb von nur einer Stunde war der Pegel der Echaz um 1,80m gestiegen. Einen Tag später, am 29. Juni, kamen erneut Gewitterzellen auf Wannweil zu, die seien aber in sich zusammengefallen und regneten »nur« 20 Liter pro Quadratmeter ab.

Leitstelle überlastet

Um 18.42 Uhr am 28. Juni hatte der Kommandant zunächst mal die Hälfte der Wannweiler Feuerwehrleute alarmiert. Es sah ja noch nicht wirklich schlimm aus. Um 19.30 Uhr waren die ersten Einsätze vonnöten, da war der Notruf über die Leitstelle schon völlig überlastet und nicht mehr erreichbar. »Um 20.50 Uhr haben wir Überlandhilfe beantragt, zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits 25 Einsatzstellen«, so Herrmann. Erste Schwerpunkte hätten sich an der Grießstraße und der Echazstraße ergeben, die Marienstraße kam hinzu und einige mehr. Die Einsätze mussten priorisiert werden, Lebensgefahr für Personen in Kellerwohnungen etwa habe glücklicherweise (im Gegensatz zu Reutlingen) nicht bestanden. Verstärkung vom Roten Kreuz wurde geholt, die Uhlandhalle für Evakuierungen vorbereitet. »Genutzt hat diese Möglichkeit aber niemand«, sagte der Kommandant.

»Das Wasser kam mit solch einer Geschwindigkeit und Wucht, dass wir erst mal machtlos waren.« Der Bauhof sei ebenfalls in Aktion gewesen, »er kam, um die Rechen an Bächen freizuräumen«. Insgesamt hat die Feuerwehr innerhalb von 24 Stunden 85 Einsatzstellen abgearbeitet. »Einige Kameraden waren konstant im Einsatz.« Besonders kritische Stellen seien gerade die erwähnten Rechen an den Bächen gewesen, dazu die Unterführung Grieß- und Friedrich-List-Straße, vier Häuser am Kreisverkehr an der Kirchentellinsfurter Straße. »Die Fahrbahn dort war auf einer Höhe mit der Echaz.« Der Edeka-Parkplatz sei ja wohl tatsächlich als Überflutungsfläche gedacht gewesen – der Supermarkt hingegen wohl eher nicht, so Herrmann. Dennoch stand der Laden unter Wasser und ein Fahrzeug auf dem Parkplatz davor hatte es durch die abfließenden Fluten von der Hauptstraße in die Echaz gespült.

Was aus diesem Ereignis zu lernen ist? »Es muss für mehr Sensibilität in der Bevölkerung gesorgt werden«, forderte Frank Herrmann. Während solcher Wasserfluten auf eine Brücke zu stehen oder mit seinem Auto durch eine geflutete Unterführung fahren zu wollen – das dürfe nicht geschehen. »Wir müssen dann die Leute aufwendig retten und bringen uns selbst dabei in Lebensgefahr.« Es sei »gut und richtig« vom Gemeinderat gewesen, das Starkregenrisikomanagement zu beschließen.

Geräte und Kleidung verdreckt

Lob verteilte der Kommandant abschließend auch noch: »Das Verständnis war fast bei jedem groß, dass die Feuerwehr nicht überall sein konnte.« Die Nachbarschaftshilfe sei großartig gewesen, der Dank galt den Kameraden, »die trotz eigener Betroffenheit geholfen haben und ihre Belange hintenanstellten«. Dank sagte Herrmann zudem an das Rote Kreuz, den extrem zuverlässigen Bauhof und die Überlandhilfe von einigen Feuerwehren. »Wir haben nach diesen Einsätzen fast eine Woche lang die Geräte und unsere Kleidung gereinigt.« Alles sei verschlammt und verdreckt gewesen. Bürgermeister Christian Majer sagte ebenfalls Danke – und zwar für die großartige Hilfe der Feuerwehr. (GEA)