WALDDORFHÄSLACH. Im September sollte der Baubeginn für das Flüchtlingshaus an der Dettenhauser Straße sein. Nun hat Walddorfhäslachs Bürgermeisterin Silke Höflinger verkündet, dass es dazu nicht kommen wird. Der Gemeinderat hat in einer nichtöffentlichen Sitzung entschieden, jeweils ein Haus in Walddorf und in Häslach anzukaufen und dort Flüchtlinge unterzubringen. Diesen Beschluss hat Höflinger am Donnerstag im Gremium verkündet. Daher brauche die Gemeinde das für 20 bis 30 Personen geplante weitere Haus derzeit nicht. Dass über Grundstücksanlegenheiten hinter verschlossenen Türen beraten und abgestimmt wird, ist üblich, da es dort auch um Kaufpreise und Verkäufer geht und diese dem Datenschutz unterliegen.
Zwei Mal hatte Bürgermeisterin Höflinger die Bürger bei Versammlungen über den Bau einer Flüchtlingsunterkunft informiert. Einmal hatte sie eine Ratssitzung in die Gemeindehalle verlegt und dabei die Öffentlichkeit informiert, nachdem es bereits vor der Entscheidung Proteste gegeben hatte und ein anonymes Flugblatt kursierte. »Im vorvergangenen Jahr ging es darum, wo wir einen Neubau für Flüchtlinge herstellen. Maximal 30 wollten wir dort unterbringen und am Konzept der dezentralen Unterbringung festhalten«, sagte Höflinger am Donnerstagabend im Gemeinderat. Nun gebe es veränderte Vorzeichen: »Aktuell stagnieren die Flüchtlingszahlen oder sind sogar rückläufig. Generell könnten diese aber auch wieder steigen. Wir haben uns eingehend damit befasst, ob wir nun noch einen Neubau hinstellen.« Das Ergebnis sei der alternative Kauf von je einem Haus in Walddorf und Häslach gewesen.
Kein Verzicht, sondern Aufschieben
»Wir hatten bereits das Baugesuch für das Flüchtlingshaus an der Dettenhauser Straße gestellt und es bewilligt bekommen«, informierte Höflinger. Der Verzicht auf den Bau bedeute nun aber auch, dass der bereits bewilligte Förderantrag verfalle. Auf der anderen Seite entfallen die Baukosten von aktuell geschätzten 1,65 Millionen Euro für den Neubau. »Es wäre unklar gewesen, wie sich das Vergabeverfahren gestaltet hätte und wie teuer es gewesen wäre«, sagte Höflinger. Sie sagte allerdings auch, dass das Projekt zum Bau des Flüchtlingshauses nicht beendet, sondern stattdessen zurückgestellt worden sei. »Es ist eine gelungene Planung, die wir jederzeit vorholen und umsetzen können.« Der Bau könne bei Bedarf an der Dettenhauser Straße oder auch woanders erfolgen. Auch damit sei das Konzept der dezentralen Unterbringung weiterhin gewährleistet.
Die Bürgermeisterin ordnet ein, dass in Walddorfhäslach aktuell 150 Flüchtlinge wohnen und die Gemeinde darüber hinaus auch Obdachlose unterbringen müsse. »Von den Flüchtlingen sind einige schon anerkannt und leben weiterhin hier.« Dass sie sich im Ort integrierten, dafür habe diese dezentrale Form der Unterbringung und das Engagement der Menschen im Arbeitskreis Asyl gesorgt. (GEA)

