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Aktuell Metal-Konzert

Viel Gitarre, wenig Horror: Die Metal-Gruppe W.A.S.P. im Stuttgarter LKA

Die Metal-Gruppe W.A.S.P. begeisterte nach ihrem Wacken-Auftritt auch im Stuttgarter LKA/Longhorn. Das Skandalpotenzial hielt sich dabei in Grenzen.

Skelett-bewehrte Mikrofonständer: W.A.S.P. in Stuttgart.
Skelett-bewehrte Mikrofonständer: W.A.S.P. in Stuttgart. Foto: Martin Zimmermann
Skelett-bewehrte Mikrofonständer: W.A.S.P. in Stuttgart.
Foto: Martin Zimmermann

STUTTGART. Eine lange Schlange bildete sich am Montagabend vor dem LKA Longhorn. Die US-Glam-Metal-Band W.A.S.P., die in Wacken eben noch als einer der Co-Headliner gespielt hatte, war angesagt. In den frühen 1980ern war die Band wegen viel Kunstblut bei den Bühnenshows, Albumcovers mit sexuellen Anspielungen und Songtiteln wie »Animal (Fuck Like a Beast)« auf dem deutschen Index der jugendgefährdenden Medien gelandet. Und in den USA auf der berüchtigten Liste der »Filthy Fifteen«, der »Schmutzigen Fünfzehn« (anstößigsten Songs), die einst Tipper Gore, Gattin von Ex-US-Vizepräsident Al Gore mit ihrem Parents Music Resource Center anprangerte.

In Stuttgart konzentrierten sich die vier Musiker hauptsächlich aufs musikalische Handwerk – wenn man vom Skelettvorbau am Mikrofonständer absieht und einigen historischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Nazizeit, die im Hintergrund gezeigt wurden. Bis heute ungeklärt ist die Frage, was die Punkte im Bandnamen abkürzen. Zwei Deutungen, die die Band selbst verbreitete, waren »White Anglo-Saxon Protestant« und »We're all sexual perverts«. Auch »We are all Satan's People« war im Gespräch. Wahrscheinlicher ist die – ebenfalls in Interviews verbreitete – Version, dass eine Wespe in den Probenraum flog und die Punkte dem einfachen Bandnamen etwas Geheimnisvolles geben sollten.

Sänger Blackie Lawless beim Auftritt mit W.A.S.P. im LKA.
Sänger Blackie Lawless beim Auftritt mit W.A.S.P. im LKA. Foto: Martin Zimmermann
Sänger Blackie Lawless beim Auftritt mit W.A.S.P. im LKA.
Foto: Martin Zimmermann

W.A.S.P. ist eigentlich eine Art Soloprojekt des inzwischen 69-jährigen New Yorker Gitarristen und Sängers Blackie Lawless, der eigentlich Steve Edward Duren heißt und ein Schulfreund von Ace Frehley von Kiss ist. Der Rest der Band wechselte bereits in der erfolgreichen Zeit in den 1980er-Jahren häufig. In der aktuellen Besetzung ergänzen den Frontmann Gitarrist Doug Blair (seit 2006), Schlagzeuger Aquiles Priester (seit 2017) und Bassist Mike Duda (seit 1996).

Die Band startete gleich mit einem Hit: »I Wanna Be Somebody« aus dem Debütalbum W.A.S.P. von 1984. Stilistisch zwischen Quiet Riot und Twisted Sister boten W.A.S.P. einen geradezu klassischen Old-School-Heavy-Metal-Sound. Rifflastige Songs wechselten sich ab mit virtuosen Gitarrensoli und mitgrölbar-eingängigen Refrains. Das gefiel auch Axxis-Bassist Rob Schomaker, der sich die Show im Publikum inkognito ansah, aber mit dem GEA über die bevorstehende Axxis-Tour gemeinsam mit Axel Rudi Pell plauderte.

Blackie Lawless mit W.A.S.P. im Longhorn.
Blackie Lawless mit W.A.S.P. im Longhorn. Foto: Martin Zimmermann
Blackie Lawless mit W.A.S.P. im Longhorn.
Foto: Martin Zimmermann

Nach rund 85 Minuten ohne Vorbands endete das Konzert kurz vor 22 Uhr. Zuvor gab Lawless mit einem schönen Solo-Intro zu »Wild Child« sowie den Hits »I Don't Need No Doctor« und »Blind In Texas« einige Klassiker, die viele der Fans mitgrölen konnten. In seiner Schlussansage deutete Lawless an, dass es die letzte große Tournee von W.A.S.P. und das letzte Konzerte der Band in Stuttgart gewesen sein könnte. Die Stuttgarter Metal-Fans seien bei einem »historischen Moment« Zeuge gewesen, so Lawless. Aber vielleicht überlegt er es sich auch nochmal. (GEA)