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Altes Schulhaus von Hengen wird zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut

Der Gemeinderat hat jetzt den Planungen des Metzinger Architekten Markus Haug zugestimmt. Was das Projekt so besonders macht und warum die Bevölkerung schon so lange darauf wartet.

Die Stadt Bad Urach rechnet für den Umbau des Alten Schulhauses zum Dorfgemeinschaftshaus mit Kosten in Höhe von rund dreieinhal
Die Stadt Bad Urach rechnet für den Umbau des Alten Schulhauses zum Dorfgemeinschaftshaus mit Kosten in Höhe von rund dreieinhalb Millionen Euro und hofft dabei auf einen Landeszuschuss in Höhe von einer Million. Foto: Andreas Fink
Die Stadt Bad Urach rechnet für den Umbau des Alten Schulhauses zum Dorfgemeinschaftshaus mit Kosten in Höhe von rund dreieinhalb Millionen Euro und hofft dabei auf einen Landeszuschuss in Höhe von einer Million.
Foto: Andreas Fink

BAD URACH-HENGEN. Am 1. Dezember 1972 wurde das Albdorf Hengen in die Stadt Urach - das Bad kam erst 1983 dazu - eingemeindet. In dem Eingemeindungsvertrag wurde der »Bau einer Turnhalle« festgeschrieben. Daraus ist nie etwas geworden, obwohl Ende der 1980er-Jahre sogar ein Bauplatz dafür ausgewiesen wurde. Mal waren es andere Projekte, die dringender waren, mal die angespannte Haushaltslage.

Inzwischen sind der Uracher Stadtrat und der Hengener Ortschaftsrat - die in dieser Sache beileibe nicht einer Meinung sind - übereingekommen, dass es schon lange keine Turnhalle mehr braucht. Aber ein Dorfgemeinschaftshaus, das umso mehr. Im November 2019 wurden die Bürger informiert, dann kam Corona. Trotz der allgemeinen Lähmung wurden die Pläne weitergetrieben, das Alte Schulhaus neben der All-Heiligen-Kirche zu einem Dorfgemeinschaftshaus umzubauen. Bei einer Bürgerversammlung vor zwei Jahren wurde der Entwurf des Metzinger Architekturbüros dhs vorgestellt. Der Ortschaftsrat stimmte zu. So wie jetzt der Uracher Gemeinderat, wo dhs-Inhaber Markus Haug seine fortgeschriebenen Pläne erneut präsentierte.

»Das Gebäude ist bautechnisch insgesamt in einem schlechten Zustand«

Mit dem Alten Schulhaus sind zwei Probleme verbunden. Erstens: Zwischen den Fußbodenhöhen des Obergeschosses gibt es derzeit einen Höhenunterschied von rund einem halben Meter zwischen dem hinteren und dem vorderen Gebäudeteil - das Gebäude ist also nicht mal ansatzweise barrierefrei. Um ein gleichmäßiges Niveau zu erhalten, wird der Dachstuhl und die Hälfte des Obergeschosses komplett abgerissen und neu aufgebaut. Um das Haus als Ganzes barrierefrei zu gestalten, erhält es außen ein neues gläsernes Treppenhaus mit Aufzug.

Im Erdgeschoss des künftigen Dorfgemeinschaftshauses kommt die Hengener Verwaltungsstelle mit einem Sitzungsraum für den Ortschaftsrat beziehungsweise für Vereine. Platz finden auch die zentralen WC-Anlagen für den Saal im Obergeschoss. Er hat maximal 182 Sitzplätze bei einer Reihenbestuhlung. Daneben hat der Architekt ein Stuhllager und eine Verteilerküche vorgesehen.

Unter dem wuchernden Efeu verschwunden: Das Alte Schulhaus in Hengen wurde im Jahr 1881 erbaut. Bis Mitte der 1970er-Jahre wurde
Unter dem wuchernden Efeu verschwunden: Das Alte Schulhaus in Hengen wurde im Jahr 1881 erbaut. Bis Mitte der 1970er-Jahre wurde hier unterrichtet. Foto: Andreas Fink
Unter dem wuchernden Efeu verschwunden: Das Alte Schulhaus in Hengen wurde im Jahr 1881 erbaut. Bis Mitte der 1970er-Jahre wurde hier unterrichtet.
Foto: Andreas Fink

Zweites Problem: »Das Gebäude ist bautechnisch insgesamt in einem schlechten Zustand«, sagt der Uracher Gebäudemanager Thomas Jaschinski. Der Bauhof hat im Haus mehrere Böden und Wände geöffnet und nachgeschaut - mit einem ernüchternden Ergebnis. Jaschinski: »Es besteht ein massiver Sanierungsrückstand.« Deshalb wird das Gebäude kernsaniert und in einen »Rohbauzustand« rückgebaut, wie Architekt Markus Haug erklärt. Mit dem Umbau kommt auch eine neue Heizung. Die 70-kW-Pelletheizung versorgt künftig nicht nur das DGH, sondern auch noch den danebenliegenden Kindergarten »Forsthaus« mit Wärme. Aufs Dach des Dorfgemeinschaftshauses kommt eine Photovoltaikanlage.

»Wir wollen den Tuffsteinbau halten, deshalb wird das Gebäude von innen gedämmt«

Von dem alten Charme des Gebäudes soll so viel wie möglich erhalten bleiben. »Wir wollen den Tuffsteinbau halten«, sagt Architekt Markus Haug, »deshalb wird das Gebäude von innen gedämmt.« Auch die Sprossenfenster sollen - neu, selbstverständlich - wieder Teil des Dorfgemeinschaftshauses werden.

Aus einem alten Schulhaus ein modernes Dorfgemeinschaftshaus zu machen, ist nicht nur aufwendig, sondern auch relativ teuer. Architekt Markus Haug hat Baukosten in Höhe von 3,53 Millionen Euro errechnet. Die Stadtverwaltung hat bereits beim Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart einen Antrag beim »Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum« (ELR) gestellt und hofft auf Zuwendungen in Höhe von einer Million Euro.

Die Entscheidung, ob die Stadt zum Zuge kommen wird, fällt im März. »Wir haben vom Regierungspräsidium sehr positive Rückmeldungen bekommen«, sagt Gebäudemanager Thomas Jaschinski. Die Kosten ein bisschen minimieren wollen auch die Hengener selbst: Ihre Hilfe bei »einfachen Demontagearbeiten« hat der Architekt bereits einkalkuliert. Die reine Bauzeit beträgt rund anderthalb Jahre. Mitte 2025 soll's losgehen.

In unmittelbarer Nähe des Alten Schulhauses steht der Kindergarten »Forsthaus«. Er soll künftig ebenfalls Wärme von der Pellethe
In unmittelbarer Nähe des Alten Schulhauses steht der Kindergarten »Forsthaus«. Er soll künftig ebenfalls Wärme von der Pelletheizung des »neuen« Dorfgemeinschaftshauses erhalten. Foto: Andreas Fink
In unmittelbarer Nähe des Alten Schulhauses steht der Kindergarten »Forsthaus«. Er soll künftig ebenfalls Wärme von der Pelletheizung des »neuen« Dorfgemeinschaftshauses erhalten.
Foto: Andreas Fink

Altes Schulhaus Hengen

Das Gebäude wurde 1881 erbaut. Bis Mitte der 1970er-Jahre wurde in der Schule unterrichtet. Genutzt wird es derzeit noch vom Posaunenchor, vom Gesangverein, vom Frauenturnen und von einer Yoga-Gruppe. (and)