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Tübinger Wissenschaftler: Woher das Gold für Troia kam

Laser-Untersuchung zeigt: Handelsbeziehungen in der Bronzezeit reichten bis ins Tal des Indus.

Haarringe (oben links), eine Anstecknadel (links unten), Halsketten (Mitte) und ein Halsreif (unten rechts) gehörten zu den Gold
Haarringe (oben links), eine Anstecknadel (links unten), Halsketten (Mitte) und ein Halsreif (unten rechts) gehörten zu den Gold-Objekten, die von dem internationalen Forscherteam untersucht wurden. Der goldene Körbchen-Ohrring mit Gehänge (rechts) ist 7,4 Zentimeter lang, 6,7 Gramm schwer und in der Tübinger Ausstellung zu sehen. FOTOS: SCHWALL (ÖAI WIEN)/PIETH Foto: Privat
Haarringe (oben links), eine Anstecknadel (links unten), Halsketten (Mitte) und ein Halsreif (unten rechts) gehörten zu den Gold-Objekten, die von dem internationalen Forscherteam untersucht wurden. Der goldene Körbchen-Ohrring mit Gehänge (rechts) ist 7,4 Zentimeter lang, 6,7 Gramm schwer und in der Tübinger Ausstellung zu sehen. FOTOS: SCHWALL (ÖAI WIEN)/PIETH
Foto: Privat

TÜBINGEN. Der sagenhafte »Schatz des Priamos« beschäftigt seit Langem die Gemüter. Ausgräber Heinrich Schliemann war überzeugt, ihn gefunden zu haben. Der Tübinger Fachmann Ernst Pernicka, Grabungsleiter von 2005 bis 2012, hat jetzt mit anderen Wissenschaftlern Indizien gefunden, woher das Gold in Troia stammte.

Im Schloss in Tübingen läuft bis 16. April die Ausstellung »Troia, Tübingen, Schliemann«. Dort sind Modelle, Übersichtspläne und Grundrisse zu sehen. Eine Fülle von Funden – vom Kochtopf über Teller und Becher bis zur Grab-Urne – gibt einen Einblick in Alltag und Handwerk.

Wer den »Schatz des Priamos« sucht, wird dort allerdings nicht fündig. Ein goldener Ohrring in einer Vitrine steht stellvertretend für den Goldschmuck. Der Großteil dieser Funde befindet sich in Moskau. Nach Putins Angriff auf die Ukraine haben die Tübinger auf Leihgaben von Russland verzichtet.

Neue Methode angewendet

Ernst Pernicka, inzwischen Wissenschaftlicher Direktor des Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) in Mannheim, ist zusammen mit Wissenschaftlern aus Wien und Athen der Herkunft des Goldes nachgegangen. Eine neue Lasermethode brachte neue Erkenntnisse. Sie ermöglichte die Untersuchung der berühmten Schmuckstücke. Dabei wurde klar: Die Handelsbeziehungen in der frühen Bronzezeit reichten bis ins Industal.

Die Untersuchung war durch einen tragbaren Laser möglich geworden, der dem Team die minimalinvasive Entnahme von Probenmaterial aus Schmuckstücken im Archäologischen Nationalmuseum in Athen ermöglichte. Die Halsketten, Anhänger, Ohr- und Halsringe des Museums sind so kostbar, dass sie weder in ein Labor transportiert, noch auf eine Weise untersucht werden dürfen, die sichtbare Schäden an den Objekten hinterlässt. Die bisher verfügbaren Methoden scheiterten an mindestens einem dieser Hindernisse.

Der tragbare Laser dagegen schmilzt für eine Probe-Entnahme an Ort und Stelle im Museum ein so kleines Loch in die wertvollen Stücke, dass mit bloßem Auge nichts zu erkennen ist. Anschließend konnten Pernicka und sein Team im Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim die Proben mittels Massenspektrometrie auf ihre Zusammensetzung hin untersuchen.

Goldstaub aus dem Fluss

Historischer Goldschmuck enthält neben Gold immer auch andere Elemente wie Silber, Kupfer, Zinn, Palladium und Platin. Je nach Legierung können Wissenschaftler ein eindeutiges chemisches Profil von den Fundstücken erstellen und daraus Rückschlüsse ziehen. So sind die hohen Konzentrationen von Zinn, Palladium und Platin im Troia-Schmuck ein klarer Hinweis darauf, dass das dafür verarbeitete Gold in Form von Goldstaub aus einem Fluss gewaschen wurde. Die Forschenden konnten auch nachweisen, dass Werkstätten Schmuck in Serie produzierten und nicht nur als Einzelstücke.

Fest steht: Das Gold aus Troia, Poliochni (einer Siedlung auf Lemnos) und Ur hatte denselben Ursprung. Doch die genaue Herkunft des Troia-Goldes konnten die Forschenden noch nicht zweifelsfrei klären, sagt Pernicka: »Wenn wir den Anteil von Spurenelementen im Gold aus Troia, Poliochni und Ur betrachten, so zeigt bronzezeitliches Gold aus Georgien die größte Übereinstimmung mit den genannten Fundorten. Uns fehlen aber noch Daten und Untersuchungen aus anderen Regionen und von weiteren Objekten, um diese Vermutung zu erhärten.« (GEA)

TROIA – TÜBINGEN – SCHLIEMANN

Ausstellung, Vorträge, Führungen und ein Buch

Die Ausstellung auf Schloss Hohentübingen läuft bis 16. April. Öffnungszeiten sind mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr. Für Gruppen nach Vereinbarung. Dazu gibt’s ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, Führungen und Workshops. Die Veranstaltungen der internationalen Vortragsreihe sind donnerstags um 19 Uhr im Rittersaal. Jeden Sonntag um 16 Uhr startet eine Sonderführung durch die Ausstellung. Das Buch »Troia, Schliemann und Tübingen« hat 340 Seiten und kostet 39,90 Euro (farbige Abbildungen, Schriften des MUT, Band 25). 07071 2977579 www.unimuseum.de