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Die Mighty Oaks sorgen für Wohlfühl-Atmosphäre im Reutlinger Echaz-Hafen

Kuscheliges Finale beim Hafensounds-Festival: Die Folk-Band Mighty Oaks aus Berlin sorgte mit ihren ruhigen, emotionalen Songs, mehrstimmigem Gesang und wechselnden Instrumenten für ein Konzert, das einen beschwingt in die Nacht entließ.

Stimmungsvolles Finale mit den Mighty Oaks: Frontman Ian Hooper aus Seattle betört mit seiner erdig-rauchigen Stimme die Zuhörer
Stimmungsvolles Finale mit den Mighty Oaks: Frontman Ian Hooper aus Seattle betört mit seiner erdig-rauchigen Stimme die Zuhörer im Echaz-Hafen. Foto: Karlheinz Weiß
Stimmungsvolles Finale mit den Mighty Oaks: Frontman Ian Hooper aus Seattle betört mit seiner erdig-rauchigen Stimme die Zuhörer im Echaz-Hafen.
Foto: Karlheinz Weiß

REUTLINGEN. Wohlig, kuschelig, beschwingt: So fühlte man sich nach dem Konzert der Mighty Oaks, die am Sonntag zum Abschluss des Hafensounds-Festivals im Reutlinger Echaz-Hafen auftraten. Die Berliner Band, deren drei Musiker 2010 ihr erstes Album aufgenommen haben und denen 2014 mit »Howl« der Durchbruch gelang, bot Folk mit sanftem Gesang, gefühlvollen Texten und wechselnden Instrumenten. Musikgenuss, der rund 90 Minuten für beste Unterhaltung sorgte. Mehr als 1.000 Besucher ließen sich vom Festival-Finale betören.

Lieder vom Leben und der Liebe

Sympathisch kommen die drei Musiker rüber: Frontman Ian Hooper aus den USA, Bassist Craig Saunders aus England und der Italiener Claudio Donzelli, der neben Gitarre auch Keyboard und Banjo spielt. Für den Gesang sind alle drei zuständig: Hooper singt mit seiner rauchigen, tief-samtigen Stimme jeden Song, manchmal stimmt einer der beiden mit ein, manchmal beide. Ohne große Show, ohne Firlefanz, ohne große Interaktion mit dem Publikum lassen sie ihre Musik für sich sprechen - nur manchmal wabert ein wenig Nebel über die Bühne oder taucht die Lichtmaschine sie in gelbes oder rotes Licht. Alles Weitere bleibt der Musik überlassen. Es sind Songs über die Liebe, die Enttäuschung, die Freundschaft, die Brüderschaft, das Leben mit all seinen Hochs und Tiefs.

(Bass-)Gitarrist Craig Saunders.
(Bass-)Gitarrist Craig Saunders. Foto: Karlheinz Weiß
(Bass-)Gitarrist Craig Saunders.
Foto: Karlheinz Weiß

»The Land Of Broken Dreams«, »Forgive & Forget«, »Storm«: Sanft sind die Melodien, eingängig, sie lullen das Publikum ein. Hooper sitzt auf einem Barhocker, er trägt ein gemustertes Hemd, Vollbart und einen Hut - ganz lässig, fast so, als spielten sie im Kreis von Freunden um ein Lagerfeuer, nicht auf einer großen Bühne. Ansprachen, das macht er gleich nach dem ersten Song deutlich, sind nicht sein Ding. »Ihr dürft in den Pausen ruhig miteinander reden«, fordert er sein Publikum auf, statt erwartungsvoll nach oben zu schauen und auf erzählerische Einlagen von ihm zu warten.

So ganz funktioniert das nicht, gespannt warten die Besucher auf die nächsten Songs. Und die kommen. Einer nach dem anderen, dicht auf dicht. Bekanntere Songs von den vier Scheiben, die die Mighty Oaks zwischen 2014 und 2021 aufgenommen haben, aber auch einer von Hoopers Favoriten, »Heavy«, der eher unbekannt ist, aber dafür sehr persönlich. Er erzählt von einem Roadtrip mit seinem Vater durch Utah, von der Zeit, die er damals mit seinem Dad verbringen konnte. Kurz blickt Hooper auf die aktuelle Situation in den USA, einem Land, das »tief gespalten« sei, aber »die Menschen dort sind trotzdem gut«.

Italienisches Musiktalent: Claudio Donzelli singt, spielt Klavier, Banjo und Gitarre.
Italienisches Musiktalent: Claudio Donzelli singt, spielt Klavier, Banjo und Gitarre. Foto: Karlheinz Weiß
Italienisches Musiktalent: Claudio Donzelli singt, spielt Klavier, Banjo und Gitarre.
Foto: Karlheinz Weiß

Auch neue Lieder haben sie im Repertoire, nach einer zweijährigen Pause, in der sich die Musiker teils eigenen Projekten gewidmet haben, haben sie 2024 »High Times« veröffentlicht. Craig Saunders animiert die Zuhörer immer wieder, mitzuklatschen. Eine Aufforderung, der sie gerne nachkommen. Unter den neueren Songs ist auch einer, der rockiger klingt und zum Tanzen animiert. Immer wieder gehen im Rhythmus die Hände nach oben, es wird gewippt und gesummt. Beim Mitsingen hingegen ist das Reutlinger Publikum eher zögerlich, nur ab und an stimmen sie in die Refrains mit ein, etwa beim Hit »Brother«. Lediglich bei »Mexico«, dem Schlusslied der Setlist, wird's ein bisschen lauter, und bei den zwei Zugaben wagen sich die Fans etwas näher an die Bühne.

Authentische, begabte Musiker, die sympathisch und engagiert auftreten, berührende Lieder, die ein gutes Gefühl bescheren, eine tolle Location mit dem Echaz-Hafen und ein Open-Air-Konzert, das vom Regen verschont bleibt: Es war ein netter Abend, den die Mighty Oaks zum Finale des Hafensounds-Festivals beschert haben. Ganz übergesprungen ist der Funke jedoch nicht, von einer brodelnden Stimmung war man noch entfernt. Was sicherlich auch an der Distanz gelegen hat, die entstanden ist, weil der vordere Teil vor der Bühne bestuhlt war. (GEA)