BAD URACH/MADEIRA. Eigentlich schien am Donnerstag, 15. August, im Flughafen Funchal der portugiesischen Insel Madeira für eine Familie aus Bad Urach alles rundzulaufen. Doch es kam anders. Die vier Bad Uracher waren rechtzeitig vor Ort und gaben ihr Gepäck nichts ahnend ab. Ihr Flugzeug sollte um 18.25 Uhr nach Stuttgart abfliegen. Doch dem war nicht so. Gegen 18 Uhr erhielten sie die erste Nachricht, dass sich der Flug verspäten würde. Im halbstündigen Takt bekamen sie noch mehr Nachrichten: Ihr Flieger verspätete sich immer weiter. Kurz nach 20 Uhr hieß es dann: Der Flug wird gecancelt.
»Wegen der herausfordernden Wetterverhältnisse mit starken Winden auf Madeira, waren Starts und Landungen für alle Airlines, so auch für Condor, am vergangenen Donnerstag zum Teil nicht möglich. Denn die Sicherheit unserer Gäste und Besatzungsmitglieder hat oberste Priorität«, teilt die Pressesprecherin von Condor, Johanna Tillmann, auf GEA-Anfrage mit. Von den Umständen seien an diesem Tag insgesamt vier Condor-Flüge betroffen, so auch der Flug von Stuttgart nach Funchal. Der Flieger konnte aufgrund des Winds nicht landen und wurde auf Madeiras Nachbarinsel Porto Santo umgeleitet, wo er anschließend nach Deutschland zurückkehrte. »Dies hatte ebenfalls Auswirkungen auf den Rückflug von Funchal nach Stuttgart, der somit leider nicht planmäßig durchgeführt werden konnte«, ergänzt sie.
Im Flughafen übernachtet
Die Familie aus Bad Urach, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, war aufgeschmissen. Mutter Bettina M. ärgert sich: »Niemand wusste Bescheid, wie es weitergeht. Es gab keinen Ansprechpartner vor Ort, der Auskunft geben konnte. Wir waren uns selbst überlassen. Uns wurde gesagt, wir sollen zu unserer Fluggesellschaft Kontakt aufnehmen.« Telefonisch sei die Frau an diesem Abend aber nicht mehr durchgekommen. Die Familie bekam ihre Koffer zurück und übernachtete dann »im Bereich, wo Gepäck abgegeben wird«. Zahlreiche Menschen verbrachten die Nacht »auf dem ganzen Flughafen verteilt«, beschreibt die Bad Uracherin. Andere Betroffene »wussten auch nicht weiter, hingen auch wie wir in der Luft«.
Der Versuch, auf eigene Faust eine Übernachtung im Flughafen zu umgehen und spontan eine Bleibe zu finden, fiel ins Leere. »Es war alles ausgebucht«, berichtet sie. »Eigentlich haben wir in so einem Fall mit einer Unterstützung gerechnet.« Für eine Unterkunft wurde seitens der Fluggesellschaft nicht gesorgt. Schlussendlich blieb ihnen nichts anderes übrig, als im Flughafen auf Matten zu schlafen. Nicht mal diese seien von Condor zur Verfügung gestellt worden, sondern vom Flughafen, bedauert Bettina M. »Die erste Nacht und den darauffolgenden Tag mussten wir im Flughafen verbringen. Das war sehr anstrengend. Wir haben gehofft, dass wir noch wegkommen, aber dem war nicht so«, bedauert sie. Erst um 6 Uhr morgens erreichte Bettina M. dann die Airline.
Ersatzflug nach einer Woche
Die einzige Option, die ihnen die Fluggesellschaft geboten habe, sei ein Ersatzflug am 22. August, berichtet sie. Dass der Flug »aufgrund wetterbedingter Einschränkungen storniert wird«, kann die Frau nachvollziehen, jedoch nicht, dass sie eine Woche auf Madeira festhängen muss. »Wenn uns ein Flug für drei Tage später angeboten worden wäre, dann wäre das alles kein großes Thema. Aber von Anfang an gab es eben nur diese eine Option, eine Woche später wegfliegen zu können.« Condor begründet den späten Rückflug so: »Bedingt durch das hohe Reiseaufkommen zur aktuellen Hauptferienzeit sind so gut wie alle Condor Flugzeuge im Einsatz. In der vergangenen Woche kam erschwerend hinzu, dass neben der Insel Madeira auch die Baleareninsel Palma de Mallorca von schweren Unwettern betroffen war, was zu einer zeitweisen Schließung des Flughafens führte. Dies hatte auch Auswirkungen auf den Flugbetrieb sowie die Fluggerät- und Crewplanung von Condor, sodass Reserveflugzeuge sowie -crews bereits im Einsatz waren und nicht für einen Ersatzflug eingesetzt werden konnten.«
Dass die Familie aus Bad Urach erst an diesem Donnerstag wieder zurückfliegen kann, hat böse Folgen für sie. Der 19-jährige Sohn muss jetzt mit einem Verdienstausfall von einer Woche rechnen. Aber das ist nicht alles: »Wir hatten noch einen Folgeurlaub gebucht, den wir stornieren mussten«, erzählt Bettina M.
Condor entschuldigt sich
Ob die Kosten für zusätzliche Übernachtungen auf Madeira von Condor erstattet werden, weiß Bettina M. nicht. »Man hört dieses und jenes. Wir sind uns nicht sicher, ob das klappt«, sagt sie. Die Pressesprecherin der Airline sagt im Gespräch mit dem GEA: »Gäste, deren Rückflug ab Madeira erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden kann, können die entstehenden Kosten im Rahmen der Versorgungsleistung online bei Condor unter Reklamation: Alle Informationen/Condor einreichen. Wir entschuldigen uns in aller Form bei unseren Gästen für die entstandenen Unannehmlichkeiten.«
Familie M. musste am Dienstag ihre Unterkunft wechseln, weil sie nicht mehr verfügbar war. »Nach unserem Urlaub sind wir wieder urlaubsreif. Wir sind enttäuscht, dass eine eigentlich renommierte Fluggesellschaft ihre Kunden so im Stich lässt«, sagt Bettina M. Am Donnerstag hofft sie, dass das Abenteuer zu Ende geht. »Wir lassen es auf uns zukommen und hoffen, dass alles klappt. Wenn nicht, werden die Karten neu gemischt.«
Seitens der Fluggesellschaft heißt es weiter: »Der Flughafen Madeira gehört zu einem der herausforderndsten Flughäfen der Welt. Dies liegt an den vor Ort oftmals herrschenden strengen Fallwinden und starken Böen, die den Anflug erschweren. Um Madeira anfliegen zu dürfen, müssen Piloten eine spezielle Schulung durchlaufen, um die dazugehörige Lizenz zu erwerben.« (GEA)


